Es ist nicht schlecht, aber es muss besser werden
von Carlo Eggeling am 23.03.2026Die Fakten liegen für Gitta Connemann auf dem Tisch, und die wären Gift für die Wirtschaft: Austritt aus der EU, Rückkehr zur D-Mark, steigende Sozialausgaben. Ein Blick ins Programm der AfD zeige schnell, eine Regierung mit den Thesen der Partei wäre "eine totale Katastrophe für ein Land, das von Außenwirtschaft lebt". Die Bilanz zog die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand und Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion am Freitagabend im Kunstsaal im Lünepark. Zwei Tage bevor die AfD bei der Wahl in Rheinland-Pfalz zwanzig Prozent der Wählerstimmen holte. Das „Gift“ aus dem Programm der Partei am rechten Rand erkennen eine Menge Wähler offensichtlich nicht.
Die CDU-Politikerin aus Ostfriesland kam auf Einladung der MIT Lüneburg an die Ilmenau. Bei Stint und Kartoffelsalat beschrieb die 61-Jährige, die gerade von einer Wirtschaftsreise mit dem Bundespräsidenten durch Mittelamerika zurückgekehrt war, wie angesehen mittelständische Unternehmen in der Welt seien, "der beste Werbeschlager für die deutsche Wirtschaft". Das Plus zwischen Ostsee und Alpen -- bei allen Schwächen -- seien Rechtssicherheit und gute soziale Sicherungssysteme, die gebe es anderswo eben nicht.
Vor den gut 80 Gästen aus der Wirtschaft war neben erwartbarem Lob für CDU und Regierung in Berlin Kritik gefragt. Frau Connemann: Deutschland verliere an Tempo, an Produktivität, auch wenn die Bundesrepublik die drittstärkste Volkswirtschaft auf dem Globus sei. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liege bei unter 35 Stunden mit abnehmender Tendenz. In anderen Ländern Europas gingen die Menschen mehr als 40 Stunden arbeiten. Ideen von Gewerkschaften Feiertage auszugleichen, die auf ein Wochenende fielen, erteilte Gitta Connemann eine Absage: Jeder Tag Produktionsausfall koste das Land 8,6 Milliarden Euro. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent komme auch daher, weil sich 0,2 Prozentpunkte aufgrund weniger freier Tagen in 2026 herleiten ließen.
Die konservative Politikerin räumte ein, dass sie den Begriff "Lifestyle-Teilzeit" nicht mehr verwenden würde. Dafür war sie heftig kritisiert worden: Mancher der Stunden reduziere, könne gar nicht anders, weil er Eltern pflege, Kinder versorge. Gleichwohl beharrte die Staatssekretärin auf Positionen: Reduziere eine Erzieherin in der Kita ihre Arbeitszeit um vier bis sechs Stunden -- wo gebe es Ersatz?
Noch einmal ein Statement gegen die AfD: Bei deren Funktionären sei der blanke Hass zu spüren auf Menschen anderer Hautfarbe. Wie absurd die Diskussion um Zuwanderung sei, zeige sich beispielsweise im Krankenhaus, wo der Betrieb ohne Zuwanderer gar nicht möglich wäre. Auch die Wirtschaft könne nicht verzichten: Fast ein Viertel der Unternehmensgründungen gingen auf Menschen zurück, die eingewandert seien.
Die Bundesvorsitzende der MIT füllte ihre Doppelrolle -- Stimme der CDU-nahen Wirtschaftsorganisation und Vertreterin der Regierung -- charmant aus. Frei gehaltener Vortrag, sie ging durch die Reihen, sprach die Gäste an. Griff Argumente auf. Gleichwohl klagten Chefs über unklare Rechtslage, Bürokratie, Fachkräftemangel, hohe Energie- und Spritpreise sowie zu schwierige Rahmenbedingungen etwa für die Bauwirtschaft.
Patrick Pietruck, nimmermüder Lüneburger MIT-Vorsitzender, CDU-Politiker mit Ambitionen und Chef von web-netz, schilderte, dass es zweieinhalb Jahre dauerte, bis alle Genehmigungen für den Neubau seines Unternehmens im Hanseviertel vorlagen. Es gebe "viele Dinge, die viel, viel, viel zu lange dauern". Und: Ohne starke Wirtschaft und Unternehmen gebe es keine starke Region. Von MIT-Kollege zu MIT-Kollegin war klar: "Es braucht mehr Tempo."
Einer saß im Publikum, der von Herbst in der Verwaltung an mehr Gas geben könnte: CDU-Landratskandidat Steffen Gärtner. Zumindest den Worten nach scheinen Christdemokraten die Ärmel hochkrempeln zu wollen. Stint und Kartoffelsalat, die Tobias Finnern und seine Crew auftrugen, waren eine Grundlage. Auch wenn's von den Linken stammt: Ohne Mampf kein Kampf. Carlo Eggeling
Fotos:
Gitta Connemann
Landtagsabgeordnete Anna Bauseneick, Landratskandidat Steffen Gärtner, Gitta Connemann, Patrick Pietruck
Stint mundete den Gästen
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