Brandbekämpfung auch bei der Feuerwehr
von Carlo Eggeling am 07.03.2026Meine Woche
Wahrhaftig und irgendwas
Wenn es zur Jahresversammlung des Stadtfeuerwehrverbands geht, erwarte ich selten Aufregendes. Der Förderverein der Lüneburger Brandbekämpfer nimmt Mitgliedsbeiträge und Spenden ein, unterstützt Projekte, sorgt für Getränke und Essen nach Einsätzen. Ehrenwert, nötig, aber selten spannend. Gestern Abend war das anders. Uwe Heinatz, ein ruhiger, freundlicher und korrekter Mann wurde politisch: Ohne die AfD zu nennen, war klar, wen und was er meinte: "In unserem Land, in Deutschland, wächst wieder der Schatten von Menschenverachtung, Ausgrenzung und Hetze -- getragen von Kräften, die unsere Demokratie offen infrage stellen. Gerade in solchen Zeiten müssen wir uns daran erinnern, was Courage bedeutet -- und dass sie ihren Preis hat."
Mehr als 250 Feuerwehrleute im Saal, wenn gut zwanzig Prozent der Niedersachsen sich vorstellen können, die AfD zu wählen, werden naheliegenderweise auch Anhänger der Partei im Publikum sitzen. Wenn der Bundespräsident so redet, ist es die übliche Betroffenheitsrede. In den Hallen an der Lise-Meitner-Straße wirkte es nah und ehrlich. Couragiert. Uwe nannte ein Beispiel für Feigheit und Mut.
Als 1933 Nationalsozialisten die Regierung in Deutschland übernehmen, beginnen Ausgrenzung und Verfolgung. Auch in der Feuerwehr. Adolf Schickler und seine Frau Hulda führen an der Bardowicker Straße ein Geschäft für Schuhe und Herrenbekleidung. Er engagiert sich im MTV, im Museumsverein und in der Feuerwehr. Beide sind Juden. Das ist bislang kein Problem. Doch im Nazi-Deutschland eine Gefahr. Am 16. Juni1933 schreibt Schriftwart Paul Peppermüller Stadtfeuerwehrchef Raab an: "Zu meinem größten Bedauern erfahre ich, dass Kamerad Schoop dem Kamerad Schickler den Austritt aus der Wehr empfohlen hat. Die Führung der Feuerwehr hat in dieser Sache nichts beschlossen!"
Und weiter: "Die freiwillige Turner-Feuerwehr ist eben freiwillig und untersteht vorläufig noch keiner Gleichschaltung. Ich bin entschieden dagegen, dass wir Kameraden, die jahrelang ihre freiwillige Pflicht der Stadt Lüneburg gegenüber voll und ganz erfüllt haben, ihres konfessionellen Glaubens wegen rausschmeißen."
Adolf Schickler und seiner Frau Hulda nimmt man Geschäft und Wohnung. Sie werden 1943 ins Ghetto des KZ Theresienstadt deportiert. Er kommt dort am 12. Mai 1943 um, kurz nach der Ankunft. Seine Witwe überlebt ihn fast zwei Jahre, sie stirbt am 8. Januar 1945 an den Folgen jahrelanger Unterernährung und nicht behandelter Krankheiten.
Paul Peppermüller musste 1934 seinen Posten räumen, er hatte mehrmals nicht geschwiegen. Er starb 1959.
Uwe sagte, wofür Feuerwehr auch steht oder stehen sollte: "Heute tragen wir keine Uniform, um Widerstand zu leisten, aber wir tragen Verantwortung. Verantwortung dafür, dass in unseren Wehren, in unseren Städten, in unserem Land Menschlichkeit, Vielfalt und Anstand verteidigt werden -- gegen die, die spalten und hassen. Courage hat oft keinen Applaus -- manchmal kostet sie Ansehen, manchmal Freiheit, manchmal das Leben."
Später, als es Leberkäse und Brötchen gab, habe ich Uwe gefragt, warum er eindeutig politisch, aber nicht parteipolitisch wurde. Die Antwort lag nahe: Weil es nötig ist. Er möchte, dass an Adolf Schickler und Paul Peppermüller im Feuerwehrmuseum erinnert wird. Ein Zeichen.
Kein Brimborium. Uwe wirkt selbstverständlich, keine Show. Das ist nicht allen gegeben. Gerade nicht in einer Zeit, in der Schein wichtiger daherkommt als Sein. Ratsherr und Kneipenwirt Martin Lühmann hat den Auftritt von Sängerin Sarah Engels im Netz kommentiert. Sie vertritt Deutschland beim European Song Contest, welcher Schlager ist der schönste? Lühmann kommentierte es "nach ein paar Bier zu viel" mit dem Satz "war da nicht mal mehr um den Brustkorb". Blöd, daneben, seine Entschuldigung folgte. Frau Engels konterte: "Mein Körper -- not your Business."
Kommentare, Aufrufe im Netz. Millionenfach. Hat der Sängerin viel Aufmerksamkeit gebracht. Lühmann auch, allein mein Bericht erreichte mehr als 70 000 Menschen. Den einen ging's ums Frauenbild alter weißer Männer, den anderen um das "Na, so schlimm war es auch nicht.“.
Lustig oder erschütternd, je nachdem wie sehr das Panoptikum das Leben bestimmt, ist dann eine Meldung, die bei Spiegel online steht: "Viele Gen Z Männer stellten nicht nur einschränkende Erwartungen an Frauen, sondern seien selbst in restriktiven Geschlechternormen gefangen. Fast jeder dritte Gen Z Mann ist der Meinung, dass eine Ehefrau ihrem Mann immer gehorchen sollte. Bei den männlichen Babyboomern – geboren zwischen 1946 und 1964 – sind nicht einmal halb so viele Männer dieser Ansicht (13 Prozent)." Unter Generation Z fallen Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren sind. Grundlage der Aussagen war eine Untersuchung, die in 29 Ländern durchgeführt wurde.
Könnte es sein, das ein dämlicher Spruch nicht das eigentliche Problem ist, sondern ein sich veränderndes Weltbild, das selbstverständlich Geglaubtes und Erreichtes infrage stellt? Kann es sein, dass viele eher den Lärm und nicht den Grundton und damit die Ursache hören? Könnten man(n) und frau am Weltfrauentag, diesen Sonntag, überlegen.
Gutes Wochenende, Carlo Eggeling
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