Ein Handicap, das Marco Mätz nicht aufhält
von Carlo Eggeling am 02.02.2026Marco Mätz kann nicht lesen und schreiben, ein Hindernis, klar. Aber er kann damit leben -- und es überwinden. Der 36-Jährige gehört zu den Beschäftigten der Lebenshilfe und ist ein Beispiel, dass sich Menschen mit Behinderung eben nicht behindern lassen müssen. Bei seinen Kollegen und Freunden ist der schlaksige Mann gefragt, wenn es um Technik geht. "Wenn sie nicht wissen, wie sie mit ihrem Tablett, Computer oder Handy umgehen sollen, helfe ich", sagt er. Sein Wissen und Können kann auch bei Fernbedienungen für einen Fernseher ungemein hilfreich sein. "Ich gucke drauf, für mich steht die Anleitung sozusagen darauf."
Mätz erklärt es so: "Ich habe ein Bildergedächtnis, ich gucke mir eine Anleitung an und setze sie auf das Gerät um." Es ist allerdings ein bisschen komplizierter. Denn an Schrift kommt er als "Analphabet", so beschreibt er sich selber, nicht vorbei. Da hilft ihm Technik. "Ich lasse einen Text vom Google-Translater einscannen und vorlesen." Eine Bedienungsanleitung macht er so zum Kinderspiel für sich selber.
Das Verfahren funktioniert auch andersherum: Wenn er seinen Kollegen etwas Schriftliches geben will, lässt er seine Sätze durch die Technik aufschreiben: "Ich habe Flyer verteilt." Damit es am Ende richtig und verständlich ist, "lasse ich es vorher durch meinen Betreuer kontrollieren". Klar, dass er schon Betreuern bei technischen Fragen geholfen hat. Solche Erlebnisse waren seine Motivation: "Ich habe gedacht, wenn die das auch nicht können, mache ich ein Ehrenamt daraus."
Für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich für andere zu engagieren: "Wenn ich anderen helfe, helfen die mir auch, wenn ich Hilfe brauche." Damit hat er kurz und knapp das Prinzip der Solidargemeinschaft erklärt. Mätz setzt sich im Werkstattrat der Lebenshilfe für die Interessen der Betreuten ein, ist dort Ehrenamtskoordinator, macht bei der "Busaufsicht" mit -- unterstützen, wenn viele zur Arbeit kommen oder zum Feierabend mit zig Bussen nach Hause gefahren werden.
Für andere da zu sein, das kennt der Mann aus dem Handwerker-Team der Lebenshilfe aus seiner Familie: "Meine Cousins und Cousinen sind bei der Feuerwehr, zwei bei der Polizei." Bei den Brandbekämpfern begann auch seine Karriere: "Ich bin mit zehn zur Jugendfeuerwehr in Hitzacker gegangen." Er schaffte es trotz seiner Einschränkungen bis in die aktive Wehr, dafür musste er die Grundausbildung absolvieren. Auch bei THW und dem Roten Kreuz hat er mitgemacht.
Als er mit 26 Jahren nach Lüneburg umzog, wollte er auch zur Blaulicht-Fraktion: "Die Feuerwehr hat das abgelehnt, aus Sicherheitsgründen, haben sie mir gesagt." Daran knackt er, schließlich habe er in seinem Heimatort löschen dürfen.
So hat er sich andere ehrenamtliche Aufgaben gesucht. Neben der Technik haben es ihm Spiele wie uno, skip-bo und phase 10 angetan. In Wohngruppen organisiert er alle zwei Wochen Treffen zum "Zocken", er kennt Regeln und Kniffe. Das mache allen eine Menge Spaß -- auch ihm.
Die Aufzählung ist zu Ende? Nö, da ist noch etwas. Er lächelt stolz: "Ich habe einen You tube-Kanal." Es geht um eine Lkw-Simulation, kurz: Marco sitzt als Kapitän der Landstraße hinterm Lenkrad und steuert einen Truck von Hamburg nach Düsseldorf, Duisburg, Dingolfing über Autobahnen, Nebenstrecken, mit Pausen und Stationen: "Ich habe 13 Follower." Immerhin. Ausbaufähig. Da bleibt Marco Mätz optimistisch.
Die Lebenshilfe sagt einmal im Jahr Danke bei allen, die sich engagieren. Findet Mätz gut, aber das Ganze hat einen Haken: "Das Ehrenamtsfrühstück ist samstags. Da komme ich mit dem Bus aus Kaltenmoor nicht zum Vrestorfer weg, würde ewig dauern." Schade, sagt Mätz. Egal, sich für andere einzusetzen und ein Danke zu hören, sei ein große Belohnung. Carlo Eggeling
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_wernieNovember2.jpg)
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_Mai23.jpg)
_ubiMaster1.jpg)