Lüneburg, am Freitag den 12.04.2024

Lüneburger auf dem Hamburger Dom

von Carlo Eggeling am 29.03.2024


Der Hamburger Dom ist ohne Lüneburger gar nicht denkbar. Bei einem Bummel trifft der Besucher überall auf bekannte Gesichter. Jeffrey Rasch und seine Schwester Sabine betreiben Stände mit süßem Gebäck: Schmalzkuchen, Apfeltaschen, Berliner. Ursprünglich gehörte Jeffrey auch ein Karussell, doch nachdem ihn ein Schlaganfall einschränkt, konnte er den Orient-Express nicht mehr betreiben, als Schausteller muss man einfach anpacken können.

Seit vier Jahrzehnten ist er immer wieder auf dem Dom , er lacht: "Da war ich sieben." Seine Schwester Sabine ist seit 1993 selbstständig. Es ein Beruf, der über Generationen reicht, schon ihre Eltern reisten als Schausteller über die Plätze. "Mein Vater war in Schleswig-Holstein und Niedersachsen dabei, stand im Winter am Einkaufszentrum an der Hamburger Straße", erzählt er. Doch der Vater hatte ein Ziel, er wollte auf das Heiligengeistfeld: "Der saß immer wieder auf dem Amt." Eine Ablehnung nach der anderen, bis es 1982 klappte. Seine Schwester ergänzt, warum der Dom so wichtig ist: "Hier sind wir dreimal im Jahr für einen Monat vertreten." Das sei zum einen lukrativ, zum anderen lebe man auf dem Heiligengeistfeld am Rande St. Paulis wie "in einem kleinen Dorf, man kennt sich". Denn die Familienunternehmer treffen sich meist ihr Leben lang wieder und wieder.

Benno Fabricius, Vorsitzender des Lüneburger Schaustellerverbands, fasst die wirtschaftliche Bedeutung zusammen: "Wenn wir sonst unterwegs sind, müssen wir unsere Geschäfte immer für die Wochenenden aufbauen. Das kostet ebenso wie der Transport." Angesichts steigender Kosten für Energie und Treibstoff ein entscheidender Posten. Lange Standzeiten minimieren die Ausgaben.

Davon kann Matthias Mantau ebenfalls ein Lied singen. Wie andere seiner Kollegen, ist er nicht nur auf einem Markt vertreten. "Neben dem Dom haben wir gerade noch die Bremer Osterwiese", sagt er. Auf dem Dom steht er mit einem Autoscooter und einem Süßwaren-Stand. Seine Frau Kathrin und seine Tochter leiten in Hamburg die Geschäfte. Dazu beschäftigt er aktuell zehn Mitarbeiter. Doch Personal zu finden, werde immer schwieriger.

Paul Voß und seine Frau Peggy haben es da etwas einfacher. Sie betreiben zwei Automatengeschäfte. Greifer: Der Gast versucht sozusagen mit Metallfingern ein Kuscheltier zu fassen. Dafür braucht es Geschick und Geduld. Der Vorteil: Vor allem müssen die beiden nur die Kassenhäuschen besetzen. Sie kommen mit zwei Kollegen aus, dazu packen die Kinder ab und an mit an. "Das geht ganz gut", sagt Voß. Auch seine Familie steuert den Dom seit Jahrzehnten mit an, bei seiner Frau sei es ähnlich: Seine Schwiegermutter sei hier zur Schule gegangen.

Tradition schreibt, man muss es so sagen, selbstverständlich Familie Päprer groß. Sebastian Päprer betreibt den Musik-Express, gekauft hat er das Fahrgeschäft von seinem Kollegen Jeffrey Rasch. Seine Frau Victoria rührt und verkauft ein paar hundert Meter weiter gebrannte Mandeln in der "Zuckerküche". "Mein Vater und mein Großvater waren schon auf dem Dom", sagt der Unternehmer. Er kann sich gar nichts anderes vorstellen, als Schausteller zu sein -- abwechslungsreich, Gemeinschaft mit den anderen Familien.

Das Gefühl, das Leben, scheint erblich, sein Sohn Oskar, noch ein Teenager, nutzt die Osterferien, um "auf dem Platz" zu sein. Er hat seinen Vater an der Kasse des Karussells abgelöst.

Steigende Kosten, damit haben sie alle zu kämpfen -- selbst wenn Besuchern die Preise als saftig erscheinen. Doch die größte Herausforderung ist fehlendes Personal. Zwar würden sich Frauen und Männer melden, doch immer wieder heiße es: "Aber ich will nicht angemeldet werden."

Benno Fabricius hat daraus Konsequenzen gezogen. Er hat seinen großen Imbissbetrieb verkauft. "Ich hatte schlaflose Nächte", erzählt der 71-Jährige. Er habe oft nicht gewusst, ob er genug Leute an den Grills und Pfannen stehen haben würde. Eine Krankmeldung konnte sich zur mittelschweren Katastrophe auswachsen.

Die Lücken habe zudem seine Stammbelegschaft, zum Teil seit Jahrzehnten bei ihm, füllen müssen. "Das ging nicht mehr", sagt der Kaufmann. Jetzt bewirtschaftet er auf dem Dom die Bauernschänke, seinen Ausschank mit dem er in ein paar Wochen auf dem Lüneburger Frühjahrsmarkt sein Geld verdient. Etwas kleiner, etwas ruhiger, etwas weniger Einnahmen. Aber mehr Zufriedenheit.

Die Welt hinter Jubel, Trubel, Heiterkeit reagiert auf ähnliche Herausforderungen wie Wirtschaft überall im Land. Carlo Eggeling

Öffnungszeiten

Montags bis donnerstags von 15.00 bis 23.00 Uhr
Freitags und sonnabends von 15.00 Uhr bis 24:00 Uhr
Sonntags von 14.00 Uhr bis 23.00 Uhr Ostersonntag: 14 – 24 Uhr
Ostermontag: 14 – 23 Uhr

Bilderwelt:
Sabine Rasch, Sebastian Päprer, Paul und Peggy Voß, Kathrin Mantau, Victoria Päprer, Matthias Mantau und Benno Fabricius. Dazu Impressionen vom Heiligengeistfeld.

© Fotos: ca


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