Lüneburg, am Freitag den 01.05.2026

Café Klatsch ist verkauft — es soll ein Initiativen-Haus werden

von Carlo Eggeling am 01.05.2026


Verkaufen will Uli Schröder das Café Klatsch seit Jahren. Seit Monaten wissen einige, dass er mit Initiativen verhandelt, die zuvor im Böll-Haus an der Katzenstraße zu Hause waren. Mitte der Woche soll man sich handelseinig geworden sein, der Vertrag sei unterschrieben worden. Das bestätigt Uli Schröder auf Nachfrage. Mehr wollte er am Freitag nicht sagen. Der langjährige Wirt soll den Käufern beim Preis sehr entgegengekommen sein, das mag auch daran liegen, dass er vom Anliegen der Gruppe überzeugt ist.

Die verteilte bei der Mai-Demo der Gewerkschaften Flugblätter, die legen den Schluss nahe, dass an der Finanzierung noch gearbeitet wird. Denn das Schreiben unter dem Titel Initiativenhaus Lüneburg fordert auf, dem Projekt Direktkredite zur Verfügung zu stellen. Das meint ein Privatdalehen, das laut dem Schreiben "jederzeit zurückgefordert werden kann". Der finanzielle Rahmen soll zwischen 1000 und 10000 Euro liegen.

Ohne Risiko wäre ein finanzielles Engagement nicht. Wörtlich heißt es: "Ein Direktkredit ist ein Nachrangdarlehen, das heißt im Falle einer Insolvenz werden zuerst die Kreditgebenden Banken bedient und erst danach die Direktkreditgebenden Personen. Die Insolvenz eines vielgenutzten Inititativen-hauses in der Lüneburger Innenstadt mag zwar sehr unwahrscheinlich sein, wir müssen aber dennoch darauf hinweisen, dass das Risiko, dass ein Direktkredit nicht zurückgezahlt werden kann, nicht ausgeschlossen werden kann."


Im Klatsch, das dann Initiativenhaus heißt, sollen sich Gruppen treffen können, die sich für "Menschenrechte, Klimagerechtigkeit, Umweltschutz, Kunst und Kultur einsetzen". An einem "solchen Ort" können sie "ihre Kräfte, Ressourchen und ihr Wissen bündeln, voneinander lernen und ansprechbar sein". Das klingt ähnlich wie im Böll-Haus. Das hatten die Gruppen verlassen müssen, nachdem der Trägerverein, wie berichtet, einen Rechtsstreit mit dem Eigentümer verloren hatte.

Das Café Klatsch Am Springintgut gehört seit Jahrzehnten zur Lüneburger Musikszene, eines der wenigen Lokale, in denen regelmäßig Livemusik zu hören ist. Der Laden ist wie aus der Zeit gefallen, wie eine Erinnerung an die 80er Jahre. Uli gewährt vielen eine Art Heimat, die nicht viel Geld haben und -- wenn man so will -- etwas unangepasster leben. Unter Gästen fragen sich einige, ob sie weiterhin so eine Heimat haben.

Eins dürfte klar sein, wenn es nun anders weitergehen soll, stehen sicher Instandsetzungen an, das Haus ist mehr als 100 Jahre alt. Augenscheinlich muss einiges repariert und den Herausforderungen wie Energieeffizienz und Dämmung -- auch gegen Lärm -- angepasst werden. Brandschutz, der heute hohe Anforderungen stellt, wird mutmaßlich bei einem Bauantrag eine Rolle spielen.

Auf dem Flugblatt findet sich als Mitverantwortlicher des Kaufs die EiL Gmbh, das steht für Engagiert in Lüneburg. Unter Firmenauskunft findet sich dazu im Internet mit Verweis auf das Handelregister diese Beschreibung: "Erwerb von Haus und Grundstück oder Erbbaurechten zur sozialgebundenen Vermietung und Verwaltung in Selbstorganisation, die Beteiligung an Unternehmen mit ähnlicher Zielsetzung." Es gebe sechs Geschäftsführer, der Firmensitz liegt am Meisterweg 100, dort wiederum ist das Wohnprojekt Fluse beheimatet. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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