Feuerwehr kritisiert Land Niedersachsen
von Feuerwehr am 08.03.2026Rund 120 Führungskräfte der Feuerwehren aus dem Landkreis Harburg sowie zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Blaulichtorganisationen kamen am Sonnabend zur Ortsbrandmeisterdienstversammlung der Kreisfeuerwehr in der Stadthalle Winsen zusammen. Kreisbrandmeister Jörn Petersen nutzte die Veranstaltung für einen Rückblick auf das vergangene Jahr, einen Ausblick auf kommende Herausforderungen und deutliche Worte in Richtung Landespolitik.
Zu den Gästen der Versammlung zählten unter anderem die Landtagsabgeordneten Nadja Weippert und Jan Bauer, Landrat Rainer Rempe, Winsens Bürgermeister André Wiese sowie Vertreter der Kreisfeuerwehren aus den Landkreisen Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Rotenburg (Wümme) und Stade. Auch hochrangige Vertreter von Polizei, THW, Deutschem Roten Kreuz, Johannitern und Bundeswehr nahmen an der Versammlung teil.
Unter dem Jahresmotto des Landesfeuerwehrverbandes „Feuerwehr – stark durch Zusammenhalt“ stellte Petersen die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb der Feuerwehren, aber auch mit Verwaltung, Politik und den anderen Hilfsorganisationen heraus. „Der Zusammenhalt ist heute wichtiger denn je“, betonte der Kreisbrandmeister. Das Fundament der Feuerwehren liege weiterhin in den Ortswehren. Ohne die Arbeit der Ortsbrandmeisterinnen und Ortsbrandmeister funktioniere das gesamte System nicht. Petersen dankte ihnen ausdrücklich für ihr Engagement.
Deutlich kritisch äußerte sich der Kreisbrandmeister zur Ausbildungssituation im Land Niedersachsen. Immer mehr Aufgaben würden vom Land an die Kommunen übertragen und damit vom Hauptamt in das Ehrenamt verlagert. „Hier ist eine Grenze deutlich überschritten“, sagte Petersen. Zwar funktioniere die Ausbildung im Landkreis dank der ehrenamtlichen Kreisausbilder hervorragend, doch wachse der Bedarf an Ausbildern stetig. „Wenn immer mehr Zeit für zusätzliche Ausbildung benötigt wird, fehlt sie irgendwann in den Ortswehren. Das gefährdet langfristig den Grundschutz“, warnte Petersen. Auch die geplanten verstärkten Online-Ausbildungsformate für Führungskräfte sieht er kritisch: „Wir brauchen Führungspersonal, das mit Menschen umgehen kann – und nicht nur virtuelle Lagen am Computer abarbeitet.“
Im Jahr 2025 rückten die Feuerwehren im Landkreis Harburg zu insgesamt 4.177 Einsätzen aus. Darunter waren 1.792 Brandeinsätze und 2.385 technische Hilfeleistungen. Die Mitgliederzahlen stiegen leicht um 35 auf nun 5.100 Aktive. Der Frauenanteil liegt bei 16,8 Prozent. In den Nachwuchsabteilungen engagieren sich 1.531 Jugendliche in den Jugendfeuerwehren sowie 995 Kinder in den Kinderfeuerwehren.
Auch bei der Ausstattung der Feuerwehren wurden Fortschritte erzielt. So wurde für die Feuerwehr Hoopte ein neues Mehrzweckboot für Einsätze auf der Elbe beschafft. Darüber hinaus wurden vier neue Rüstwagen bestellt sowie ein Abrollbehälter „Dekontamination“. Zudem unterstützt der Landkreis die Beschaffung von zwei Tanklöschfahrzeugen für die Waldbrandbekämpfung.
Landrat Rainer Rempe sprach den Feuerwehrangehörigen seinen „tiefen Respekt“ für ihre Arbeit aus. Auf die Einsatzbereitschaft und Professionalität der Feuerwehren könne sich die Bevölkerung jederzeit verlassen. Gleichzeitig bestätigte auch er die zunehmende Belastung durch zusätzliche Aufgaben, die vom Land übertragen werden. Weitere Themen waren der Neubau der Feuertechnischen Zentrale sowie die geplante gemeinsame integrierte Leitstelle der Landkreise Harburg, Lüneburg, Heidekreis und Rotenburg (Wümme).
Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung war die künftige Struktur der Feuerwehrbereitschaften in Niedersachsen. Klaus Wickboldt, Referatsleiter im Niedersächsischen Innenministerium, nahm zunächst Stellung zu den zuvor geäußerten Kritikpunkten und erläuterte anschließend die landesweiten Planungen zur Neuorganisation der Feuerwehrbereitschaften. Ziel sei es, die Einheiten künftig landesweit nach einheitlichen Strukturen aufzustellen, um sie bei größeren Schadenslagen schneller und effizienter einsetzen zu können.
Im Anschluss stellte Kreisbereitschaftsführer Stephan Schick die Planungen für den Landkreis Harburg vor. Künftig soll es neben einer landesweit einsetzbaren „Feuerwehrbereitschaft Niedersachsen“ weiterhin auch eine Kreisfeuerwehrbereitschaft für Einsätze im Landkreis und den Nachbarlandkreisen geben. Beide Einheiten sollen ab 2027 einsatzbereit sein.
Begleitet wurde die Dienstversammlung von einer Ausstellung moderner Feuerwehrtechnik im Foyer der Stadthalle sowie von Einsatzfahrzeugen verschiedener Hersteller vor dem Gebäude. Die Führungskräfte nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen in Technik und Ausrüstung zu informieren.
Mathias wille
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_ubiMaster1.jpg)
_Mai23.jpg)
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_wernieNovember2.jpg)