Erst sparen, dann belasten
von Winfried Machel am 14.01.2026Kolumne von Winfried Machel
Der Staat ist auf Steuereinnahmen angewiesen. Unstrittig ist aber auch: Entscheidend ist, wie verantwortungsvoll mit dem vorhandenen Geld umgegangen wird. Genau daran wächst die Kritik – auch auf kommunaler Ebene.
Wenn Geld fehlt, folgt oft ein bekanntes Muster: Statt Ausgaben zu hinterfragen oder Strukturen zu vereinfachen, werden neue Einnahmen diskutiert. Reformen sind unbequem, Steuern bequem. Dieses Denken prägt bundespolitische Debatten und reicht bis in die Kommunen hinein.
Die Diskussion über eine Neuordnung der Erbschaftsteuer fällt daher nicht in einen luftleeren Raum. Viele Bürger fragen sich, ob intern mit derselben Konsequenz reformiert wird, mit der extern neue Belastungen ins Spiel gebracht werden.
Auch in Lüneburg ist die Verwaltung in den vergangenen Jahren gewachsen. Neue Stellen und Organisationseinheiten sind entstanden. Was jedoch kaum sichtbar ist, ist eine systematische Prüfung, ob Abläufe vereinfacht, Zuständigkeiten gebündelt oder Strukturen verschlankt werden können.
Wachsende Aufgaben rechtfertigen nicht automatisch wachsende Verwaltungen. Entscheidend ist, ob Prozesse effizienter werden. Viele Bürger nehmen jedoch wahr, dass Abläufe weder schneller noch übersichtlicher geworden sind.
Jeder Bürger kennt diese Realität: Reicht das Einkommen nicht aus, wird gespart. Beim Staat scheint diese Logik außer Kraft gesetzt. Statt Prioritäten zu setzen, wird nach neuen Einnahmen gesucht. Diese Asymmetrie untergräbt Vertrauen.
Verantwortungsvolle Finanzpolitik beginnt nicht bei neuen Steuern, sondern bei der eigenen Organisation. Erst prüfen, dann reformieren, erst zuletzt belasten. Vertrauen entsteht dort, wo der Staat bereit ist, sich selbst zu hinterfragen – andernfalls wächst vor allem die Distanz zwischen Verwaltung und Bürgern
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