Pfeffer & Salz - Der Lüneburg Aktuell Blog

SCHWEINEREIEN oder Gerüchte aus der Gastro Szene

von Sonja Jamme im Juli 2017

Glaubt man den Gerüchten, die durch Lüneburg wabern, wird sich bald der Geruch von frittiertem Schnitzel über die Stadt der roten Rosen legen. Das Schweinske kommt nach Lüneburg. Es soll die Nachfolge des Comodos antreten. Böse Zungen mögen meinen, dass sich damit nicht wirklich etwas ändert. Also rein qualitativ gesehen. Schon klar, es ist uns allen bewusst, dass die Zeiten der großen Läden voll billigem Convenience Food, die Massen abspeisend, vorbei sind. Meiner Meinung nach Gott sei Dank, aber das nur am Rande, und falls es Sie interessiert, niemandem treibt mehr der Anblick von Rosmarin-Kartoffeln die Freudentränen in die Augen. Und seien wir mal ehrlich, die Essensangebote von Mäxx & Co waren allesamt gleich – also nicht gut.

Inzwischen haben selbst die großen Burgerketten diesen Trend bemerkt, und taufen nun ihre alten Fritten ganz selbstbewusst in Edel-Fries um, die uns mit ‚aufregenden‘ Ingredienzien wie Chili oder Meersalz den Appetit auf die goldenen Fettstäbchen wiederbringen sollen. Es wird uns vorgegaukelt, etwas ganz besonders Erlesenes zu bekommen, das nebenbei auch noch fürchterlich gesund ist. So konnte ich einmal in einem sehr vornehmen Restaurant bei der Beschreibung von Pommes lesen, dass es sich hierbei um „nur echte Kartoffeln“ (was bitte sind denn unechte Kartoffeln???) aus Belgien, dem Ursprungsland dieses Gerichts, handele. Jetzt mal im Ernst, wo, wenn nicht in Deutschland (und besonders in unserer Region), gibt es die besten Kartoffeln? Ich will gar nicht darüber nachdenken, was das für ein Aufwand ist, vom ökologischen Blödsinn ganz zu schweigen…

Aber zurück zum vermeintlichen Kneipensterben in der Schröderstraße. Das News hat uns bereits verlassen. Hier versetzte uns die Gerüchteküche lange Zeit in Angst und Schrecken, ein Billig-Bekleidungsdiscounter mit drei Buchstaben könnte den Laden übernehmen. Glücklicherweise scheinen sich die Gerüchte nicht zu bewahrheiten. In dem Falle hätte ich sonst gerne diesen Blog dazu missbraucht, eine Unterschriftenaktion und andere schrecklich laute Proteste samt Femen ins Leben zu rufen. Aber wir lernen daraus, dass Gerüchte halt nur Gerüchte sind und sich zwangsläufig nicht bestätigen müssen, was ich im Falle des Comodos sehr hoffe. Natürlich hat auch ein Schweinske seine Existenzberechtigung. Ich selbst erwische mich ein- bis zweimal im Jahr dabei, wie ich mir eine Currywurst mit Pommes oder etwas ähnlich Fettes und Ungesundes bestelle. Natürlich ordere ich das nur für meine Tochter und nasche dann von ‚ihrem‘ Teller. Aber das ist mein kleines Geheimnis. Eine anonyme Schnitzel-Frittier-Fabrik am Schrangenplatz ist ein No-Go. Gerne kann diese Restaurantkette expandieren, aber dann bitte in solch gesichtslosen Städten wie Gelsenkirchen, in denen das Schweinske das Highlight darstellt - wir haben da mehr zu bieten. Ich jedenfalls fühle mich an einen meiner Lieblingstexte aus meinem Lesebuch der zweiten Klasse erinnert: „'Oink, oink, oink', sagt das Schwein, 'so geht es nicht, das kann nicht sein.'". In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute und entschuldige mich vorsorglich schon einmal bei allen Gelsenkirchenern. Es grüßt Euch S. Jamme


© Fotos: M. Strzeletzki

Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.

Kommentar posten

Ihr Name*:


Ihre E-Mailadresse*: Bleibt geheim und wird nicht angezeigt


Ihr Kommentar: