Die Stadt und der Müll
von Carlo Eggeling am 02.04.2026Die Aufregung ist groß, Verantwortliche schnell aus gemacht. Stadt und Müllentsorgungsgesellschaft GfA. Vor ein paar Tagen lagen Klamotten am Containerplatz Teufelsküche in Oedeme. Kurz: Die machen zwar den Dreck weg, verantwortlich sind die, die ihren Kram dort hinwerfen.
Das Schreiben einer Leserin an LA: „Zwischen den Containern am Einkaufszentrum Teufelsküche türmen sich die Altkleiderberge in den Gängen derart, dass man dort hindurch balancieren muss, um Flaschen zu entsorgen. Wer ist hier der Ansprechpartner, um den Zustand zu beseitigen? Gibt es ggf. eine Gesetzeslücke zur Entsorgung nicht wieder verwertbarer Kleidung, Decken, Kissen usw.? Restmüll kann hier nicht die Lösung sein. In dem gezeigten Fall wurden schon viele Restmülltonnen nur mit Kleidung gefüllt. Und die vielleicht wichtigste Frage: Wer wirft eigentlich seine Altkleider zwischen die Glascontainer? Es müssen viele gewesen sein...“
Eine Nachfrage bei Stadt und Gesellschaft für Abfallwirtschaft. Die reagieren sofort, im Nu ist aufgeräumt.
Anlass für die Geschichte zur Geschichte. Termin bei GfA-Vorstand Oliver Schmitz und Katja Richter, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit. Eine Lehrstunde. Eine Gesetzesänderung brachte die Altkleidersammlung Anfang 2025 zur kommunalen Gesellschaft. Das ging einher mit einem zusammenbrechenden Markt für ausgediente Hosen, Jacken und Mäntel. Private Anbieter und karitative Organisationen zogen sich zurück.
Schmitz nennt zwei wesentliche Gründe für die neue Situation. Zum einen sei der Markt in Afrika für abgelegte Garderobe weitgehend in sich zusammengefallen. Chinesische Firmen liefern billige Kleidung auf den Kontinent. Auch der zweite Grund hat mit China zu tun: Deutsche Verbraucher ordern im Internet Tops, Blusen und andere Fummel, die sie manchmal nur ein-, zwei-, dreimal tragen. "Die sind so billig, dass Kunden sich das leisten." Container statt Kleiderschrank. Selbst die Waschmaschine lohnt nicht.
Die Qualität ist angesichts des Preises so schlecht, nämlich überwiegend aus Kunstfasern, dass eine Weiterverwertung sich nicht lohnt beziehungsweise kaum möglich ist. "Die Mengen steigen, das Material wird schlechter. Tonne." Fachleute nennen diese Spielart des Konsums Fast-Fashion. Schnelle Mode. "Die EU spricht von Textilabfällen", sagt Schmitz. "Faserbasiertes Recycling gibt es nicht." Die berühmte Socke mit dem Loch kann nicht weiter aufgedröselt werden, nicht mal für Putzlappen.
Acht verschiedene Organisationen seien im Landkreis unterwegs gewesen bis zur Umstellung. Für die lohne es sich nicht mehr, auch weil die Kosten für Sammeln und Entsorgung steigen.
Von den rund 200 000 Tonnen Abfall, die pro Jahr in der Region zusammenkommen, machen Altkleider ein Prozent aus.
Die GfA sammelt an Standorten in der Stadt und in Gemeinden im Umland, alles in allem seien etwa 200 Boxen aufgestellt. Die GfA arbeitet mit einem Partner aus Himmelpforten zusammen. Der sortiert aus, was eventuell noch Abnehmer findet. Jeans, Schuhe, Kinderkleidung. Der Rest? Landet in der Verbrennung.
Kein Einzelschicksal. So fleißig Bürger Müll in Gelben Säcken und Co sammeln, vieles ist kaum wieder zu verwenden. Material sei nicht rein, erklären die GfA-Fachleute. Lebensmittel packt der Verbraucher in beschichteten Behältnissen in den Einkaufkorb wie etwa Tetrapaks. Doch Beschichtung und Pappe zu trennen, sei aufwendig bis kaum umsetzbar. Gut funktioniere das Sammeln von Glas, Papier und Weißblechdosen. Reine Materialien.
Zurück zum Anfang. Der verdreckte Platz an der Teufelsküche. Satanisch geht es auch anderswo zu. Die GfA lässt Stellplätze, je nach Auslastung und Standort, ein- bis dreimal die Woche reinigen. Der Teufel steckt im Bürger, schichtenübergreifend. Aus Kontrollen wissen die Müll-Leute, dass Herkunft keine Rolle spielt: Wer was loswerden will, legt es an Sammelplätzen ab. Auf dem Land dienen Landschaft oder Wald als Deponie -- mal raus und abladen.
"Auch was beim Sperrmüll nicht mitgenommen wird, bleibt liegen", sagt Katja Richter. "Ein massives gesellschaftliches Problem." Die Mitarbeiter stehen beispielsweise vor Kanistern mit Altöl. Oder eben neben Haufen ausrangierter Klamotten, ab und an noch durchgekramt, von Müllpiraten, die vermeintlich Brauchbares als Beute mitnehmen.
Vergesellschaftet werden die Kosten. Die fließen in die allgemeinen Müllgebühren ein. Da weht es denn fiskalisch betrachtet schweflig aus des Teufels Küche. Die so billigen Klamotten aus dem Netz zahlen am Ende alle ein wenig mit.
Oliver Schmitz, Katja Richter und ihre Kollegen haben zu tun. Ein dreckiges Geschäft. Carlo Eggeling
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_Mai23.jpg)
_wernieNovember2.jpg)
_ubiMaster1.jpg)