Erniedrigt auf der Schul-Freizeit
von Carlo Eggeling am 14.05.2026Was Florian* Ende Februar auf einer Ski-Freizeit passierte, lässt ihn nicht los. Er schafft es nicht mehr, zu seiner Schule im Landkreis zu gehen, in der er seine mutmaßlichen Peiniger treffen würde. Eine stationäre Therapie in der Psychiatrischen Klinik lehnt er ab, er wird zu Hause psychologisch betreut.
Der 14-Jährige schilderte seiner Mutter, was auf der Schul-Fahrt geschah: In einer Nacht seien zwei oder drei andere Schüler in das Zimmer eingedrungen, das er sich mit einem Klassenkameraden teilte. Die Jugendlichen hätten auf Florian onaniert und ihn mit Urin übergossen. Am zweiten Tag seien dieselben Jugendlichen Florian auf die Toilette gefolgt. Beide Male hätten die Eindringlinge die Taten gefilmt, sie sollen später Videosequenzen unter anderem auf dem Schulhof gezeigt haben. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen entsprechende Ermittlungsverfahren.
Für die Anklagebehörde antwortet Konstantin Paus: "Die Staatsanwaltschaft Lüneburg führt ein Ermittlungsverfahren gegen einen 16-jährigen und einen 15-jährigen Schüler einer Schule aus dem Landkreis Lüneburg. Inhalt des Ermittlungsverfahrens sind Vorkommnisse auf einer Schulveranstaltung im europäischen Ausland. Das Ermittlungsverfahren richtet sich derzeit gegen keine weiteren Personen. Zu weiteren Inhalten des Ermittlungsverfahrens können derzeit keine Auskünfte erteilt werden, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden."
Aus Polizeikreisen heißt es, rechtlich gehe es unter anderem um exhibitionistische Handlungen, Nötigung und Sachbeschädigung, weil die Beschuldigten in das gewaltsam in das Zimmer eingedrungen sein sollen.
Es dauerte, bis Florian seiner Mutter von dem Vorfall erzählen konnte. Die versuchte, mit dem Schulleiter ein Gespräch zu führen: "Der sagte, er habe jetzt keine Zeit." Das setzte sich fort, es habe Wochen gedauert, bis der Rektor sich gemeldet habe. Es gab eine Nachricht auf der Mailbox. Die Mutter will gehört haben, der Pädagoge schildere es anders, er will zwischenzeitlich mehrfach bei ihr angerufen haben: "Ich habe aber weder auf unserem Telefon noch auf dem Handy seine Nummer gehabt." Der Schulleiter wollte auf Anfrage von Lüneburg aktuell keine Stellung nehmen und verwies an die Landesschulbehörde.
Dort sagt Sprecherin Bianca Trogisch: "Wir können bestätigen, dass an einer Schule im Landkreis Lüneburg die von Ihnen geschilderten Vorwürfe bekannt sind. Die Schule selbst hatte hier empfohlen, die Polizei einzuschalten, um die Vorwürfe unabhängig prüfen zu lassen. Bisher konnte die Schule in Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften die Existenz solcher Videos oder Bilder nicht bestätigen. Selbstverständlich nimmt die Schule die Vorwürfe weiterhin sehr ernst, ist im Gespräch mit den Betroffenen und um Aufklärung bemüht. Für mögliche Konsequenzen, im Sinne von im Schulgesetz vorgesehenen Erziehungs- oder Ordnungsmaßnahmen müssen zunächst die polizeilichen Ermittlungen abgewartet werden."
Die Mutter fragt sich, warum die mutmaßlichen Täter ihres Wissens nach keine Konsequenzen zu spüren bekommen, also vom Unterricht ausgeschlossen werden, aber Florian zu Hause bleiben solle. Ihr Sohn sei von anderen bedroht worden und habe Angst.
Sie sei von sich aus zur Polizei gegangen, sagt die Mutter. Erst auf dem Dorf, dann zur Kripo in Lüneburg. Die Beamten seien sehr verständnisvoll gewesen. Doch angeblich seien die Handys der Tatverdächtigen nicht beschlagnahmt und ausgewertet worden. Aus Polizeikreisen wiederum war zu erfahren, es habe "strafprozesszuale Maßnahmen" gegeben, dazu zählen gemeinhin Durchsuchungen.
Wie es weitergeht, bleibt offen. Carlo Eggeling
*Der Name wurde geändert. Alle Beteiligten sind minderjährig, daher gilt ein besonderer Schutz. Die Behörden äußern sich zurückhaltend, Lüneburg aktuell nennt den Namen der Schule nicht.
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_wernieNovember2.jpg)
_Mai23.jpg)
_ubiMaster1.jpg)