Lüneburg, am Freitag den 12.04.2024

„Gegen das Vergessen“

von Hajo Boldt am 01.04.2024


Der jüdische Friedhof hat ein „neues“, 
111 Jahre altes Haus

Zum Abschluss der ersten Bauphase -
Feier aus Anlass der Fertigstellung und Übergabe der restaurierten Trauerhalle an den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen

Am vergangenen Mittwochmittag hielt Hans-Wilfried Haase, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische die Begrüßungsansprache. Er erinnerte an die Gründung des jüdischen Friedhofs und die erste Bestattung im Jahre 1827 sowie die schreckliche Vergangenheit zum Ende der dreißiger Jahre mit seinen zerstörerischen Auswirkungen. Das letzte sichtbare Zeichen jüdischer Kultur in Lüneburg ist zur großen Freude aus seinem Dornröschenschlaf wiedererweckt worden. 1912 wurde das Gebäude geplant und gebaut vom Architekten Franz Krüger. Von der Familie Jacobsohn war es zur Erinnerung an den geliebten und im gleichen Jahr gestorbenen Sohn Albert im Oktober gestiftet worden.
Pastor i.R. Haase erinnerte an den November 1938 und die zerstörerische Umgestaltung des Friedhofs und der Nutzung der Trauerhalle als Werkstatt in Kriegszeiten, an das Abräumen und das Umsetzen und anderweitige Verwenden von Grabsteinen. 
Bei der jetzigen Renovierung wurden verborgene Symbole und Zeichen, die ausgelöscht werden sollten, dort, wo es möglich war, wieder freigelegt und in herkömmlicher Weise sichtbar gemacht. Dass die jetzt wiederhergestellte Trauerhalle ein neues Zeichen gegen das Vergessen sein soll, wurde auch in den nachfolgenden Ansprachen und Reden immer wieder deutlich.
Andachtsvolle Erinnerungsworte folgten u.a. in einem Psalm Davids von Andrej Sitnow, dem Kantor der Jüdischen Gemeinde Hannover und im letzten Teil von der Regionalbischöfin im Sprengel Lüneburg, Marianne Gorka.
Dr. Herwig van Nieuwland vom 
Vorstand der GCJZ Lüneburg dankte besonders dem ausführenden, auch in großen Teilen ehrenamtlich tätigen Architekten Heinz Henschke und allen Förderern, die das Projekt „Trauerhalle auf dem Jüdischen Friedhof" mit großzügigen Zuwendungen ermöglicht haben: der Hansestadt Lüneburg, dem Landkreis Lüneburg, der Klosterkammer Hannover, der VGH Stiftung, der Niedersächsischen
Sparkassenstiftung, dem Nieder-sächsischen Landesamt für Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 
Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e.V. (ALA),
dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen K.d.ö.R.
das Bistum Hildesheim, die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und das Dekanat Lüneburg- Bistum Hildesheim. 
Bis auf den letzten Cent und noch etwas darüber hinaus ist die Fördersumme von 241.000 Euro ausgegeben und verbaut worden.

Grußworte folgten zur Übergabe der restaurierten Trauerhalle von Michael Fürst, dem Präsidenten des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen
sowie von der Lüneburger Bürgermeisterin Christel John. Fürst sagte, das der Landesverband 250 Friedhöfe zu verwalten hat und bedauerte, dass nur die wenigsten noch über eine Trauerhalle verfügen. Sie ist das entscheidende, der Friedhof ist das Haus.

Zahlreiche Personen aus Politik, Stadt, Kirche und Gesellschaft waren nicht nur im Inneren der hellen, freundlichen Halle zugegen, die Veranstaltung wurde mit erweiterten Sitzplätzen für Interessierte auch nach außen durch die geöffnete Tür und durch Beschallung übertragen.

Über die Schwierigkeiten der Kosten-Veranschlagung bei der Planung, das Budget und seine Ausführungen sprach in dankenswerter Weise Architekt Heiner Henschke. Die musikalische Gestaltung hatte das Ensemble Hevenu Shalom eindrucksvoll übernommen. Im Anschluss wurde zu weiteren Gesprächen, zu Kaffee und Kuchen in die Friedenskirche geladen.


Text/Fotos/Video: Hajo Boldt

© Fotos: Hajo Boldt


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