Lüneburg, am Freitag den 23.02.2024

Wann gehen die Fotos aus?

von Carlo Eggeling am 10.02.2024


Meine Woche
Überraschend. Immer wieder

Neulich hat die Polizei eine Kneipe nahe der Johanniskirche besucht, die Beamten überprüften Gäste und fanden bestätigt, was im Drogenkommissariat zum Basiswissen gehört: Einige aus dem Publikum besitzen einen Hang zum Rausch. Als Konsumenten, andere aus geschäftlichem Interesse. Ich habe gelesen, auch am Karstadt-Parkhaus sollen sich gern Dealer treffen. Potztausend. Genauso überraschend, wie das, was sich im Clamart- und im Park am Museum so tut. Am Weißen Turm, aber auch am Kalkberg begegnen sich nach absoluten Insider-Informationen Dealer und Junkies. Dass die Szene versucht hat, Lokale im Wasserviertel zu kapern und Wirte auf Türsteher setzen, um sich zu wehren, das ist wirklich top secret. Oder hätten Sie das gewusst?

Regelmäßige Kontrollen von Polizisten in Uniform und Zivil laufen seit Jahren. Den Fahndern geht es weniger um den Kiffer mit ein paar Gramm Gras, als um Strukturen, die dahinter stecken. Einen Teil kennt die Kripo, doch trotzdem bleibt es schwierig, an die heranzukommen, die den Handel steuern, die junge Zugewanderte einsetzen beim Straßenhandel.

Ab und an ploppt es auf, weil manche nicht so schlau sind, wie sie glauben. So musste sich neulich ein zweites Mal der Betreiber einer Bar mitten in der Stadt vorm Amtsgericht verantworten, ein Vorwurf Geldwäsche. Sein Bruder, zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, soll Drogengeld in das Lokal fließen lassen haben. Solche Ermittlungen führen Polizei und Finanzbehörden durchaus gemeinsam. Schon vor Jahren hatten Hintergrundermittler eine Liste mit zwei Dutzend Geschäften erstellt, die mutmaßlich Schutzgeld zahlen oder über die illegales Geld in Wirtschaft fließt.

Kann man übrigens im Archiv nachlesen, weil es ewig so läuft. Bei einer Anfrage ans Rathaus kommt der Rechtsdezernent in dem Artikel zu Wort, der erklärt, Strafverfolgung sei Sache der Polizei, da denkt man: Chapeau. Wer wäre darauf gekommen, dass der Rechtsstaat so funktioniert? Man könnte Sozialdezernent Florian Forster fragen, wo ein Konzept bleibt, dass die Suchtkranken in den Blick nimmt samt aller Folgen wie Fahrrad- und Ladendiebstahl, Gewalt und Verwahrlosung. Diese Diskussion ist ebenfalls keine neue. Andere Kommunen bieten Aufenthalts- und Druckräume an, haben ausgebildete Streetworker im Einsatz. Man kann sich nicht um alles kümmern.

Noch eine Geschichte des Kümmerns. Senioren konnten sich am Mittwoch informieren, was der Seniorenbeirat ist, wie er arbeitet, wer als Delegierter gewählt werden möchte. Da mir gern unterstellt wird, dass ich "Grünen-Bashing" betreibe, möchte ich auf meinen Kollegen Ulf Stüwe von LGheute verweisen, der die Stimmung eingefangen hat. Ich glaube, so viel darf ich sagen: der grüne Sozialdezernent, der den ersten Wahlgang wegen grober Fehler abbrechen musste, kommt nicht als zupackend daher.

Zitat Stüwe: Teilnehmer möchten sich ein Bild machen. "Das aber will nicht nur Renate Claussen nicht gelingen, auch viele andere, die gekommen sind, schauen hilflos in den großen Saal, wo an sechs großen Tischen jeweils etwa 15 bis 20 Personen sitzen. Unter ihnen gut die Hälfte der insgesamt 75 Kandidaten, die auf dem Stimmzettel stehen und entweder nur als Delegierte für die Seniorenbeiratswahl oder für den Seniorenbeirat selbst antreten wollen, der seinerseits nur von 60 Delegierten gewählt werden darf – ein kompliziertes Prozedere, das sich auch nach der Begrüßung und Erläuterung durch Lüneburgs Sozialdezernent Florian Forster nicht vielen im Saal erschließt. Denn Grafiken oder ähnliches, was das Verfahren verdeutlichen könnte, gibt es nicht. Warum wurden die Kandidaten bislang nicht vorgestellt und warum gibt es auch jetzt keine Vorstellungsrunde, sondern nur Tischgespräche? Doch eine Vorstellungsrunde sieht das Konzept von Florian Forster nicht vor." Der verfolge "eher unbeteiligt das Geschehen".

Dass die Verwaltung Menschen von 60 Jahren an aufwärts, die ein Viertel der Einwohner stellen, eher wegnickend mit Kaffee und Kuchen statt mit wachem Kopf in Verbindung bringt, zeigt ein ein anderer Satz: "Wir nehmen das als Anregung mit", sagt Florian Forster ein ums andere Mal, macht aber auch deutlich, dass die Wünsche wohl erst bei der nächsten Wahl berücksichtigt werden können." Danke. Also an Ulf für diesen Blick.

Im Netz und kurz darauf in der Zeitung hatte eine 58-Jährige ihr Coming out: Sie sei rechts. Mannomann, angesichts Umfragewerten, die die AfD bei einem Fünftel und mehr der Wählerstimmen sehen, eine ungeheure Nachricht. Sie habe Angst, das zu sagen, sofort stehe sie in einer Ecke, glaubt die Neetzerin. Wer eine halbe Seite dafür eingeräumt bekommt, dazu bei Facebook auf zig Gleichgesinnte stößt, kann kaum Angst verspüren. Indes, das Kalkül geht auf, frau gilt als mutig und die Mär einer angeblichen links-grünen Meinungsdiktatur kann frau überdies bedienen. So billig, so durchschaubar. Wie wär's mit einer Debatte zwischen der Konservativen und einer Liberalen statt Parole? Könnte einen Erkenntnisgewinn bringen.

Zu meinen Lieblingsbildern der Woche gehört eins auf einem Dach, darunter steht: "Treiben den Ausbau von Photovoltaik in Lüneburg gemeinsam mit vielen Akteur:innen voran: Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und Maja Lucht, Leiterin des Fachbereichs Gebäudewirtschaft." Die Berufsgenossenschaft dürfte das Sonnenschein-Bild ob der Unfallgefahr in rutschigen Stiefeln mutmaßlich künftig als Vorbild in Aufklärungsschriften verwenden.

Wer auch immer ihr nachfolgt, es kommt ein großes Problem auf sie oder ihn zu -- kaum noch schöne Bilder: Sporthallen, Photovoltaikanlagen, Bauvorhaben -- alles ein Erbe ihres Vorgängers und des alten Rates. Sie fährt die Ernte ein. Wo die Oberbürgermeisterin seit ihrem Einzug ins Rathaus vor knapp zweieinhalb Jahren Samen sät, die wachsen und gedeihen, deren Früchte Lüneburg in ein paar Jahren ernten kann -- kaum zu erkennen.

Wir erinnern uns an den Wahlkampf, da wollte Frau Kalisch die Dächer der Altstadt und des Salzmuseums mit PV-Anlagen belegen, musste einräumen, dass es nicht geht. Unter anderem wegen des Denkmalschutzes. Man kann nicht überall im Thema sein. In ihrem Programm klang das so: "Nachhaltigkeit ist meine Passion – Ehrlichkeit ist meine Leitlinie." Wenn das nichts ist. Schönes Wochenende mit lauter Sonnenscheinen, Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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