Lüneburg, am Mittwoch den 13.05.2026

Eis schlecken bis 2028

von Carlo Eggeling am 13.05.2026


Bis 2028 kann Lüneburg noch Eis schlecken auf dem Schrangenplatz. Bis dahin hat die Stadt den Pachtvertrag mit dem Eiscafé verlängert. Das bestätigen beide Seiten. Danach könnte es sein, dass statt Spaghetti-Eis und Amarena-Becher ein Spielplatz die Attraktion des kleinen Idylls wird. Nachdem sich Politik und vor allem die Verwaltung dem Konzept sogenannter konsumfreier Orte verschrieben haben, durfte ein Bürgerrat mit dreißig Beteiligten in sechs Sitzungen grübeln, träumen und aufschreiben, wo und wie es in der Stadt vermeintlich lebenswerter werden könnte. Im Februar lag das Ergebnis vor.

Mehrmals geht es in dem Konzept darum, die Stadt mehr zum Spielplatz zu machen. Am Museum soll der Wandrahmpark in Kooperation mit der Historiensammlung zum Toben einladen, an der Neuen Sülze könnte es am Haus der Jugend eine "Aktionsfläche" geben. Spielekisten an diversen Orten wären ebenfalls fein.

Nun gewinnt man als Flaneur nicht den Eindruck, dass der Schrangenplatz gemieden wird – im Gegenteil. Die Straßencafés füllen sich je nach Wetterlage. Mädchen und Jungen wehren sich nicht gegen eine Kugel Schoko oder Vanille. Wer Möhrchen, Stulle mit selbstgekochter Marmelade und die Thermoskanne Kaffee mit Hafermilch mitbringen möchte, findet auf öffentlichen Bänken mühelos einen Platz -- es sei denn, es herrscht Überfüllung all überall.

Der Pächter des Pavillons würde gern langfristig weitermachen. Er sagt, die Stadt habe im zugesichert, dass er bis 2028 bleiben könne -- erst einmal. Doch es bleibe vage: "Wir möchten eigentlich die Sonnenschirme neu bespannen, doch natürlich überlegen wir, ob wir für zwei Jahre noch viel Geld investieren." Es gehe um mehrere tausend Euro.

Doch was will man im Rathaus eigentlich? Die Antwort liefert Sprecher Stefan Ahrens: "Der Bürgerrat hat die Einrichtung eines Spiel- und Begegnungsplatzes empfohlen – mit Entsiegelung, Begrünung, Sitzgelegenheiten und kleineren Spielgeräten. Die Verwaltung begrüßt diese Anregungen ausdrücklich. Neben dem Ziel, konsumfreie Aufenthaltsbereiche in der Innenstadt zu stärken und die Aufenthaltsqualität nachhaltig zu verbessern, wurden die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung auch als wichtige Bestätigung der bisherigen planerischen Überlegungen zur möglichen Umgestaltung des Schrangenplatzes aufgenommen."

Doch ob es überhaupt so kommt, bleibt offen. Es geht ums Geld. Die Antwort aus dem Rathaus klingt daher nach dem Prinzip Hoffnung: "Voraussetzung für die weitere Planung und Umsetzung ist zunächst die Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel. Hierfür sollen unter anderem Fördermittel aus dem Programm „Zukunftsfähige Innenstädte & Zentren“ eingeworben werden. Zudem wird die Verwaltung entsprechende Mittelanmeldungen in die kommenden Haushaltsberatungen einbringen. Wenn die Mittel bereitgestellt sind, können die weiteren Planungsprozesse beginnen. Über die konkrete Gestaltung sowie die endgültige Finanzierung entscheidet der Rat der Hansestadt Lüneburg im Rahmen der politischen Beratungen und Haushaltsbeschlüsse. Aufgrund der erforderlichen Planungs- und Entscheidungsprozesse und der Finanzierung handelt es sich dabei um einen mehrjährigen Entwicklungsprozess."

Das heißt übersetzt, nach den Kommunalwahlen im Herbst könnte der nächste Rat das Projekt kippen, bleiben die Fördermittel aus, fehlt es weiterhin an Geld, und "mehrjähriger Entwicklungsprozess" hört sich eher danach an, dass es nach 2028 nicht sofort losgehen dürfte.

Wenn der Pavillon weichen soll, zahlt dafür nicht die Stadt. Sprecher Ahrens antwortet nach Rücksprache mit der entsprechenden Abteilung: "Im Pachtvertrag ist geregelt, dass der Pavillon nach Ende der Pachtzeit zurückzubauen ist, damit dann die Umgestaltung beginnen kann. Der Pavillon selbst befindet sich in Privatbesitz. Hier können wir nichts zu einem etwaigen Eigentümerwechsel oder Vertragsinhalten sagen."

Beim Lokaltermin zeigt sich übrigens, dass die Bänke schon jetzt sehr öffentlich genutzt werden, die Lufthoheit liegt bei Tauben, welche die Innenstadt als konsumseligen Ort besetzt halten -- sie lassen fallen, was sie verdaut haben. Der Betreiber des Eis-Häuschens sagt, seine Mitarbeiter machten die öffentlichen Flächen im Sinne der Allgemeinheit regelmäßig sauber -- aus Verantwortung. De Stadt hingegen erklärt: "Die Bänke werden regelmäßig von der AGL gereinigt. Dabei lässt sich nicht verhindern, dass Tauben oder andere Vögel manchmal schneller sind."

Das Konzept des Bürgerrats, der mehr oder weniger zufällig für bestimmte Projekte zusammengestellt wird, scheint zum zweiten Mal an der Realität zu scheitern. Zunächst hatte so ein Rat ein Konzept für die Nutzung des Glockenhauses entwickelt, obwohl seit zwei Jahrzehnten bekannt ist, dass das Gebälk mit Schadstoffen belastet ist. In einem Papier der Stadt zu Nutzung heißt es, in den Räumen möge man sich nur wenige Stunden aufhalten und das nur einmal im Monat, Schwangere sollten am besten gar in das fünf Jahrhunderte alte Gemäuer kommen.

Auch dort wurde ein Ideenpapier entwickelt, von dem nach zwei Jahren nicht so wirklich was zu hören ist. Wie soll es auch gehen, wenn sich die Nutzungsanweisung anhört wie, konsumfrei ist eine Runde Halma möglich, Schach könnte zeitlich schwierig werden? Ob nach Runde 2 der Bürgerbeteiligung mehr machbar ist, wirkt zweifelhaft.

Wenn nun ein neuer Bürgerrat geplant wird, stellt sich die Frage, was kann der eigentlich bewegen? Und angesichts eines Haushalts, der mit Millionendefiziten zu kämpfen hat, könnte man sich zudem die Frage stellen, wofür Stellen für diese Art von Bürgerbeteiligung im Rathaus geschaffen wurden. Aber vielleicht liegt ja hier das Thema für den nächsten Bürgerrat. Carlo Eggeling

Die Fotos zeigen den Schrangenplatz und als Beispiel eines konsumfreien Orts mit Spielgerät aus Landau in der Pfalz. Dort spielen augenscheinlich eher selten Kinder.

© Fotos: ca


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