Lüneburg, am Freitag den 20.03.2026

Ein Handicap, das Marco Mätz nicht aufhält

von Carlo Eggeling am 02.02.2026


Marco Mätz kann nicht lesen und schreiben, ein Hindernis, klar. Aber er kann damit leben -- und es
überwinden. Der 36-Jährige gehört zu den Beschäftigten der Lebenshilfe und ist ein Beispiel, dass 
sich Menschen mit Behinderungen eben nicht behindern lassen müssen. Bei seinen Kollegen und 
Freunden ist der schlaksige Mann gefragt, wenn es um Technik geht. "Wenn sie nicht wissen, wie sie
mit ihrem Tablett, Computer oder Handy umgehen sollen, helfe ich", sagt er. Sein Wissen und Können 
kann auch bei Fernbedienungen für einen Fernseher ungemein hilfreich sein. "Ich gucke drauf, für
mich steht die Anleitung sozusagen darauf."


Mätz erklärt es so: "Ich habe ein Bildergedächtnis, ich gucke mir eine Anleitung an und setze sie auf
das Gerät um." Es ist allerdings ein bisschen komplizierter. Denn an Schrift kommt er als
"Analphabet", so beschreibt er sich selber, nicht vorbei. Da hilft ihm Technik. "Ich lasse einen Text
vom Google-Translater einscannen und vorlesen." Eine Bedienungsanleitung macht er so zum
Kinderspiel für sich selber.


Das Verfahren funktioniert auch andersherum: Wenn er seinen Kollegen etwas Schriftliches geben
will, lässt er seine Sätze durch die Technik aufschreiben: "Ich habe Flyer verteilt." Damit es am Ende
richtig und verständlich ist, "lasse ich es vorher durch meinen Betreuer kontrollieren". Klar, dass er
schon Betreuern bei technischen Fragen geholfen hat. Solche Erlebnisse waren seine Motivation: "Ich
habe gedacht, wenn die das auch nicht können, mache ich ein Ehrenamt daraus."


Für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich für andere zu engagieren: "Wenn ich anderen helfe, helfen
die mir auch, wenn ich Hilfe brauche." Damit hat er kurz und knapp das Prinzip der
Solidargemeinschaft erklärt. Mätz setzt sich im Werkstattrat der Lebenshilfe für die Interessen der Werkstatt-Beschäftigtenein, macht bei der "Busaufsicht" mit -- unterstützen, wenn viele zur Arbeit
kommen oder zum Feierabend mit zig Bussen nach Hause gefahren werden.


Für andere da zu sein, das kennt der Mann aus dem Handwerker-Team der Lebenshilfe aus seiner
Familie: "Meine Cousins und Cousinen sind bei der Feuerwehr, zwei bei der Polizei." Bei den
Brandbekämpfern begann auch seine Karriere: "Ich bin mit zehn zur Jugendfeuerwehr in Hitzacker 
gegangen." Er schaffte es trotz seiner Einschränkungen bis in die aktive Wehr, dafür musste er die
Grundausbildung absolvieren.

Als er mit 26 Jahren nach Lüneburg umzog, wollte er auch zur
Blaulicht-Fraktion: "Die Feuerwehr hat das abgelehnt, aus Sicherheitsgründen, haben sie mir gesagt."
Daran knackt er, schließlich habe er in seinem Heimatort löschen dürfen.


So hat er sich andere ehrenamtliche Aufgaben gesucht. Neben der Technik haben es ihm Spiele wie
uno, skip-bo und phase 10 angetan. In Wohngruppen organisiert er alle zwei Wochen Treffen zum
"Zocken", er kennt Regeln und Kniffe. Das mache allen eine Menge Spaß -- auch ihm.


Die Aufzählung ist zu Ende? Nö, da ist noch etwas. Er lächelt stolz: "Ich habe einen You tube-Kanal."
Es geht um eine Lkw-Simulation, kurz: Marco sitzt als Kapitän der Landstraße hinterm Lenkrad und
steuert einen Truck von Hamburg nach Düsseldorf, Duisburg, Dingolfing über Autobahnen,
Nebenstrecken, mit Pausen und Stationen: "Ich habe 13 Follower." Immerhin. Ausbaufähig. Da bleibt
Marco Mätz optimistisch.


Die Lebenshilfe sagt einmal im Jahr mit einem großen Ehrenamts-Frühstück „Danke“ bei allen, die
sich engagieren. Findet Mätz gut, er war schon dabei. Sich für andere einzusetzen und ein Danke zu
hören, sei eine große Belohnung. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook