+++Stadtgespräch Null & Wichtig: Lüneburgs Gastro-Szene im Umbruch?+++

von Jörg Mandt im September 2015

+++Neuer Pizza-Tempel und Rock-Garantie vom Zwick-Wirt!++

„Wir haben die höchste Kneipendichte Deutschlands!“ Viele Lüneburger vertrauen auf eine Statistik, die man ihnen in der Jugend mit einem der ersten Biere servierte: Unsere kleine Salz- und Hansestadt verfüge, auf die Einwohnerzahl gerechnet, über die meisten Kneipen im ganzen Land. Das ist eine Mär, eine moderne Sage, die vielleicht vor Jahren von einem wirklich kreativen Stadtvermarkter in Umlauf gebracht wurde und von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Fakt ist: Der deutsche Kneipengürtel befindet sich entlang des Mains. Fakt ist leider auch, dass viele Lüneburger Wirte mit dem Umsatz in diesem Jahr höchst unzufrieden sind. Grund dafür war das Wetter, zu kalt oder zu heiß für guten Bierumsatz, Nachzahlungen an das Finanzamt, der neue Mindestlohn, rückläufige Besucherzahlen beim Stadtfest (zumindest von zahlenden Besuchern, viele bringen ihre Getränke ja im Rucksack mit…). Nun hoffen viele Wirte auf einen goldenen Herbst und das „Wintermärchen Weihnachtsstadt Lüneburg“.

Die Lüneburger Gastro-Szene ist im Umbruch und in den nächsten drei bis fünf Jahren wird es in unserer Stadt ein „Kneipen-Sterben“ geben. Grund dafür sind weggebrochene Gästezielgruppen, wie die Soldaten, die einst jeden Abend in Fünferreihen am Stint ihr Bier kippten. Und auch die Studenten sind keine sichere Bank mehr, nicht nur das ihre Anzahl abgenommen hat, das Studium an der „Elite-Uni“ Leuphana, lässt kaum noch Freiräume für ausgedehnte Kneipentouren.

Aber auch die Wirte selbst tragen eine Mitschuld, kaum Kreativität in den Speisekarten, einer schreibt vom anderen ab. So gibt es überall Pasta, Burger und die abgeschlafften Flammenkuchen (Gastro-Hit aus den 80ern)… Viele Menüs lesen sich so einfallslos wie einige Kolumnen unserer Lokalblättchen… Mit der TV-Soap „Rote Rosen“ kommen jetzt mehr Senioren in die Stadt, deshalb boomen die zahlreichen Cafés und Bäckereien mit ihrem Kaffee & Kuchen- Angebot.

Lüneburg war vor ein paar Jahren nicht nur Salzstadt, sondern auch „Frühstücksstadt“. Das Angebot zwischen Stint und Schröderstraße konnte sich sehen lassen. Heute gibt es nur noch wenige Gastronomen, die damit wirklich Geld verdienen. Und auch der einst so beliebte Mittagstisch hat kaum Chancen gegen die günstigen „To Go-Angebote“ vieler Bäckereien. Haben wir inzwischen eigentlich mehr Backgeschäfte in der Stadt als Schuh- oder Handy-Shops?



Das „MÄLZER Brau- und Tafelhaus in der Heiligengeiststraße hat als eine der ersten reagiert und unter der Woche das Frühstücksangebot gestrichen, nur noch am Samstag (ab 9 Uhr) gibt es dort das beliebte Frühstücksbuffet.

Das CAPITOL hat mittlerweile Montags Ruhetag, und auch einige Wirte in der Schröderstraße denken bereits laut darüber nach, in den lauen Wintermonaten einen Ruhetag einzulegen, um Kosten zu sparen

Seit Wochen hält sich das Gerücht, dass das ZWICK (Foto 2) am Schrangenplatz bald für immer dicht macht. Da wir aber nicht wie andere Kolumnisten über Gerüchte berichten, haben wir direkt bei Zwick-Inhaber und Alt-Rocker ULLI SALM nachgefragt: „Das ist völliger Quatsch, wir hatten zwar eine harte Anlaufzeit mit dem Geschäft, aber jetzt sind wir in der Gewinnzone und machen selbstverständlich weiter“. Und auch ZWICK-Geschäftsführer MATTHIS WEBERSINN gibt allen Lüneburgern das große Rock’n Roll-Ehrenwort: „Wir haben schon Bands für 2016 gebucht. Im Gegenteil, wir legen jetzt erst so richtig los und geben allen Gästen selbstverständlich eine Rock-Garantie!“

Die Live-Musikszene hat sich in den letzten Jahren allerdings verschoben. Die neue Musikmeile Lüneburg befindet sich zwischen Schrangenplatz und Rathausmarkt. Gleich 6 Läden bieten in regelmäßigen Abständen Live-Musik an. Vom SaBacca (das übrigens seine Sommerpause beendet hat!) über Jazz im WABNITZ Weinkontor, Singer+Songwriter im Irish-Pub TIR NA NÓG bis zu NEWS Unplugged im NEWS. Kult-Wirt MATTHIAS ELLINGER feierte erst kürzlich mit über 200 Gästen (darunter auch Oberbürgermeister ULRICH MÄDGE und vielen anderen Lüneburg-VIPs beim „Quadrat-Abend“ von Verleger ED MINHOFF) den erfolgreichen Start der 2. NEWS Unplugged-Staffel. Neben dem beliebten Folk-Pop Duo JAN & JASCHA kam aus New York ARTHUR GARFUNKEL JR. (Sohn von Weltstar Art Garfunkel) auf die NEWS-Bühne, um die Gäste von seiner feinen Stimme zu überzeugen. (Foto 3) Anschließend reiste er übrigens nach London, um mit seinem Vater in der legendären Royal Albert Hall zu singen.

Live-Musik gibt es aber nicht nur auf der neuen Musikmeile (warum vermarktet man die eigentlich nicht mal gemeinsam?), sondern auch in vielen anderen kleinen Clubs der Stadt. Der Manager eines großen Musiklabels brachte es für mich neulich auf den Punkt: „Lüneburg ist doch für Hamburg, was Woodstock für die New Yorker ist!“ LÜNEBURG DAS WOODSTOCK IN DER HEIDE! - Auch eine Marketingidee, über die man nachdenken kann, um so jüngere Zielgruppen in die Stadt zu ziehen.

Ein echter Lichtblick: Nach fast zwei Jahren des Schweigens, haben sich die Wirte der Schröderstraße („Nein, es gibt hier keinen Wirte-Krieg…“) mal wieder zusammengesetzt und sich immerhin zum Oktoberfest auf eine Hüpfburg geeinigt…

Mal will er, mal wieder nicht. Die Rede ist von Ochi’s Barcelona (Foto 4) in der Lüner Straße. Der Tapas-Tempel ist mittlerweile nicht nur bekannt für seine erstklassigen Leckereien, er hat sich auch als „Ü-40 Kontakthof“ der Stadt etabliert. Mal will also Ochi’s sich vergrößern und den Modeladen nebenan dazu mieten und mal nicht. Im Moment will er mal wieder nicht - obwohl nebenan seit Wochen die „AUSVERKAUF“-Schilder im Schaufenster kleben.

Ein echter Gastro-Hit und schon lange kein Geheim-Tipp mehr, ist das „CAFÉ ZEITGEIST“ (Fotos 5 & 6) in der Heiligengeiststraße, nur 100 Meter vom Sande entfernt. Der NULL & WICHTIG-Tipp: Unbedingt sollte man hier die leckeren MACARONS probieren. Das französische Baisergebäck ist in unserer Stadt wohl einzigartig gut!

Und zum Schluss noch etwas, das die Gastro-Gerüchteküche der Stadt ganz sicher befeuern wird. In der Nähe des Theaters wird Anfang nächsten Jahres ein neuer großer Pizza- und Pasta-Tempel eröffnen. „L’OSTERIA“ heisst das Konzept. Vorbild für das Franchise-Konzept ist das Restaurant gegenüber der Staatsoper in Hamburg. Die 33 Betriebe der Systemgastronomie machen mittlerweile allein in Deutschland einen Umsatz von rund 65 Millionen Euro. L’OSTERIA-Gründer sind Klaus Rader und Friedemann Findeis, die bereits zu den Gründern der weltweiten VAPIANO-Kette gehörten. In Lüneburg soll noch ein bekannter Hamburger Großgastronom mit an Bord sein. Und liebe Lüneburger, die immer so viel Angst vor neuen Innovationen haben: Im L’OSTERIA muss man für sein Essen NICHT anstehen, hier wird an den Tischen bedient, wie in der guten alten Lüneburger Kneipen-Zeit.

In diesem Sinne „Prost“ und „Guten Appetit“ wünscht euch das Stadtgespräch „Null & Wichtig“

P.S.: Kein Gastro-Tipp, trotzdem gut: „Rückelbusch“- der Blumendiscount der Stadt von der wahren „Rosenkönigin“ Melanie Urban (Foto 7) ist umgezogen und jetzt in der Bardowicker Straße 20. Guckt mal live oder bei Facebook vorbei!


© Fotos: Jörg Mandt

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