Lüneburg, am Freitag den 12.04.2024

Medien harmlos oder gemein

von Carlo Eggeling am 30.03.2024


Meine Woche
Medienschelte

Am vergangenen Wochenende habe ich interessante Sätze im Interview mit der Oberbürgermeisterin gelesen. Frau Kalisch sagt zur Landeszeitung: "Was mich betroffen macht: unwahre, persönliche Attacken – auch in den Medien. Das gehört in gewissem Maß dazu, doch hart ist die Androhung von Gewalt gegen meine Beschäftigten und gegen mich." Zwei Sätze, eine Verknüpfung: Attacken in den Medien und die Androhung von Gewalt gegen sie und Mitarbeiter des Rathauses. Es ist zumindest missverständlich, daraus könnte man lesen, dass sich Claudia Kalisch von Medien bedroht fühlt. Den Kollegen, der dieses Gespräch führte, zumindest steht sein Name dort, schätze ich sehr, warum er nicht nachhakt, bleibt mir ein Rätsel.

Hat ein Journalist sie bedroht? Wie, womit, wann? Das wäre ein wirklicher Skandal. Unwahre persönliche Attacken. Worum geht es da? Leider lesen wir nichts dazu. Warum nicht? Frau Kalisch hätte den Bürgern erklären können, wie sie Kritik wahrnimmt, wo das Maß aus ihrer Sicht überschritten wird. Manches könnte grenzwertig sein, anderes die Normalität einer Politikerin und Verwaltungschefin.

Hat sie in Amelinghausen, wo einiges offenkundig nicht rund lief, einen freundlicheren Umgang erfahren? War man sich dort mit dem zuständigen Redakteur grün? Vorbei. Indes, warum lässt eine Redaktion solche Sätze stehen, die den eigenen Berufsstand infrage stellen? Wie nah fühlt man sich dem Rathaus und der grünen Oberbürgermeisterin. "Sagen, was ist", hat der Gründer des Spiegel, Rudolf Augstein, gesagt. Der Satz hängt wie ein Gesetz in der Eingangshalle des Hamburger Nachrichtenmagazins. Dazu gehört nachfragen, Dinge benennen, auch wenn sie unangenehm sind, Distanz wahren. Ein selbstverständlicher Grundsatz für Journalisten. Eigentlich. Galt lange am Sand.

Mir kommt noch ein Mann von vorgestern in den Sinn, der Sozialdemokrat, Journalist, Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt: "Journalismus kann abdanken, wenn er harmlos wird."

Danke an die Kollegen der Lünepost. Die haben berichtet, dass unter anderem die Stadt Einbeck am vergangenen Wochenende ihren verkaufsoffenen Sonntag gefeiert hat. Bitte? Lüneburg musste doch absagen, weil das an Palmsonntag laut Ladenöffnungszeitengesetz verboten ist. Diese Rechtslage war Verantwortlichen hier komplett durchgegangen, der Marketinggesellschaft, dem Rechtsdezernenten, der Oberbürgermeisterin, dem OB-Kandidaten in Wartestellung, der gleichzeitig die Handelsorganisation LCM leitet, und vor allem den Kirchen, Fachkräftemangel allüberall.

Einbeck. Bürgermeisterin Sabine Michalek zückte das Verwaltungsverfahrensgesetz -- was es nicht alles gibt -- zack bumm, andere Rechtslage: Eine kurzfristige Absage würde Verluste für Handel und Organisatoren bedeuten. Die CDU-Frau überzeugte ohne viel Mühe den Landkreis Northeim und das Ministerium in Hannover von ihrer Auffassung, märchenhaft wie bei Tausend und einer Nacht: Sesam öffne dich. Die Geschäftsleute begrüßten Kunden.

Das ist mal mutig, einfallsreich und entscheidungsstark. Ob Verwaltungsspitze so etwas lernen kann? Ob Einbeck für eine Städtepartnerschaft offen wäre? Schöne Fotos gäbe es allemal.

Sehr ans Herz geht es, wenn kleine Dinge groß werden. Ein Mann, dessen Frau gestorben ist, fordert auf viel Platz in der Zeitung: "Das Erbe meiner Frau muss erhalten bleiben." Knapp zwei Jahre habe sie die Minigolf-Anlage im Kurpark bewirtschaftet. Die sei angeblich vorher ziemlich abgerockt gewesen, inzwischen ein Kleinod, das er weiter pflegen wolle; derweil habe die Stadt andere Pläne für die Anlage. Er habe gehört, ein Nachfolger wolle alles moderner machen.

Medienberichte, eine online-Petition. Alles um ein Erbe zu erhalten. Zwei Jahre. Das ehrt den Witwer, den Verstand eher nicht. Denn von der Stadt heißt es: "Wir führen Gespräche über die Neugestaltung und Fortführung der Minigolf-Anlage im Kurpark. Dazu laufen Verhandlungen, denen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgreifen können." Es kann also alles schöner werden.

Minigolf. Ein Erbe. Das ist bedeutend. Veränderung auch.

Um in der Osterzeit zu bleiben: Es ist ein Kreuz. Doch Ostern bedeutet Auferstehung und Neuanfang. Bleiben wir heiter, was bleibt uns übrig? Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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