Lüneburg, am Montag den 09.02.2026

Bei Nacht – Götz Alsmann verzaubert Lüneburg

von Hajo Boldt am 09.02.2026


Mit seinem aktuellen Programm „…bei Nacht…“ begeisterte Götz Alsmann im ausverkauften Kulturforum Lüneburg. Gemeinsam mit seiner vierköpfigen Band entführte er das Publikum auf eine ebenso elegante wie humorvolle Reise durch Schlager und Jazz-Chansons der Jahre 1910 bis 1965 – ein Abend voller Atmosphäre, musikalischer Raffinesse und feiner Ironie. Im Zentrum stand die Nacht: als Raum für Sehnsucht und Melancholie, für Rausch, Träume und leise Reflexion. „Keine Tageszeit schenkt uns so viele schöne Lieder wie die Nacht“, sagte Alsmann – und belegte dies mit rund 20 sorgfältig ausgewählten Titeln. Klassiker wie „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“, „Nachts sind die Straßen so leer ohne dich“ oder „Gestern Nacht war die Welt voll Sonnenschein“ fügten sich zu einem dramaturgisch klugen Spannungsbogen zwischen Nostalgie und zeitloser Eleganz. Musikalisch blieb Alsmann seiner Haltung treu: keine vordergründige Modernisierung, keine modischen Effekte. Stattdessen reduzierte, geschmackvolle Arrangements für Klavier, Bass, Schlagzeug, Vibraphon und Perkussion, die den Kern der Lieder freilegten – „wie Jazz-Nummern oder klassische Musik“. Gerade dadurch wirkten viele der alten Schlager überraschend frisch und gegenwärtig. Ein besonderer Höhepunkt des Abends war Alsmanns Einsatz des Taishōgoto. Das traditionsreiche japanische Volksmusikinstrument erklärte er augenzwinkernd selbst: „Wenn Sie jetzt sagen, das sieht aus wie ein Brett aus einer Zigarrenkiste oder eine Schreibmaschine – dann haben Sie absolut recht.“ Kunstvoll gespielt, wurde das Taishōgoto zugleich klangliches Kuriosum und erzählerischer Mittelpunkt – ganz im Sinne dieses Abends zwischen Bildung, Humor und musikalischer Neugier. Untrennbar mit dem Konzert verbunden waren Alsmanns ausgedehnte Moderationen. Mit Lust an Abschweifungen erzählte er von vergessenen Filmperlen, dubiosen Geheimagentenstreifen der frühen 1960er Jahre, von Horst Frank, Vivi Bach und Senta Berger – und von seiner erklärten Vorliebe für den „Abschaum der Filmgeschichte“. Diese Geschichten, irgendwo zwischen Kulturgeschichte, Stand-up und liebevoller Persiflage, sorgten immer wieder für herzhaftes Lachen im Saal. Auch persönliche Anekdoten fanden ihren Platz. Mit trockenem Humor berichtete Alsmann von der Zusammenarbeit mit Roland Kaiser – und davon, wie dessen großes Auto regelmäßig vor dem Alsmann-Haus in Münster-Süd für Aufsehen sorge. Die Nachbarschaft frage dann besorgt, ob das Haus abgerissen worden sei. Nein, so Alsmann, es stehe noch – „da steht nur die Karre von Roland Kaiser davor“. Die Band – Dominik Hahn, Markus Passlick, Altfrid M. Sicking und Ingo Senst – agierte dabei als perfekt eingespieltes Ensemble: präzise, elegant und mit feinem Gespür für Dynamik und Timing. Zum Schluss dankte er ausdrücklich für die Gastfreundschaft und lobte die Räumlichkeiten des Kulturforums in Wienebüttel als „fabelhaft“ und „unglaublich“. Viele Städte könnten auf eine solche Kulturstätte nur neidisch sein, sagte Alsmann – ein Kompliment, das ehrlich wirkte und mit langem Applaus beantwortet wurde. Zum Finale wurde es noch einmal ganz intim. In den Zugaben griff Alsmann zu einem seiner Markenzeichen: der Ukulele. Mit „Die Nacht ist voller Zärtlichkeit … du dummes Herz, gib acht auf diese Nacht!“ schuf er einen stillen, warmen Moment – fast kammermusikalisch, beinahe flüsternd. Anschließend weitete sich der Abschied noch einmal: Mit „Sag mir quando, sag mir wann…“ und „Lass uns träumen am Meer…“ entließ Alsmann sein Publikum beschwingt und zugleich sanft in die Nacht. Ein Abend, der genau hielt, was sein Titel versprach: Musik für die Nacht – zum Schmunzeln, zum Erinnern, zum Nachklingen lassen. Und der Beweis, dass Götz Alsmann auch nach Jahrzehnten auf der Bühne nichts von seiner Neugier, seinem Witz und seiner musikalischen Klasse verloren hat. Text/Foto/Video: Hajo Boldt

© Fotos: Hajo Boldt


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