Abschied von der Polizei
von Carlo Eggeling am 23.04.2026Ein Polizistenleben -- Antje Freudenberg macht Schluss
Lüneburger Gesichter -- in lockerer Reihe stelle ich unbekannte Bekannte vor (84)
Sie gehörte zu den ersten Frauen im Streifendienst der Lüneburger Polizei. "Das war nicht immer einfach", erinnert sie sich. Nicht jeder "starke" Mann kam damit klar, plötzlich das vermeintlich "Schwache Geschlecht" an der Seite zu haben -- ebenbürtig. Abgesehen davon, dass die Ausbildung genauso hart gewesen war wie für die Männer, brachten Frauen etwas mehr Verhandlungsgeschick und Selbstbewusstsein mit. "Ich weiß noch, wie wir zu einem Osterfeuer mussten, Schlägerei, die haben auf sich eingedroschen. Mein Kollege brachte einen zu Boden. Da stand ich dann allein vor einem Typ Figur Klitschko." Sie lacht: "Ich habe ihn angezischt: 'Wage es nicht." Sie lacht noch mal: "Hat geklappt." Seit mehr als 43 Jahren ist sie bei der Polizei, jetzt geht die Hauptkommissarin in den Ruhestand.
Antje Freudenberg war zweimal das Gesicht der Polizei, als Pressesprecherin. Diese Kollegen brauchen Vertrauen, intern und bei den Medien. Allerdings vertreten einige Beamte die Meinung, Reporter stören nur. "Da gab es welche, die haben uns als Leck gesehen, wir hätten der Presse Interna durchgestochen", sagt sie. Was nicht der Fall war. Gute Polizeireporter verlassen sich nie allein auf die Pressestelle, die wissen, wen sie noch anrufen müssen. Pressesprecher sind ein Filter, können lenken und klar machen, dass manche exklusive Info aus den berühmten "ermittlungstaktischen Gründen" vielleicht erst einen Tag später in die Öffentlichkeit gelangt. Zudem nutzt die Polizei die Presse, um über Berichterstattung an Zeugen zu gelangen.
Oder um sich in Szene zu setzen. Denn es ist ein Signal an die Gegenseite, wenn eine Durchsuchung oder ein Einsatz in der Drogenszene mit Kamerabegleitung stattfindet. Solche "Tipps" haben besondere Quellen.
"Wir müssen gut informiert sein, um Dinge einschätzen zu können, aber wir erzählen nicht alles", bilanziert sie. Das diene im Umgang mit Medien beiden Seiten. Mit Antje Freudenberg, die verlässliche Ansagen machte, funktionierte das gut -- sowie auch heute. Allerdings gab es Pressesprecher, die weniger wussten als ich oder selbst bei dramatischen Lagen um 16 Uhr Feierabend machten. Mein Klassiker: "Wir hatten ein Tötungsdelikt, von Nachfragen bitten wir abzusehen."
Eigentlich wollte Antje Freudenberg Tierpflegerin werden, doch Polizei klang spannender und besser bezahlt. Grundausbildung in Hannoversch-Münden, Ausbildungshundertschaft in Braunschweig, Einsatzpraktikum in Lüneburg. Einzeldienst auf der Wache. Alltag. Schlägerei in der Nachtkneipe Sülze, Verkehrsunfälle, Vernehmungen. Eine andere Station war die Kripo.
Es sei Aufgabe der Polizei nachzufragen. Nicht jedes Opfer erzählt -- bei allem Verständnis -- was tatsächlich geschah. Sie habe es erlebt, dass "Täter" zu Unrecht beschuldigt wurden oder dass es entlastende Momente gab. Die Polizei trägt Begebenheiten zusammen, zu bewerten und zu entscheiden ist Sache der Justiz.Das Klima habe sich verändert, sagt sie, so wie auch andere Beamte. Einige Zeitgenossen seien aggressiver geworden. Es gebe mehr Menschen, die meinten, dass "sie schlauer sind als alle anderen". Wer so unterwegs sei, lasse andere wenig gelten. Ein Beispiel sei die Hysterie der Corona-Zeit.
Die Polizistin durchlief viele "Verwendungen", zwei machten besonders viel Spaß: 2010 wurde sie KOB, Kontaktbeamtin unter anderem für Lüne und die Goseburg. Schulwegsicherung, Fahrradprüfungen. Kinder, die die Polizei toll finden und sich freuen, wenn der Schutzmann, pardon, die Schutzfrau, mit ihnen spricht und ihnen etwas erklärt.
Beim Confed-Cup hat sie Mitte der 2000er Jahre zweimal die australische Nationalmannschaft betreut -- die Adendorferin spricht perfekt Englisch. Kontakte sind geblieben, sie hat noch heute Freunde auf der anderen Seite der Welt. Reisen ist ein Teil ihres Lebens. Neuseeland, Australien, USA, Japan, Südafrika und immer wieder England. Ach ja, Serien schauen und Lesen gehören dazu. Star Trek mag sie, Serien um Sherlock Holmes.
Ruhestand? Ja, aber ohne Langeweile. Der Garten fordert, Sport auch, die Welt weiter kennenzulernen macht Spaß, Ehrenämter gibt es noch, die Kirche ist für das Mitglied im Kirchenvorstand Heimat.
Ihre letzten Dienste versieht die 62-Jährige in Adendorf, dort wo sie auch lange im Streifendienst im Einsatz war. Ein Schlusspunkt? Nein, ein Wendepunkt, es geht ja weiter. Wir sehen uns, Frau Freudenberg. Bestimmt mit einem Lächeln und einem Witz. Carlo Eggeling
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