Busgesellschaft schlittert weiter — Kritik und Erklärungen
von Carlo Eggeling am 06.01.2026Die kreiseigene Nahverkehrsgesellschaft Moin hat an ihren ersten Tagen im Echtbetrieb mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Anzeigetafeln an den Bussen funktionieren nicht, HVV-Prepaid-Karten gibt es nicht oder nicht ausreichend, das bargeldlose Zahlungssystem ist vielen Kunden nicht bekannt. Die Politik hat die Moin mit viel Begeisterung begleitet. Doch nun rumpelt es ob der Schlaglöcher. Das ist dem Vorsitzenden des Mobilitätsausschusses des Kreises bewusst. Jakob Blankenburg sagt: "Wir werden uns die ersten Wochen der Moin anschauen, um zu gucken, ob und wo wir nachsteuern müssen. Ein bisschen Nachsicht muss haben haben, ein neues Unternehmen geht an den Start." Der SPD-Politiker betont, er sei dankbar "für Hinweise der Kunden".
Für die nicht recht ins Laufen kommende Anzeige-Tafeln an den Haltestellen heißt es von Blankenburg und der Moin, dafür sei unter anderem der Landkreis zuständig. Moin-Sprecherin Antonia Goldbeck: "Das digitale Fahrgastinformationssystem ist kein Aushangfahrplan, sondern zeigt die Abfahrtszeiten der Busse in Echtzeit an. Dafür ist es auf Echtzeitdaten angewiesen, bei deren Übertragung es momentan leider technische Schwierigkeiten gibt. Der Landkreis Lüneburg arbeitet gemeinsam mit der Verkehrsgesellschaft Nordost-Niedersachsen (VNO) an einer Lösung." Anzumerken ist, dass die Politik so ein System bereits vor Jahren angemahnt hat, nun hängen die Tafeln seit Monaten und funktionieren gar nicht oder nur teilweise.
Während Kunden sich über mangelnde Informationen zum ausschließlich bargeldlosen Ticketsystem innerhalb der Stadt beklagen, verweist Moin darauf: "Die Regelung zur bargeldlosen Bezahlung auf den genannten Linien wurde im Vorfeld mit allen eingesetzten Partnerunternehmen verbindlich kommuniziert." Offenbar scheint dies trotzdem bei Kunden nicht angekommen zu sein.
Moin betont zudem: "Die hvv Prepaid Card ist nicht nur in der Mobilitätszentrale im Bahnhof Lüneburg, sondern auch bei über 50 weiteren Verkaufsstellen in der Region erhältlich." Allerdings schilderten Kunden am Montag, dass sie eben am Montag keine dieser Karten ergattern konnten. So berichtet ein LA-Leserin, sie habe probiert, an der einer von der Moin genannten Tankstelle in Adendorf eine Prepaid-Karte zu erhalten. Antwort: Man habe keine erhalten. Auch anderswo in Adendorf solle es keine Karten gegeben haben.
Das Büro der Moin in der Mobilitätszentrale im Bahnhof war am Montag nicht besetzt. Das räumt die Moin ein und spricht von "kurzfristig aufgetretenen technischen Problemen".
Montag war der Starttag der Moin quasi für den Betrieb unter realen Bedingungen -- für viele begann nach den Weihnachtstagen das Arbeitsleben wieder. Kunden standen dort kopfschüttelnd, weil sie keinen Ansprechpartner trafen.
Heute kamen weitere Klagen bei LA an. So soll es beim Schulbusbetrieb zu Problemen gekommen sein, berichtet eine Mutter. Auf der Facebook-Seite der Moin finden sich weitere Hinweise zu Ausfällen im Schulbusverkehr.
Unter der Rubrik Neuigkeiten auf der Internetseite der Moin hingegen findet sich dazu nichts. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hatte gestern von sich aus in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass es aufgrund von Schnee und Eis Probleme im Schulbusverkehr geben werden und Beispiele genannt -- in Lüneburg gab es dazu nichts.
Dass die Busse nicht nicht einheitlich im Farbton der Moin fahren, erklärt Sprecherin Goldbeck so: "Zukünftig sollen alle eingesetzten Busse im Moin-Gelb unterwegs sein. Aufgrund der sehr kurzen Zeitspanne zwischen der Vergabe der Subunternehmerleistungen sowie der Übernahme von Mehrleistungen der Moin zum Betriebsstart, war eine vollständige Neufolierung aller eingesetzten Fahrzeuge zum Start nicht umsetzbar.“ Carlo Eggeling
Kommentare
am 06.01.2026 um 20:19:30 Uhr
am 06.01.2026 um 23:08:50 Uhr
am 07.01.2026 um 19:51:57 Uhr
Im Ernst, die Menschen müssen mehrere Male mit dem Bus fahren und es funktioniert einfach nichts, was ist das mit einer schlechten Vorbereitung?
Warum holt man solche Politiker, die nichts hinkriegen und sie sind dankbar für die Hinweise, anstatt sich zu entschuldigen!!!
Jakob, es wäre besser, wenn du dein Kopf im Sand reinsteckst
am 07.01.2026 um 21:11:33 Uhr
am 08.01.2026 um 08:41:35 Uhr
Danke
am 08.01.2026 um 09:11:02 Uhr
Fahrer, die ihren Streckenverlauf nicht kennen und fragende Passagiere falsche Auskünfte geben, sodass Fahrgäste aus der eigentlich richtigen Linie wieder aussteigen.
Fahrer, die so unzureichend Deutsch oder Englisch sprechen, dass sie Fragen der Passagiere gar nicht beantworten können.
Fehlende Fahrtrichtungsanzeigen an den Bussen.
Chaos bei den Bezahlmöglichkeiten, aber MOIN "bietet ihren Passagieren von Anfang an ein komfortables Bezahlerlebnis" ... Das ist blanker Hohn, verpackt in in schillernden Wortblasen der Mandatsträger.
Kurz zusammengefasst: Der Busverkehr in Stadt und Landkreis ist eine hausgemachte Katastrophe und eine Zumutung für alle, die auf diese Verbindungen angewiesen sind.
Ich hoffe, Herr Blankenburg, dass dieser Hinweis für Sie aufschlussreich genug ist, um Sie und andere Verantwortliche zum Handeln zu bewegen.
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