Lüneburg, am Samstag den 23.05.2026

Andere Themen beim Café-Klatsch

von Carlo Eggeling am 23.05.2026


Das Interesse ist groß: Rund 40 Gäste kamen in Café Klatsch, um zu hören, wie es weitergeht. Ein bisschen Kneipe mit Live-Musik kann es weiterhin geben. Wie das aussehen wird, soll sich finden. Doch das tägliche Wohnzimmer, so wie es unter Wirt Uli Schröder für Stammgäste war, wird es nicht mehr sein. Man könne nicht jeden Tag öffnen, da einiges ehrenamtlich laufen solle -- so wie in linken Treff Anna und Arthur an der Katzenstraße. Schon hier war deutlich: Engagement ist gefragt.

Initiativen-Haus nennt sich der Ansatz, er führt im Grundsatz fort, was es bereits im geräumten Heinrich-Böll-Haus gab: Räume für Gruppen und Organisationen, die in der linken und Öko-Bewegung zu Hause sind. Bernd Redecker vom BUND sowie Nils Kubera und Lailah Collier vom Organisationsteam berichten, wie sie das Projekt finanzieren wollen.

Im Hintergund hat sich für das Millionen-Projekt eine Gesellschaft gegründet, ein Verein verwaltet das Haus. Mehrere Initiativen haben rund 200 000 Euro aufgebracht, ein weiteres Drittel soll nun über sogenannte Direktkredite zusammenkommen. Das meint, dass Geldgeber zwischen 1000 und 10 000 Euro zur Verfügung stellen, die Verzinsung ist gering. Die Verantwortlichen schätzen das Risiko für die Finanziers als gering ein. Gleichwohl machen sie darauf aufmerksam, dass es sich um "Nachrangdarlehen" handle, im Falle einer Insolvenz würden zunächst Banken als Kreditgeber befriedigt.

Hier kommt eine weitere Summe ins Spiel. Die Sparkasse werde voraussichtlich einen Kredit von 650 000 Euro gewähren. Was passiert, wenn die Finanzierungspläne nicht aufgehen? Redecker ist optimistisch: "Es gibt keinen Plan B. Die Reaktionen, die wir haben sind mega postitiv."

Auf die Verantwortlichen kommen Herausforderungen zu: Sie müssen den Kaufpreis von mehreren Hunderttausend Euro aufbringen, die Sanierung des Gebäudes dürfte aufwendig ausfallen, denn der Sanierungsstau ist groß. Bauliche Fragen auch zum Brandschutz kläre man, heißt es die Substanz habe man schon mit Fachleuten untersucht.

Nach Auskunft der Stadt liegt kein Bauantrag und damit auch kein Brandschutzkonzept vor. Das sei aber nicht ungewöhnlich. Geld gebe die Stadt nach bisherigem Stand nicht dazu, sie verweist aber auf Förderprogramme, die Gruppen nutzen könnten, Stichwort resiliente Innenstadt.

Von der Idee her, sollen ins oberste Geschoss Büros einziehen, im ersten Stock können die beiden Mieter zu den aktuellen Konditionen wohnen bleiben. In die Kneipe kann das Anna und Arthur einziehen, der "Backstage-Bereich" kann sich in einen Seminarraum verwandeln.

Einzelne Schritte plane eine Sanierungs-AG, die Bauzeit soll vorausscitlich rund eineinhalb Jahre betragen. Übernehmen wollen die Initiativen das Haus im August.

Wirt Uli Schröder ist zufrieden mit der Lösung, auch wenn er am Ende weniger Geld bekommt, als er einmal haben wollte: "Es geht auch um die Sache." Der ehemalige Sozialarbeiter, der eher Geld ins Klatsch gesteckt hat, als Gewinne zu machen, will nach Bispingen ziehen, in sein Elternhaus. Klar, er überlegt schon, was er da in Sachen Live-Musik organisieren kann. Aber Lüneburg ist nicht aus der Welt: Zu Konzerten kommt er dann wieder mal ins Klatsch. Carlo Eggeling

Foto:
Sie und andere stehen hinter dem Initiativenhaus im Café Klatsch: Nils Kubera, Lailah Collier, Bernd Redecker, Bernhard Stilke.

© Fotos: ca


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