Lüneburg, am Samstag den 28.02.2026

Abschied von der Holstenquelle -- Jetzt kommt ein Wohn- und Geschäftshaus

von Carlo Eggeling am 28.02.2026


Wer heute am Birken- und Lindenweg vorbeigeht, sieht vor allem eines: Leere. Bagger haben vollendet, was sich seit Monaten abzeichnete. Die ehemalige „Holstenquelle“, später „Galaquelle“, „Lindenhof“ und zuletzt das China-Restaurant „Jumbo“, ist Geschichte. Zurück bleibt ein Grundstück – und die Frage, was dieser Ort einmal war.

Denn das Gebäude war nie nur Gastronomie. Es war Versammlungsort, Gemeindebüro, Festsaal und Treffpunkt. In einer Zeit, in der Reppenstedt wuchs wie nie zuvor, wurde hier Gemeinschaft organisiert.

Nach 1945 war der Ort klein. 365 Einwohner zählte Reppenstedt damals. Nur eineinhalb Jahrzehnte später waren es rund 1500. Neue Siedlungen entstanden, viele Familien – darunter zahlreiche Vertriebene – bauten sich hier eine neue Existenz auf. Es fehlte an Infrastruktur, an Treffpunkten, an Identität.

Mit der Eröffnung der „Holstenquelle“ im Juli 1961 bekam die junge Gemeinde genau das: einen Mittelpunkt. Der Bau war schlicht, zweigeschossig, weiß verputzt, mit Satteldach. Kein Schmuckstück – aber ein funktionaler Ort für alles, was eine wachsende Gemeinde brauchte.

Hier tagte der Gemeinderat. Hier wurden Baugebiete beraten und Grundstücke vergeben. Hier diskutierte man über Darlehen, Straßenausbau und Zukunftspläne. Politik spielte sich nicht hinter verschlossenen Amtsstubentüren ab, sondern mitten im Dorfleben.

Und abends wurde getanzt. Zur Eröffnung spielte die Kapelle „Karo Sieben“, zwei Mark kostete der Eintritt. Später kamen weitere Tanzabende, Vereinsfeste, Skatrunden, Sparklubtreffen. Hochzeiten, Konfirmationen und Weihnachtsfeiern füllten den Saal. Für viele Reppenstedter begann oder feierte hier ein wichtiger Abschnitt ihres Lebens.

Der Name wechselte im Lauf der Jahrzehnte, die Funktion blieb ähnlich: Treffpunkt. Erst „Holstenquelle“, dann „Galaquelle“, „Lindenhof“ und schließlich ab 1997 das Restaurant „Jumbo“. Das Äußere änderte sich nur in Details – irgendwann wurde aus dem weißen Bau ein hellgelber. Doch im Kern blieb er ein typischer Bau der frühen 1960er-Jahre: nüchtern, solide, ohne architektonische Besonderheiten.

Entstanden war das Haus auf Initiative von Friedrich Schneider. Der Kommunalpolitiker, selbst Vertriebener, prägte Reppenstedt über Jahrzehnte – als Gemeindedirektor, Bürgermeister und später hauptamtlicher Verwaltungschef bis 1974. Sein Ziel war klar: Wohnraum schaffen, Entwicklung ermöglichen, Gemeinschaft stärken. Die „Holstenquelle“ war sichtbarer Ausdruck dieses Willens zum Aufbau.

Jetzt wird neu geplant. Auf dem mehr als 2000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Die fünfte Änderung des Bebauungsplans „Ortsmitte 3“ ist beschlossen. Büros, Wohnungen und möglicherweise Arztpraxen sind vorgesehen. Der Grundstein soll noch vor der Kommunalwahl 2026 gelegt werden.

Reppenstedt verändert sich erneut. So wie Anfang der 1960er-Jahre, nur unter anderen Vorzeichen. Damals ging es um Aufbau und Integration. Heute um Verdichtung und moderne Dienstleistungen.

Gebäude kommen und gehen. Doch manche Orte bleiben im Gedächtnis. Am Lindenweg stand über sechs Jahrzehnte lang ein Haus, in dem sich Reppenstedt traf – zum Diskutieren, Feiern, Entscheiden. Hajo Boldt

© Fotos: HaJo Boldt


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