Alles im Plan — und dramatisch: Kredite finanzieren Kredite
von Carlo Eggeling am 01.04.2026Im vergangenen Sommer verhängte die Rathausspitze einen Einstellungsstopp -- die Haushaltslage war nach damaliger Einschätzung so dramatisch, dass die schon zuvor verhängte Haushaltssperre von 6,5 Millionen Euro greifen musste. Einen Teil der Summe sollte die Notbremse beim Personal beitragen. Kürzlich begrüßte die Verwaltung 129 neue Kollegen mit Bild und Social-Media-Auftritt. Ist die Finanzkrise vorbei? Denn eigentlich ist laut Etatplanung für dieses Jahr wieder eine Haushaltssperre von 9,2 Millionen Euro eingeplant.
Kämmerer Matthias Rink: "Der Personalstopp endete mit dem Jahreswechsel. Unter den neuen Kollegen sind auch Praktikanten, Kollegen, die den Bundesfreiwilligendienst machen, Auszubildende. Aber auch beispielsweise 37 Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen." Neun "Neue" fangen bei der städtischen Servicegesellschaft AGL an. Nicht mit jedem neuen Gesicht ist auch eine zusätzliche Stelle verbunden, es würden Abgänge ersetzt, weil Beschäftigte in den Ruhestand gingen oder den Arbeitgeber Stadt verließen.
In einer Mitteilung war kürzlich die Rede von 1800 städtischen Beschäftigten, räumt Rink ein. Doch da sei ein Fehler unterlaufen. Auf der Gehaltsliste des Rathauses stehen 1550 Planstellen, die sich auf 1728 Köpfe verteilen, das erklärt sich durch Teilzeit. Inklusive Lohnnebenkosten schlage ein Kollege finanziell im Durchschnitt 70 000 Euro pro Jahr zu Buche.
Im Juli vergangenen Jahres hatte die Stadt auf Nachfrage von Lüneburg aktuell erklärt: Von 2021 bis 2025 sei die Zahl der Beschäftigten einschließlich der Servicegesellschaft AGL ohne Auszubildende um 250 Köpfe gewachsen. Von 1234 Sollstellen auf 1484. nun spricht die Stadt für 2026 von 1550 Jobs. Zur Erklärung, die Stadt agiert 2025/26 mit einem Doppelhaushalt. Und: Die Verwaltung stellt nicht aus eigener Entscheidung ein, der Rat muss den Stellenplan genehmigen.
Rink betont, in der Ära Kalisch, und damit weitgehend in seiner Zeit, sei der Stellenauwuchs prozentual geringer ausgefallen als in den letzten Mädge-Jahren. Zwischen 2017 und 2021 habe das Plus bei 4,31 Prozent gelegen, von 2022 bis 2026 ergibt sich eine Zunahme von 3,75 Prozent.
Die städtischen Finanzen laufen -- bei allen grundsätzlichen Problemen -- laut Rink im "geplanten Fahrwasser, das erste Quartal ist wie gedacht gelaufen". Er gehe davon aus, dass das für 2026 avisierte Ziel der Haushaltssperre von 9,2 Millionen Euro erreicht werde, ohne an freiwilligen Leistungen zu knapsen. Tariferhöhungen seien "eingepreist". Mit dem Landkreis, für den die Stadt einen Teil der Sozialaufgaben übernimmt, habe man eine Lösung gefunden, kurz: die Stadt erhält mehr Geld.
Auch wenn in der Politik die Frage nach einem Nachtragshaushalt diskutiert wird, hält Rink den nicht für nötig. "Die Haushaltskonsoldierung war auch nach innen erfolgreich", sagt der Kämmerer. Das Haus sei "sensibilisiert" worden bei Thema Kosten und "valideren" Planungen.
Gleichwohl, betont der städtische Finanzminister, bleibe die Lage heikel. Die Aufgaben, die Kreise und Gemeinden für Bund und Land übernehmen, würden nicht ausreichend unterfüttert. Laut dem Ende 2024 vom Rat beschlossenen Doppelhaushalt umfasste der Etat für das Jahr 2025 eine Summe von 420 Millionen Euro, für 2026 sind es 427 Millionen Euro. Die Stadt schiebt einen Schuldenberg von gut 200 Millionen Euro vor sich her, Tendenz steigend.
Wie auch seine Kollegen in anderen Kommunen steht Rink und mit ihm Lüneburg vor einem grundsätzlichen Problem: "Ich muss Kredite mit Krediten finanzieren." Carlo Eggeling
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