Lüneburg, am Dienstag den 21.04.2026

Aus Sicht der Moin läuft es besser

von Carlo Eggeling am 21.04.2026


Als die kreiseigene Busgesellschaft Moin zum Jahreswechsel an den Start ging, war man von sich selbst sehr überzeugt, Kunden sahen es anders: Anzeigesysteme funktionierten nicht, Schulbusse kamen gar nicht oder zu spät, Fahrer kannten Strecken nicht. Optimal läuft es bei der Moin und ihren Partnerunternehmen nach Eindruck von Kunden noch immer nicht. So sollte ein gutes Vierteljahr nach dem Start die Schulbusverkehre besser laufen, das war das eigene Ziel der Moin. Das gelang nur begrenzt. Fragen an die Moin zu einer Art Bilanz. Antworten gibt Sprecherin Antonia Goldbeck.

+ In den vergangenen Tagen hat das Gewerbeaufsichtsamt Ihr Unternehmen sowie Ihre Partnerfirmen wie die RBB kontrolliert. Wie viele Verstöße gab es? Wo liegt die Ursache?
Moin: Kontrollen durch das Gewerbeaufsichtsamt gehören zur branchenüblichen Qualitätssicherung. Die MOIN stellt sicher, dass alle gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden – sowohl im eigenen Haus als auch in der Zusammenarbeit mit unseren Partnerunternehmen. Im Rahmen der Überprüfung wurden keine Verstöße festgestellt.

+ Wie stellen Sie sicher, dass sich Ihre Partner wie die RBB an Vorgaben halten?
Moin: Neben dem täglichen Austausch zur Lösung aktueller Aufgaben sorgen klare vertragliche Vereinbarungen für eine verlässliche Zusammenarbeit mit unseren Partnerunternehmen. Sollten Abweichungen auftreten, fordern wir umgehend Verbesserungen ein. Zusätzlich stellen vertraglich festgelegte Sanktionen und Vertragsstrafen sicher, dass die vereinbarten Standards konsequent eingehalten werden.

Anmerkung von LA: Das sagt nichts dazu aus, ob es Verstöße gab und in welchem Umfang.

+ Sie hatten mit Ende der Osterferien versprochen, dass der Schulbusverkehr umgestellt und zuverlässiger wird. Das scheint, so höre ich aus Bleckede und Scharnebeck, nur begrenzt geklappt zu haben. Besonders drastisch hat es Mutter Miriam Ihnen in einem Leserbrief an die LZ für die Linie 5072 geschildert, die Kinder aus Oedeme zu den Grundschulen Häcklingen und Hasenburger Berg bringen soll.
In der LZ schildert Miriam Ihnen in einem Brief folgendes:
Nun gab es eine Fahrplanänderung. Statt um 7.32 Uhr soll der Bus jetzt um 7.27 Uhr abfahren – sagt die Moin auf der Homepage. Die HVV-App sagt allerdings 7.20 Uhr Abfahrt. Der Aushang an der Haltestelle zeigt die alte Abfahrtzeit. Die Frage der Eltern, warum die Schule sie nicht informiert, ist schnell beantwortet: Die Schule wusste davon auch nichts. Sie wurde per Mail am letzten Ferientag informiert – darin findet sich übrigens dieselbe Diskrepanz in den Abfahrtzeiten. Dass die Schule von einem Tag auf den anderen ab 7.30 Uhr die Betreuung von zig Buskindern gewährleisten muss, wurde anscheinend auch nicht kommuniziert.
An den Bushaltestellen pures Chaos, weil niemand wusste, ob der Bus um 7.20, 7.27 oder 7.32 abfährt. Ein Glück, dass der Bus erst um 7.38 kam – da der Busfahrer nichts von der Fahrplanumstellung wusste und mit milder, üblicher Verspätung fuhr. Weniger glücklich, dass der Fahrer auch keine Ahnung hatte, welche Strecke er fahren musste, und kein Deutsch sprach.

+ Das klingt gar nicht zuverlässig. Warum sind die Zeiten nicht abgestimmt und zuverlässig dargestellt?
Moin: Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten sehr. Bei der Linie 5072 kam es bei der Fahrplananpassung zum 8. April zu einem Kommunikationsfehler. Die Zeiten wurden auf der Website und an den Haltestellen umgehend korrigiert. Dass dadurch Unsicherheiten bei den Schulen und Eltern entstanden sind, nehmen wir sehr ernst. Wir arbeiten intensiv daran, unsere Abstimmungsprozesse weiter zu optimieren.

Der Fahrer kennt den Weg nicht -- warum nicht? Sprachkenntnisse -- gerade Kinder müssten einen Fahrer fragen und Antworten bekommen können, die sie verstehen. Warum setzen die Personal ein, dass diese Voraussetzung offenbar nicht erfüllt? Wie ändern Sie das?
Moin: Ein barrierefreier und verständlicher Service für unsere Fahrgäste ist für uns ein zentraler Bestandteil eines modernen und zuverlässigen Busverkehrs – insbesondere für Schulkinder. Die MOIN hat das betroffene Partnerunternehmen aufgefordert, für Fahrten insbesondere im Schulbusverkehr konsequent deutschsprachiges und geschultes Personal einzusetzen, um eine reibungslose Kommunikation und Orientierung sicherzustellen.

Überdies soll es mit Toiletten schlecht bestellt sein. Kollegen können an Endhaltestellen nicht aufs Klo, beispielsweise auf dem Kreideberg. Wenn die Blase drückt, kann es eng werden, es bis zum ZOB zu schaffen -- mit Folgen unterwegs.
Wie können Sie die Lage verbessern, wie sind Sie mit der Stadt im Gespräch? Um welche Kosten handelt es sich beim Bau, wer trägt die?
Die Verbesserung der sanitären Anlagen für das Fahrpersonal ist für uns ein sehr wichtiges Anliegen. Seit der Gründung der MOIN stehen wir hierzu im kontinuierlichen Austausch mit den Gemeinden und der Hansestadt Lüneburg. Planung und Umsetzung erfolgen in enger Abstimmung mit den öffentlichen Trägern. Die konkrete Ausgestaltung und Finanzierung ist Teil laufender Gespräche.

Anmerkung von LA: Es bleibt offen, warum Moin und Kommunen diese Frage nicht vor Betriebsbeginn 2026 geklärt haben. Auch die Frage der Kosten und die Höhe sind nicht beantwortet.

+ Die Anzeigesystem in der Stadt scheinen noch immer nicht voll umfänglich zu funktionieren. Ist dem so? Wenn ja, warum? Wann läuft es so, wie es soll?
Moin: Die technische Anbindung unserer Fahrgastinformationssysteme ist ein laufender Prozess. Wir erhalten kontinuierlich Feedback aus der Bevölkerung und beheben Störungen schnellstmöglich in enger Abstimmung mit unserem Dienstleister. Wir bitten um Verständnis, dass die vollständige Stabilisierung der komplexen Technik noch etwas Zeit in Anspruch nimmt.
Anmerkung von LA: An dem Anzeigesystem arbeiten Techniker seit Jahren. In der Vergangenheit hieß es, dass es an Schnittstelle" Probleme gebe.

+ Sie hatten vor Wochen im Mobilitätsausschuss des Kreises berichtet, dass die Zahl der Beschwerden abnimmt, können Sie dazu Zahlen nennen? Was beklagen die Leute? Wie können Sie helfen?
Moin: Die Zahl der Beschwerden ist inzwischen deutlich zurückgegangen. Das werten wir als Bestätigung dafür, dass unsere Maßnahmen zur Stabilisierung des Betriebs wirken. Jeder Hinweis der Fahrgäste ist uns wichtig. Wir werten diese intern aus und besprechen sie direkt in unseren täglichen Abstimmungsrunden mit den Partnerunternehmen, um Abläufe und Service weiter zu verbessern. Die Fragen stellte Carlo Eggeling

© Fotos: ca / Archiv


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