Bedingt einzugsbereit — Sanierung dauert noch
von Carlo Eggeling am 23.04.2026Ende 2024 hatte die Stadt eingeladen, nach jahrelangen Sanierungsarbeiten seien die 13 Wohnungen im Heiligengeiststift wieder bewohnbar. Ein paar Wochen später stellte sich durch Aussagen von Mietern heraus, es dauere noch, nur die Hälfte der Räume für Bedürftige könne man zur Verfügung stelle, es müssten noch Arbeiten erledigt werden. Das war vor fast einem Jahr. Doch noch immer sind von den Wohnungen nur rund die Hälfte zu nutzen. Wieder wundern sich Mieter. Vermieter im Komplex an der Heiligengeiststraße ist eine städtische Stiftung.
Nachfrage im Rathaus, was ist dran an der Geschichte? Sprecher Stefan Ahrens erklärt die Lage so: "Insgesamt sind es 13 Wohnungen, von denen inzwischen sechs wieder vermietet sind und eine Wohnung für die Bewohnerschaft als Gemeinschaftsfläche bereitgestellt wird."
Man lässt sich bei der Stiftung wohl Zeit, die Räume zur Verfügung zu stellen. So ist ein "aktuter Wasserschaden in einer Wohnung" selbstverständlich unvorhergesehen und bedauerlich. Doch andere Bereiche dienen als Lager: "In einer anderen Wohnung sind die teils historischen Möbel des Heiligengeiststift abgestellt worden. Diese Möbel werden später als Einrichtung des Gemeinschaftsraumes als haussozialer Treffpunkt für die Bewohnerschaft dienen. Die bisher als Gemeinschaftsraum genutzte Wohnung kann dann kurzfristig vermietet werden."
Auch wenn man vor eineinhalb Jahren zum Pressetermin des erfolgreichen Bauprojekts einlud, war das augenscheinlich etwas voreilig. Ahrens: "Drei weitere Wohnungen sind erst kürzlich final fertiggestellt worden. Hier gab es immer noch Restarbeiten. Diese Wohnungen gehen demnächst in die Vermietung, Interessenten gibt es bereits."
Die Wohnungen gehen nicht an den freien Markt, der mittelalterliche Stiftungszweck, mildtätig Bedürftigen zu helfen, ist Vorgabe. Der Sprecher: "Die Vermietung wird begleitet vom städtischen Seniorenberatungsbüro. Dort werden die Zugangsvoraussetzungen der interessierten Personen geprüft. Die Vergabe der Wohnungen ist an soziale Vergabekriterien der Stiftung gebunden."
Wie berichtet, hatte ein Mieter hatte den Brand im April 2019 verursacht. Binnen Minuten stand der Dachstuhl in Flammen, die Feuerwehr war mit Großaufgebaut vertreten, konnte den Wohntrakt aber nicht retten. Doch die Helfer verhinderten, dass die benachbarte Grundschule abbrannte. Die Kräfte setzten Zehntausende Liter Wasser zum Löschen ein -- es ging gar nicht anders. Aber Feuer und Nässe hatten gewaltige Folgen.
Der Schaden fiel größer aus als angenommen, so dauerte es nicht nur zwei, drei sondern mehr als fünf Jahre, um möglichst viel des Baus zu retten, dessen Geschichte ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Tragende Balken mussten austrocken, der Boden wurde ausgetauscht. Auch die Kosten stiegen gewaltig, im November 2024 war die Rede von 9,5 Millionen Euro. Acht Millionen kamen von der Versicherung, den Rest brachte die städtische Stiftung auf. Die Wohnungen sind barrierearm, mehr ging aufgrund des Denkmalschutzes nicht. Ein Fahrstuhl bringt Bewohner ins obere Geschoss.
Zur Geschichte:
Der Gebäude-Komplex "hospitalis sancti Spiritus", erstmals 1277 erwähnt, mit dem prägenden Dachreiter war einst die Heimat für Arme und Bedürftige, denn eine Sozialversicherung gab es vor sieben Jahrhunderten nicht. Patrizier, die ihren Reichtum mit dem weißen Gold, dem Salz der Saline, verdienten, wollten etwas für ihr Seelenheil tun -- die Hoffnung auf einen Fensterplatz im Himmel. Also gaben sie Geld um vor allem Salinenarbeitern als sogenannten Prövnern eine Unterkunft und Versorgung zu geben. Zu erkennen ist das noch heute an der Zellenstruktur, die an ein Kloster oder Krankenhaus erinnert. Inzwischen wurden aus mehreren Kammern Wohnungen zwischen 30 und 50 Quadratmetern groß. Carlo Eggeling
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