Lüneburg, am Dienstag den 10.02.2026

Es kracht im Dahlenburger Rathaus

von Carlo Eggeling am 10.02.2026


Es muss ziemlich brennen unterm Dach des Dahlenburger Rathauses, der Personalrat sah in seiner Auseinandersetzung mit Samtgemeindebürgermeisterin Uta Kraake offenbar keinen anderen Weg mehr, als einen Anwalt einzuschalten. Doch war das angemessen? Denn die Kosten für den Juristen sollte, so ist es rechtlich geregelt, die Samtgemeinde tragen. Darüber stritten sich beide Seiten am Montagvormittag vorm Verwaltungsgericht. Der Personalrat hatte die Forderung an seinen Anwalt, Jens-Uwe Thümer, abgetreten. Am Ende stand ein Vergleich.

Die Vorsitzende Richterin erklärte die Rechtslage. Generell sei der Personalrat von Kosten freizuhalten. Doch das sei kein Freifahrtschein. Im Sinne der kostengünstigen Haushaltsführung müssen Arbeitnehmervertreter zuvor alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Das bedeute Gespräche führen, sich selber kundig machen, andere Personalräte und Gewerkschaftenbefragen, welche Reaktionen angemessen seien.

Habe man gemacht, sagt die Personalratsvorsitzende. Da aus Sicht der befragten Kollegen Mitbestimmungsrechte eklatant missachtet worden seien, hätten die empfohlen: "Geht schnellstens zum Anwalt." Insgesamt setzte Thümer vier Briefe auf und stellte jeweils 572,21 Euro in Rechnung. Er erklärte, dahinter stecke mehr: jeweils vier, fünf Gespräche, diverse E-Mails und Erwiderungen, das Ganze sei angesichts des Aufwands "hoch defizitär".

Ob das nötig gewesen sei? Dr. Rudolf Kiesewetter als Vertreter der Dahlenburger Verwaltung hatte seine Zweifel. Der Personalrat habe, einfach gesagt, außerhalb seiner Kompetenzen gehandelt. Und: Durch Nachfragen, Einwände und Anträge sei "die Verwaltung mehr oder weniger lahmgelegt worden". Dabei zeigte er auf einen dicken Ordner mit Schriftwechsel, der vor ihm auf dem Tisch stand. So plätscherte es hin und her.

Doch worum ging es? Um Höhergruppierungen, also Beförderungen und mehr Geld, um die Besetzung einer neuen Stelle in einem Fachbereich, um Aufgaben, die die Verwaltungschefin der Personalratsvorsitzenden entzogen habe, sie war zuvor auch für Personalangelegenheiten zuständig. Der Personalrat sagte, wir wurden nicht gehört. Beförderungen wurden in mindestens zwei Fällen durchgezogen, davon habe man erst im Nachgang erfahren, trotz der angemeldeten Bedenken.

Bürgermeisterin Kraake erwiderte, sie habe dem Personalrat Gespräche angeboten, die der abgelehnt habe. Rechtsanwalt Thümer beschrieb, was er von den Arbeitnehmervertretern gehört habe: "Es wurde geschildert, man werde angebrüllt, ignoriert, Tränen flossen, Bedrohungen soll es gegeben haben: 'Wenn Ihr Euch beim nächsten Arbeitgeber bewerbt, werdet ihr schon sehen.'" Die beiden Personalrätinnenberichteten später, der Druck sei so groß, dass sie in der Vergangenheit längere Zeit krankgeschrieben worden seien.

Wie angespannt die Lage für beide Seiten sein dürfte, ergibt sich schon aus der Nähe: Die Personalratsvorsitzende sitzt im Vorzimmer der Bürgermeisterin. Der jetzige Personalrat bleibt nicht weiter im Amt, hieß es in der Verhandlung. Die Samtgemeinde habe von den einzelnen Gemeinden die Krippen übernommen und damit mehr Beschäftigte, was die Wahl einer neuen Arbeitnehmervertretung mit sich gebracht habe. Die "alten" Vertreterinnen traten nicht an.

Die Honorarfrage klärte sich schließlich durch einen Vergleich. Die Samtgemeinde trägt die Hälfte von Thümers Rechnungen, nämlich 1144,42 Euro. Der Anwalt sagte „genervt“, er wolle aus der Sache raus und ein Ende. Der Verzicht falle daher leicht.

Ob die Stimmung in der Dahlenburger Verwaltung sich auch so aufhellt wie das Wetter, bleibt offen. Als es vor die Tür des Gerichts ging, schien die Sonne. Immerhin. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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