Lüneburg, am Freitag den 12.04.2024

Der Schwank um die Hütte geht weiter

von Carlo Eggeling am 21.02.2024


Am Dienstagmorgen hatte Landrat Jens Böther in einem Gespräch noch gehofft, dass es eine Lösung im Streit um die Schutzhütte in der Kronsberger Heide geben könnte, da abends der Rat der Gemeinde Amelinghausen tage. Doch die Amelinghausener Politik machte einen Strich durch die Rechnung. Einstimmig beschloss der Rat, also auch mit den Stimmen der CDU und damit Böthers Parteifreunden, das "Antragsverfahren zur bau- und naturschutzrechtlichen Genehmigung der durch die Landjugend Amelinghausen im Rahmen der 72-Stunden-Aktion errichteten Schutzhütte" fortzuführen. So steht es in einer Presseerklärung, welche Samtgemeindebürgermeister Christoph Palesch am Mittwoch verschickte. Wie berichtet, hatte die Landjugend die Hütte als Ersatz für einen maroden Unterstand ehrenamtlich gebaut. Ein paar Meter vom alten Standort entfernt und auch deutlich größer. Bei der Kreisverwaltung ging eine anonyme Anzeige wegen eines angeblichen Naturfrevels ein, Auf dem Michaeliskloster wägte man ab, kam zu dem Schluss: So geht's nicht, der Bau muss weg. Kopfschütteln in Amelinghausen: Die ökologisch wertvolle Magerrasenfläche ist rund 2.100 Quadratmeter groß: "Die rund 30 Quadratmeter große Schutzhütte zerstört das Biotop also nicht und führt auch nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung". Es gab einen Ortstermin und mehrere Gespräche. In der Kreisverwaltung findet man sich kooperativ: Der große Unterstand könne an einen Parkplatz versetzt, zudem eine Mini-Hütte an alter Stelle aufgebaut werden. Die Gegenseite wiederum wollte das Dach begrünen, Außenanlagen verkleinern, eine Ausgleichsfläche anbieten, die naturschutzmäßig viel wertvoller sei. Kein Zueinanderkommen. Auch dass der Landkreis bereits im vergangenen Oktober angedroht hatte, er könne das Areal mit einem Bauzaun sichern, finden viele in dem Heidedorf gelinde gesagt skurril. Böther hatte am Morgen bei dem Pressespräch angeführt, der Kreis sei an Recht uns Gesetz gebunden, flapsig formuliert: Der Rechtsstaat werde auch am Rand der Heide verteidigt.
In der Erklärung vom Lopausee findet sich ein Absatz, der die Rechtsauffassung des Kreises infrage stellt: "Abschließend möchte der Rat der Gemeinde Amelinghausen seine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, wie der Landkreis Lüneburg öffentlich zu dem Thema agiert. In seiner Pressemitteilung vom 16.10.2023 heißt es: „Die Verwaltung hat alle Ausnahmemöglichkeiten geprüft, keine davon greift. Das bestätigt auch das Umweltministerium als übergeordnete Rechtsaufsicht.“ Mit Schreiben vom 19.10.2023 haben wir diesen Sachverhalt beim Umweltministerium hinterfragt. Mit E-Mail vom 23.11.2023 teilte das Umweltministerium mit, dass dies nicht zutrifft. Diese Tatsache betrübt uns als Mitgliedsgemeinde des Landkreises Lüneburg nachhaltig."

Das Spektakel um einen sensiblen Bereich, durch den Wanderer spazieren und das Häuschen, findet anderswo ungläubige Gesichter. Die Satiresendung Extra 3 und Zuschauer lachten herzlich über die Auseinandersetzung.
Die Posse dürfte weiter kitzeln. Es geht nun um Feinheiten der Verwaltung wie Widerspruchsbescheid, rechtliche Abwägungen zu Fragen wie einer landschaftliche Erholungseinrichtung, Ermessensspielräume.
Wunderbar für das Verwaltungsgericht, das sich vermutlich irgendwann damit befasst. All das kann gut zwei, zweieinhalb Jahre dauern. Dann ist wieder Kommunalwahlkampf: Auf der einen Seite, ein Landrat, der den Rechtsstaat bis ins Detail verteidigt, auf der anderen Seite ein Samtgemeindebürgermeister, der auf den viel besungenen gesunden Menschenverstand und den Asterix-Effekt setzt: Wir Gallier gegen das römische Imperium. Wo Sympathien liegen, weiß man, wenn man die Comics liest. Carlo Eggeling

© Fotos: Leser / ca


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