Es trifft die Schwächsten — Demos in Lüneburg und Buchholz
von Carlo Eggeling am 03.05.2026
Allein die Lebenshilfe organisiert 160 Schulassistenzen, eine Begleitung für Kinder mit Handcaps. "Rund 100 Kinder haben wir noch auf der Warteliste, der Bedarf ist riesig", sagt Anna Cordes. Die Prokuristin der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg weiß, was die Betroffenen brauchen, "hat sich verändert, und Beeinträchtigung braucht Begleitung". Für die Kinder, aber auch für ihr Umfeld. Es ist nur ein Beispiel dafür, wen geplante Kürzungen unter anderem beim Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) treffen. Organisationen wie die Lebenshilfe fürchten, dass eben diese Gleichstellung in Gefahr ist. Sie machen in der Region mobil.
Am Dienstag, 5. Mai, rufen verschiedene Verbände von 12 bis 15 Uhr zu einer Protestveranstaltung im Lüneburger Clamartpark auf, am Mittwoch, 6. Mai, folgt von 10 bis 13 Uhr am Peets Hoff in Buchholz ein Aktionstag.
Die Lebenhilfe mit ihren rund 1000 Beschäftigten in den Kreisen Lüneburg und Harburg gehört zu den größten Anbietern sozialer Dienste. Sie betreibt Werkstätten, Eingliederungseinrichtungen, Kindergärten und Wohnheime. Über allem steht der Begriff Inklusion, also die gleichberechtigte Teilhabe. Menschen, die mit körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen leben brauchen Unterstützung. Dass sie die erhalten, ist durch das Grundgesetz und die weltweit durch die UN-Behindertenrechts-Konvention vorgegeben.
Durch die geplanten Einschnitte sehen Betroffene und ihre Vertetungen ein Menschenrecht verletzt. Lebenshilfe, Diakonie, Caritas, Paritätischer –- vereint sprechen sie für Hunderttausende. Mehr als 30.000 Menschen haben die Petition der Lebenshilfe binnen einer Woche unterschrieben.
Die Lebenshilfe nennt Zahlen und Konsequenzen:
+ Mehr als eine 1 Million Menschen in Deutschland erhalten Eingliederungshilfe. Diese Hilfe sichert Wohnen, Arbeit, Schulbesuch und ein selbstständiges Leben. Kürzungen hier bedeuten: Menschen verlieren ihre Selbstständigkeit.
+ 300.000 Menschen arbeiten in Werkstätten. Ihr Durchschnittsverdienst: weniger als zwei Euro pro Stunde, das liegt weiter unterhalb des Mindestlohns. Die Organisationen fordern eine Veränderung: "Davon kann niemand leben. Das muss sich ändern."
+ Bund, Länder und Kommunen planen massive Kürzungen bei Menschen mit Behinderungen, in der Pflege und bei der Schulassistenz. Das geplante Einsparziel beträgt mindestens 8,6 Milliarden Euro.
+ Es trifft Erwachsene, die dann beispielsweise schwieriger Teil des Arbeitslebens sein können.
Anna Cordes von der Geschäftsführung der Lebenshilfe, bezieht Stellung: "Wer Inklusion will, muss sie auch finanzieren . Absichtserklärungen reichen nicht, Sozialabbau widerspricht dem gesellschaftlichen Versprechen der Inklusion. Die Leistungskürzungen treffen die Schwächsten, jene, die auf Unterstützung angewiesen sind und sich am wenigsten wehren können."
Dafür bedürfe es qualifizierter Mitarbeiter, die entsprechend entlohnt werden. Komme es zu den massiven Einschnitten, werde es am Ende teurer: "Jetzt handeln, bevor Strukturen unwiederbringlich verloren gehen. Denn Einrichtungen und Dienste, die durch Unterfinanzierung wegbrechen, lassen sich nicht einfach wieder aufbauen. Investitionen in die Eingliederungshilfe sind Investitionen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt." Carlo Eggeling
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