Lüneburg, am Freitag den 19.07.2024

Sperrzone — dreckig und laut an der Ilmenaustraße

von Carlo Eggeling am 10.07.2024


Der zweite Akt der Notwehr rollt sich auf dem Dach, messerscharf, Nato-Draht über den Garagen an der Ilmenaustraße. An einem launig-beschaulichen Sommernachmittag fragt sich der Flaneur: Was mag hier lossein, wenn die Nacht mit ihren Schrecken kommt? Die Gestalten des Dunkels sind aus Sicht von Anwohnern schnell beschrieben: laut, basswummernd, besoffen, unter Drogen. Man komme an Wochenenden kaum in den Schlaf, weil dort zehn, zwanzig und manchmal noch mehr Frauen und Männer Party feiern.

Akt 1 war das Gespräch. Geht es nicht etwas leiser? Anrufe bei der Polizei. So schildern es mehrere Anwohner und die Eigentümerin des Grundstücks. "Das hat alles nichts gebracht", sagt die Hausbesitzerin. "Die Polizei sagte, das sei Privatgelände, da könne man nichts machen." Anlieger wiederum berichten, dass sie um Ruhe gebeten hätten: "Das hat dann mal geklappt, nächstes Wochenende war es wieder genauso." Ohropax helfe nur begrenzt.

Von der Polizei wiederum heißt es auf Nachfrage, der Bereich sei nicht besonders auffällig. Die Wache registriere kaum Einsätze. Anwohner sagen, man rufe die Polizei selten an, weil es wenig bringe.

Doch warum die Drahtrollen, die an militärische Absperrungen erinnern? "Die klettern auf die Dächer der Garagen", sagt die Eigentümerin. "Was ist, wenn jemand durchbricht und sich verletzt?" Möglicherweise müsse sie haften. Man habe Matratzen auf den Dächern gefunden, samt hauchdünnen Hüllen, die es brauche, wenn sich zwei sehr nahe kommen. Dazu leere Flaschen und Dosen, Kartuschen von Lachgas. Die Flächen neben den Autoboxen würden von einigen augenscheinlich als Toiletten empfunden. Die benutzten Taschentücher bestätigen das. Die Hauswände seien zur Graffiti-Leinwand geworden. Die Farbe sei kaum aus den mehr als ein Jahrhundert alten porösen Steinen und Fugen zu entfernen.

Nun droht Akt 3 des konfrontativen Stücks. Das Abriegeln. LZ und Sparkasse haben es vorgemacht, als die Unternehmen ihre Parkplätze und Durchgänge verschlossen. Später folgte die Passage vom Sand zum Glockenhof mit Gittertoren, weil Lärm, zerdepperte Scheiben und menschliche Ausscheidungen für Firmen und Anwohner nicht mehr hinnehmbar waren.

Auch das Garagengelände an der Ecke Abtsmühle und Ilmenaustraße soll dichtgemacht werden, Tore seien bestellt. Die Eigentümerin sagt: "Was soll ich machen, es ist Notwehr."

Aus der Kneipen- und Türsteher-Szene am Stint hieß es schon vor zwei, drei Jahren, dass der Grünzug auf der anderen Seite der Ilmenaustraße ebenso als Treffpunkt für Drogendealer und Konsumenten gelte wie der Hinterhof zwischen Spielhalle und asiatischem Restaurant am Stintmarkt. Nachtleben. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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