Alle wollen das Beste. Was ist das Beste?
von Carlo Eggeling am 17.04.2026Lüneburg hat sich auf den Weg gemacht, Mobilitätswende. Jetzt scheint die Salzstadt ins Stolpern zu geraten, denn gefasste Beschlüsse zum Fahrradring und dem Nachhaltigen Urbanen Mobilitätsplan (Nump) stehen infrage. Stopp für den Umbau der Ilmenaustraße, Bremse für die Fortsetzung von Bardowicker Straße bis Lambertiplatz. Am Donnerstagabend hatten die fahrradnahen Organisationen VCD und ADFC zur Diskussion ins Museum eingeladen. Alle sieben Oberbürgremeisterkandidaten saßen dort, um Stellung zu nehmen. Tenor: Verkehr muss anders laufen, aber...
Was sich ADFC und VCD wünschen, umrissen Sabine Borchers und Jonas Korn mit Blick auf Vorgaben, die sich die Politik gegeben hatte. Klimaneutralität bis 2030, der Anteil des Radverkehrs soll bis dahin auf 35 Prozent steigen, pro Jahr drei Kilometer Radweg zu schaffen und eine Kreuzung umzubauen, werde nicht geschafft. Beim Radwegziel komme Lüneburg gerade mal auf ein Drittel und dass der Radring 2024 fertig sein sollte, ist Makulatur.
Frank Soldan sagte für die FDP, er setze auf Vorteile statt Verbote, es müsse attraktiv sein, Rad und ÖPNV zu nutzen. Dafür müsse der Autoverkehr reduziert, das Busangebot ausgebaut werden. Schulwege sollten sicherer werden, dazu gehöre, Eltern-Taxis in den Blick zu nehmen, aber auch das hohe Tempo mancher Radler.
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch legte die grüne Position dar. Klares Bekenntnis zum Radring und Nump. Räume in der Stadt müssten anders aufgeteilt werden. Ausbau von Tempo-30-Zonen an Schulen, Umbauten an der Stern- und an der Kreuzung Dörnbergstraße Richtung Reppenstedt, wo es arg eng für Fußgänger und Radler ist, sowie Neugestaltung des Kreisels am Krankenhaus.
Michèl Pauly tritt für Volt an. Auch er plädierte dafür, Flächen anders zu verteilen, also weniger Platz für Autos, dazu solle der "Umweltverbund", meint Bus und Bahn, stärker genutzt werden. Würden Parkplätze gestrichen, habe das eine lenkende Funktion -- die halbleeren Parkhäuser würden angesteuert.
Der Linke Thorben Peters will ebenfalls auf Alternativen zum Auto setzen. Es gehe um "Bezahlbarkeit", ihm fehlt für den ÖPNV das Sozialticket, günstige Tarife für Bedürftige. Der weitere sozialpolitische Blick: Die hohen Mieten in der Stadt hätten zur Folge, dass Menschen aufs Land ziehen mit der Folge, dass sie mit dem Auto wieder in die Stadt kommen. Weniger Miete, weniger Verkehr.
Oliver Wozniok von der SPD zieht aus zig Hausbesuchen und Gesprächen die Erkenntnis, dass vieles mit den Moin-Bussen nicht klappe, die Anbindung aus den Stadtteilen müsse verbessert werden, dass Linien am Bahnhof enden, mache Umstiegen in Richtung Sand nötig. Günstig müsse es sein, bezahlbar. Bessere Angebote für Radfahrer und Fußgänger findet er auch gut.
Der parteilose Heiko Meyer möchte ein Park-and-Ride-System, parken und dann einen Shuttleservice, den auch die anderen gut finden. Ein Parkleitsystem, das auch die FDP fordert, sei nötig. E-Mobilität müsse man fördern. Mehr Rücksicht sei angesagt. Und auch er wolle bequemere Angebote für Fußgänger und Radfahrer.
Der CDU-Mann Patrick Pietruck, findet alles gut. Sagt aber auch, man müsse sehen, wann man was wie umsetzen könne. Denn angesichts des Haushalts müssten Pläne finanzierbar sein. Er plädiert für mehr Pragmatismus.
Die Veranstalter, die zum ersten Aufeinandertreffen der OB-Kandidaten eingeladen hatten und damit vor rund 120 Gästen den Blick auf eines der zentralen Themen des Wahlkampfs lenkten, verwiesen darauf, dass die Umbaupläne mit viel Bürgerbeteiligung und Zustimmung des Rats auf Kiel gelegt wurden.
Womit wir beim Stolpern wären. Die Öffentlichkeit besteht sehr oft nur in "Interessierten" und den Organisationen, die etwa im Mobilitätsausschuss vertreten sind.
Erst jetzt merken viele Bürger, was es bedeutet, wenn am Marktplatz die Straße schmaler werden soll und damit Einschränkungen verbunden sind -- schnelles Parken und Einkauf von Kartoffeln, Äpfeln und Blumen werden schwieriger. Marktbeschicker erfuhren eher nebenbei davon. Anwohner reagieren erstaunt, wenn sich am Lambertiplatz die Straßenführung in Richtung Post ändern soll: "Wir wussten nichts davon."
Dass im Rahmen des Nump die Thorner Straße auf dem Kreideberg in Höhe Paulskirche unterbrochen werden soll und damit der Verkehr von täglich rund 8000 Autos auf andere Straßen gelenkt wird, wissen mutmaßlich nur wenige, die davon betroffen sind am Ostpreußenring, Stöteroggestraße, Moldenweg und Ochtmisser Kirchsteig. Von einer geplanten Bürgerversammlung ist nichts bekannt.
Generell wollten alle Kandidaten in Richtung mehr Rad, mehr ÖPNV, Shuttle-Angebote zur Innenstadt, ausreichend Parkplätze in unterschiedlichen Nuancen. Einige überlegen, wie sie das bezahlen, andere beschäftigt das weniger, weil volkswirtschaftlich, sicherheits- und klimamäßig ein enormer Gewinn entstünde.
Es könnte also sein, dass nach der Kommunalwahl im Herbst neue Bündnisse anstehen, die Verkehrspolitik neu definieren. Anders als jetzt. Carlo Eggeling
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