Lüneburg, am Samstag den 11.04.2026

Aus für den Fahrradring

von Carlo Eggeling am 11.04.2026


Meine Woche

Aus dem Sattel geworfen



Kennen Sie das? Da radelt man glückselig und erfolgsgewiss dahin, übersieht ein Schlagloch, liegt Padautz! auf der Nase. Macht auaaaa. Die angebliche Massenbewegung rund um Radentscheid, ADFC, VCD und Grüne hat am Mittwoch im Mobilitätsausschuss so eine Bruchlandung erlebt. Auaaaa -- Aus für den Fahrradstraßenring um die Innenstadt und in der Folge für weitere Lieblingsprojekte. Heftiger Sturz ebenfalls für die Verwaltung, deren Pläne zumindest erst einmal auf Wiedervorlage liegen. Verkehrsdezernent Markus Moßmann reagierte entsprechend angefasst. Warum er sich nicht im Vorfeld um politische Mehrheiten gekümmert hat, um seine Mitarbeiter und deren Engagement abzusichern, gehört zu den Mysterien einer langen Ignoranz.



SPD-Fraktionschef Thomas Dißelmeyer buddelte den Grünen das Schlagloch. Er nutzte dafür den Haushalt, um aus dem Gremium einen Immobilitätsausschuss zu machen. Vereinfacht: Umbaupläne von Bardowicker Straße bis zum Lambertiplatz wären haushaltsrelevant und würden schon den Etat fürs kommende Jahr belasten. Dann sei der jetzige Rat nicht mehr im Amt. Das sei aus Sicht der SPD rechtlich nicht statthaft, man würde im Zweifel die Kommunalaufsicht einschalten.


Dißelmeyer hatte CDU und FDP auf seiner Seite, wie schon vor Wochen, als es um Pläne ging, die Ilmenaustraße in eine Fahrradstraße ohne Parkplätze zu verwandeln. Offensichtlich zogen Verwaltung und Radler-Lobby keine Lehre daraus. Devise: Wir wissen, was gut ist und machen einfach weiter.


Nun das zweite Nein. Erwartbar sprach der grüne Fraktionschef Ulrich Blanck von "Sabotage", seine Parteifreundin, die Ausschussvorsitzende Pia Redenius, war augenscheinlich so betroffen, dass sie trotz der scharfen Wortwahl nicht eingriff. Sie verwies hingegen gern auf den guten Ton, als Vertreter anderer Parteien scharfe Worte fanden.



Interessant war, dass die CDU-Vertreter der SPD beisprangen. Der Antrag der Sozis zischte wie ein Dorn im Reifen von Kämmerer Matthias Rink (CDU), denn die SPD forderte mit dem Antrag einen Nachtragshaushalt. Rink hält den für nicht erforderlich. Die Sozis piksten so den Christdemokraten Rink an, seine Finanzplanung sei nicht seriös.



Übrigens keine Einzelmeinung. Selbst in der Union gibt es einige, die Rinks Kompetenz am Lenker anzweifeln, die die ewige Klage über die schlechte Lage, die Bund und Land verursachten, langweilig finden und sich fragen, wo der Kämmerer Personal abbauen möchte, um Kosten zu senken. Er musste sich das intern bereits sagen lassen. Aber das ist eine andere Baustelle.



Klar, hatten sich SPD, CDU und FDP für die Sitzung im Museum vorher ausgetauscht, da sie erkennbar gemeinsam in die Pedale traten. Von den Grünen war zu hören, dass zuvor keine warnende Klingel der Schwarzen schellte. Obwohl sie doch Freunde bei den Konservativen hätten.


Dieses Mal stand die Front gegen die Grünen. In der Fraktion gibt es zwar mindestens ein, zwei, die sehr auf Harmonie setzen, aber es gibt im Stadtverband die klare Haltung, man müsse den Grünen und vor allem ihrer Oberbürgermeisterin grundsätzlich die Luft rauslassen.



Wie geht es weiter? Es ist kompliziert, Verfahrensfragen. Denn nun steht der nächste strategische Schritt an. SPD und FDP wollen das Thema mit einem Antrag in den Rat ziehen. Die Sorge: Die Grünen und Claudia Kalisch nutzen ihre Mehrheit im kleinen Rat, dem Verwaltungsausschuss, um ihre Pläne dort durchzusetzen.


Gingen sie diesen Weg, lieferten sie den anderen ein Fest: Die könnten darauf verweisen, dass die Ökos demokratische Prozesse ignorieren. Das ist grünen Profis bewusst, die halten von diesem Weg nichts, der Schaden wäre zu groß.


Was folgt? Auf jeden Fall Straßenkampf bis zur Wahl. Es geht schon los oder setzt sich fort. Der parteilose OB-Aspirant Heiko Meyer hat -- Potzblitz -- das Wasserviertel mit seinen Einschränkungen und sinnbefreiten Einbahnstraßen entdeckt. Dazu weist er als Vorsitzender der Handelsvereinigung LCM auf die Situation von Geschäftsleuten hin: Kommen die jahrelangen Umbauten von Ochsenmarkt und Neuer Sülze, wirke das wie Gift. Schon jetzt leide Lüneburg unter umkoordinierten Baustellen.


Noch ein Kritiker. Alt-OB und Sozialdemokrat Ulrich Mädge trommelt für den Seniorenbeirat: Die Radlerlobby ignoriere das mangelhafte Busangebot für Oldies mit Rollator.



Das Speichen-Lager sattelt ebenfalls auf. Radentscheid, Zeitung und ein mit Grünen klampfender Ex-Redakteur mit engen Verbindungen ins Rathaus pochen auf alte Beschlüsse. Der Blogger kramt angestaubte Interviews aus der Kiste. Der Alt-OB sei mal für den Radler-Ring gewesen. Na und? Wenn die Lage eine andere ist? Wie wäre es mit einer Bilanz und Neubewertung?


Auffällig ist, dass offensichtlich nur wenige wissen, wo und wie in der Stadt Straßen dicht gemacht werden sollen und Radler Vorrang erhalten sollen. Es reicht nicht, in Arbeitskreisen, in denen Gleichgesinnte sitzen, Transparenz zu leben. Wenn der Weg in eine andere Mobilität zweifellos richtig ist, warum wissen Geschäftsleute, Anwohner, die meisten Bürger kaum Bescheid? Die Stimmung kippt, bei vielen sorgt das Wort Fahrradstraßenring für Pickel.


Ich kenne bestimmt nicht die richtigen Radler, aber die mit mir reden, klagen über schlechte Verbindungen in die Stadt, über kaputte Radwege, sie vermissen ein Fahrradparkhaus in der Stadt, mit abschließbaren Boxen und Lademöglichkeiten für E-Räder, bessere Sicherungen im Radspeicher am Bahnhof; es fehlt das seit gefühlt zehn Jahren diskutierte Fahrradparkhaus an den Gleisen. Vom Ring um die Stadt träumt keiner.



Verkehrter Verkehr. Was für ein Thema. Pause als Chance, um die Route neu zu bestimmen. Wahlkampf ist eine gute Sache, um Positionen deutlich zu machen. Schließlich können die Bürger entscheiden — Wahlen sind wunderbar.


Bleiben Sie heiter. Ich wünsche Ihnen mit dem Komiker Heinz Erhardt ein angenehmes Wochenende:



Meine besten Witze habe ich erzählt,

das Publikum lächelte nur leicht gequält.

Doch Heiterkeit ohne Maß und Ziel

erregte ich, als ich vom Fahrrad fiel.



In diesem Sinne, Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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