Baustelle Rathaus — Gerangel ums Baudezernat
von Carlo Eggeling am 06.02.2026Am kommenden Donnerstag soll der Rat eine neue Leitung für das Baudezernat wählen. Ein wichtiges Ressort, in den nächsten Jahren stehen Umbauten der Stadt an in Sachen Mobilität, mehr Radwege, das Salzmuseum soll ein neues Gesicht erhalten, Schulen stehen vor Veränderungen, Stadtteile sollen durch Förderprogramme weiter entwickelt werden. Doch an der Öffentlichkeit geht weitgehend vorbei, wofür die Abteilung steht, welche Kriterien ein neuer Stadtbaumeister -- so der alte Titel -- erfüllen soll. Wie schon in der Vergangenheit bei den Chefposten für Soziales und Finanzen setzt das Rathaus auf Vertraulichkeit -- oder je nach Lesart -- Heimlichkeit. Das erstaunt, denn Dezernent ist ein politisches Amt, der Rat wählt einen Bewerber.
Die Stille mag darin begründet liegen, dass die Rathausspitze eine interne Kandidatin favorisieren soll. Das ist aus mehreren politischen Lagern zu hören. Das Vorschlagsrecht für den Posten liegt bei der Oberbürgermeisterin. Claudia Kalisch hatte betont, sie binde den Verwaltungsausschuss, also den kleinen Rat, in das Verfahren ein. Allerdings kannten VA-Mitglieder bis Freitagmittag keine Namen der aussichtsreichste Kandidaten. Sie soll die Zahl zwei bis genannt haben. Die will Claudia Kalisch nächste Woche nennen. Dann tagt der VA zweimal, einmal mehr als gewöhnlich. Am Mittwoch dreht es sich um die Nachfolge Heike Gundermanns, die das Ressort drei Jahrzehnte leitete und Ende Mai in den Ruhestand geht.
Im Vorfeld hatte der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt das Verfahren zaghaft kritisiert. Es war zudem Zeitpunkt seit Wochen ein offenes Geheimnis, dass die Rathausführung sich eine leitende Mitarbeiterin ausgeguckt haben soll, die zwar verwaltungserfahren ist und einen guten Job macht, die aber weder Architektur noch Bauingenieurswesen studiert hat.
Am 6. Januar schreibe der ALA der OB vor diesem Hintergrund: "Die aktuell geschaltete Stellenausschreibung beinhaltet in den Anforderungen die Option, eine/n Bewerber/in ohne fachliche Qualifikation in Architektur und/oder Städtebau zu berücksichtigen. Das halten wir für nicht ausreichend. Für eine Stadt unseres historischen Hintergrundes und städtebaulichen Anspruchs halten wir die entsprechend Erfahrung für die Stadtbaurat-Position für unabdingbar. Ein so wichtiges Dezernat erfordern aus unserer Sicht die bestmögliche, vor allem architektonisch qualifizierte, Besetzung. Im nachrangigen Team ist diese Erfahrung durchaus vorhanden, daher sollte die Führungsperson entsprechend städtebaulich versiert sein."
Aus der Politik folgte im vertraulich tagenden VA die Anmerkung, es erschließe sich nicht, warum das Rathaus über die Personalagentur ZfM in Bonn einen Headhunter einschalte, dessen Leistung mit einem Betrag von geschätzt zwischen 50 000 bis 70 000 Euro vergütet werde, wenn Frau Kalisch sich längst entschieden habe. Allerdings hätte sie für eine interne Stellenbesetzung dem Vernehmen nach eine Zweidrittelmehrheit im Rat haben müssen -- zweifelhaft, dass sie die bekommen hätte.
Auch jetzt irritiere das Vorgehen der Oberbürgermeisterin, heißt es sowohl aus CDU wie SPD. Die vermeintliche Transparenz sei keine, wenn sie hinterm Berg halte, wenn sie vorausgewählt habe. Unvergessen ist, dass bei der Besetzung der Kulturamtsleitung und der Sozialdezernentin nicht alle Informationen auf dem Tisch lagen. Die kritischen Punkte lieferte Lüneburg aktuell, nicht die Verwaltung, die das für nicht erwähnenswert hielt.
Warum die Dezernatsleitung schon jetzt besetzt werden soll, verstehen nicht alle Ratsmitglieder. Es gebe die Möglichkeit, die Stelle kommissarisch führen zu lassen. Im September stehen Kommunalwahlen an. Zumindest vorstellbar wäre, dass die Grüne Kalisch das Rathaus dann verlassen müsste und jemand anderes für die kommenden acht Jahre im Rathaus regiert. Wäre denkbar, dass der oder die ein Wort mitreden möchte, wer ihn die nächsten Jahre in dem im Wortsinne prägenden Ressort begleitet.
Der ALA hat dem Rathaus und der Politik einen Fragenkatalog geschickt, den er dem Kandidaten stellen würde. LA hat das Papier vorliegen. Der Wortlaut:
Diese Fragen würde der ALA gerne an die Bewerber*innen Stadtbaurat/Stadtbaurätin stellen:
Zur Altstadt
Ihnen ist die Bedeutung der Lüneburger Altstadt sicher bewusst. Die große Herausforderung wird bleiben, die Altstadt einerseits weiterhin zu erhalten, sie andererseits alltagstauglich und lebensnah für alle Bewohner, Besucher und Gäste weiter zu entwickeln und zu gestalten.
Wie kann dieser Spagat Ihrer Meinung nach gelöst werden?
Wo sind Ihre Prioritäten, um die historische Altstadt weiterhin zu fördern und zu erhalten?
Wie stehen Sie zu modernen Um- und Anbauten an historischen Gebäuden?
Zum ALA
Kennen Sie bereits den Arbeitskreis Lüneburger Altstadt? Seit 50 Jahren wird dort von 600 Mitgliedern das historische Erscheinungsbild Lüneburgs sehr engagiert bewahrt und betreut. Mit dem Verein haben die städtischen Behörden bislang eine intensive, aber vor allem lange und gute Zusammenarbeit.
Welche Verbindung würden sie zum ALA suchen und welche Beziehung wäre Ihnen in Zukunft wichtig?
Zu Ferienwohnungen
Ein aktuelles und drängender werdendes Dilemma ist die überproportionale Nutzung der historischen Altstadt-Wohnungen nicht durch Lüneburger Bürger, sondern Feriengäste. Lüneburg profitiert touristisch sehr davon, für den Wohnungsmarkt und das alltägliche Leben in der Altstadt ist das katastrophal.
Welche Ideen haben Sie, hier die richtige Mischung zu finden, zu betreiben und durchzusetzen?
Welche Mittel sehen Sie in der Anwendung der Erhaltungssatzung / Milieuschutz an dieser Stelle?
Zum Leerstand in der Altstadt
Ganz konkret beschäftigt uns in der Stadt der hohe Anteil leer stehender Wohnungen in der Stockwerken oberhalb von Ladengeschäften, hier liegt viel Potential brach. Es geht hier um bauliche Vorgaben, Brandschutz für nötige Treppenhäuser, etc.
Haben Sie von diesem typischen Problem gehört und welche Lösungen sehen Sie hier für Lüneburg?
Zur Gestaltungssatzung
Sie werden die Gestaltungssatzung zum Schutz und zur Pflege der Lüneburger Altstadt sicher bald kennenlernen.
Welche Hebel sehen sie, um deren Vorgaben (in Sachen Beleuchtung, Werbemitteln, Dekoration, Ausstattung, etc.) gegenüber Eigentümern und Mietern / Händlern konsequent durchzusetzen? Carlo Eggeling
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