Der schnelle Griff zum Messer — Land handelt
von Carlo Eggeling am 27.01.2026Immer wieder Messer. Vor rund zwei Wochen kam es am Herzogenplatz in Uelzen zu einem tödlichen Streit, einer der Kontrahenten soll ein Messer gezogen haben -- ein 30-Jähriger erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen. Am Wochenende gerieten an einem Imbiss am Blümchensaal in Lüneburg mehrere Männer aneinander, die Polizei vermutet als Ursache einen Streit um Geschäftliches. Ein 43- und ein 25-Jähriger erlitten Stiche in Arm und Oberkörper, Vorwurf: ein versuchtes Tötungsdelikt. Allerdings, so heißt es von der Pressestelle Auf der Hude: "Auch Notwehr kann möglich sein. Die Kollegen ermitteln." Häufig taucht bei Mitteilungen der Polizei zu Gewaltdelikten ein Messer auf.
In 2024 verzeichnet die Kriminalstatistik in der Polizeiinspektion mit ihren drei Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg 110 Taten, bei denen ein Messer eine Rolle spielte, davon 71 im Kreis Lüneburg. In fünf Fällen gingen die Ermittler von versuchten Tötungsdelikten aus. Nicht jedes Mal wurde zugestochen, bei einem Teil der Straftaten blieb es bei einer Bedrohung.
Wie ernst Behörden und Politik dieses Thema nehmen, zeigt sich daran, dass in Bahnhöfen und bestimmten städtischen Bereichen im Norden Messerverbotszonen erlassen werden. Niedersachsen will nun Messer und andere Waffen im öffentlichen Nahverkehr verbieten, also in allen Bussen und Bahnen. Innenministerin Daniela Behrens hat erklärt, dass die Verordnung im Februar inkraft treten soll.
Die Polizei begrüße die neue Reglung, sagt Lüneburgs Polizeisprecher Kai Richter, man könne schneller und einfacher tätig werden. Das ergibt sich aus den Vorgaben, denn die Beamten dürfen ohne Anlass Personen und deren Taschen kontrollieren. Finden sie etwas, können sie diese Gegenstände sicherstellen. Zudem kann es bei Verstößen teuer werden, Bußgelder bis in Höhe von 10 000 Euro sind möglich.
Es ist nicht nur ein Eindruck, dass Gewalttaten zunehmen, bei denen Stichwaffen zum Einsatz kommen. Im "Spiegel" wurde neulich von einer Untersuchung der Klinik für Traumatologie des Universitätsspitals Zürich berichtet: "In zehn Jahren wurden demnach 3325 Stichverletzungen im Zusammenhang mit Gewalttaten gezählt. Die Zahl der Schwerverletzten nach solchen Angriffen ist kontinuierlich gestiegen: von ungefähr 250 im Jahr 2019 auf rund 375 im Jahr 2023."
Und weiter: "Der Auswertung zufolge waren 86 Prozent der Opfer Männer und im Durchschnitt 31,3 Jahre alt. Nach der Einlieferung mussten rund 70 Prozent von ihnen als Notfall behandelt werden. 8 Prozent der Betroffenen waren so schwer verletzt, dass sie an ihren Stichverletzungen im Krankenhaus starben."
Ähnliche Erfahrungen machte das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit seinen Kliniken in Kiel und Lübeck. Dort wertete man Tausende Arztbriefe aus unter dem Stichwort Messerverletzungen. Ergebnis: Zwischen 2020 und 2023 behandelten die Notaufnahmen im Durchschnitt 31 Patienten pro Jahr, 2024waren es 52 Fälle. Der Trend habe auch 2025 angehalten.
Im Norden reagiert der Leiter der Kieler Notfallambulanz, Domagoj Schunk, darauf. In einem NDR-Beitrag sagt er zu Verletzungen mit Messern: "Sie sind oft nicht sofort erkennbar, können an verschiedenen Stellen auch unsichtbar sein beziehungsweise man muss genau hinschauen. Stichverletzungen können aber trotzdem ein Organ im Hintergrund schwer verletzen. Wir müssen unser Team da entsprechend schulen, zum Beispiel was es bei der Versorgung zu beachten gibt, neue Behandlungsmethoden, und wir müssen auch das Equipment vorhalten."
Wie ist die Lage in Lüneburg? Nachfrage im Klinikum. Trotz der Zahlen der Polizei offenbar nicht so bedrohlich wie in Kiel und Lübeck. Sprecherin Angela Wilhelm sagt: "In der Notaufnahme des Klinikums Lüneburg in den vergangenen Jahren in zwei Fällen Personen wegen selbstzugefügter Stichverletzungen in Zusammenhang mit Suizidversuchen behandelt, eine weitere Person mit einer Messerstichwunde im Bereich des Unterbauchs und eine Person mit tiefen Schnittwunden am Hals durch Glasscherben. In beiden Fällen entstanden die Verletzungen infolge körperlicher Auseinandersetzungen. Eine wie für das UKSH beschriebene Häufung von Patienten mit schweren Messerverletzungen lässt sich am Klinikum Lüneburg bisher nicht beobachten. Insofern gibt es auch keine spezifischen Schulungen zur Behandlung solcher Verletzungen."
Gleichwohl zeigen die beiden Auseinandersetzungen in Uelzen und am Blümchensaal, ein Messer kann im Wortsinne schnell zur Hand sein -- mit massiven Folgen. Carlo Eggeling
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