Lüneburg, am Freitag den 17.04.2026

Geschichte(n) ausgraben

von Carlo Eggeling am 17.04.2026


Wirtschaftsgeschichte setzt sich fort, am Bilmer Berg soll ein Gewerbegebiet nahe der geplanten Autobahn A39 entstehen, schon vor Jahrhunderten war bauten Vorfahren hier Grundstoffe für die Eisengewinnung ab und verarbeiteten sie. In der spätrömischen Kaiserzeit, also etwa von Christi Geburt bis ins Jahr 160, wurde in Hagen Metall produziert. Die Siedlungsgeschichte Lüneburgs reicht damit viel weiter zurück als die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 956. Nachzulesen ist das Kapitel im aktuellen Heft Denkmalpflege in Lüneburg 2025, das gerade erschienen ist.

Das Heft ist wie immer eine kleine Schatzkiste für Fans der Stadtgeschichte. Es ist das 25. Büchlein im quadratischen Format, dass im Wortsinne Historie ausgräbt. Denn hinter der Reihe steht der Verein Lüneburger Stadtarchäologie, der 30. Geburtstag feiert. Der ehemalige Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring hat den Verein mit anderen gegründet. Die "Pioniere" wollten wissenschaftliche Expertise mit gut zu verstehenden Texten verbinden; das ist ihnen -- zumeist -- gelungen.

Neben dem Arbeitskreis Lüneburger Altstadt und den Bänden für das Fürstentum Lüneburg ist die Reihe des Vereins ein ständiger Begleiter des historischen Lüneburgs.

Ring erinnert sich, dass man damals mit einer Reihe zur Bauforschung begann. So ging es um Glaskultur in Niedersachsen, eben weil es auch in Lüneburg bedeutende Funde dazu gab. Eine Ausstellung zum Thema wanderte von der Salzstadt aus bis in die Partnerstadt nach Tartu. "Unterstützt hat uns über Jahre Oberbürgermeister Ulrich Mädge", sagt Ring. Auch ihm sei die Zusammenarbeit weit über Stadtgrenzen hinaus ein Anliegen gewesen.

Die Publikation bietet nicht nur lokalen Wissenschaftlern wie Ring und seinem engagierten Nachfolger Tobias Schoo ein Forum. Nachwuchsforscher können ihre Ergebnisse einem lokalen, aber auch einem bundesweiten Publikum präsentieren. Denn die Hefte gehen unter anderem in anderen Hansestädte, was wiederum einen Austausch auf hochkarätiger Ebene ermöglicht.

Ring berichtet, dass neben Archäologen auch Geschichtswissenschaftler und Kunsthistoriker eingebunden sind. Das Miteinander über Fachgrenzen hinweg erlaubt andere Blicke. Zur Geschichte gibt es eine Geschichte: Bei einer Grabung am Rathaus kamen Reste einer Ofenkachel ans Licht. Sie zeigt laut Ring die Caritas, als das Symbol der Barmherzigkeit, Vorbild ist nach Meinung des Forschers ein Kupferstich von Jacques de Gheyn, der um 1593 entstand. Hier sieht Ring eine Verbindung zu einer Töpferei Auf der Altstadt. Für die hatte der Schnitzer Albert von Soest Vorlagen geliefert, die dann in Formen umgesetzt wurden -- schließlich entstanden die Kacheln.

Albert von Soest hat die Große Ratsstube im Rathaus mit seinen Arbeiten gestaltet. Nebenbei lief eine "Massenproduktion", die mit Kacheln und Reliefs gutes Geld in die Kassen klimpern ließ. Aufgrund alter Adress- und Hausverzeichnisse lassen sich Verbindungen und Verbreitung belegen. Eben auch ein Anknüpfungspunkt, wie die Caritas vom Kupferstich über die Töpfer-Werkstatt beim Rathaus gelandet ist.

In den Anfängen setzten sich ein Dutzend Interessierte für den Verein ein, heute sind es knapp siebzig. Das erste Heft hatte 32 Seiten, zum Jubiläum sind es rund 170. Das zeigt, wie wichtig und gewichtig die Arbeit wahrgenommen wird. Gleichwohl sagt Ring, der auch im Ruhestand weiter forscht und an der Hamburger Uni lehrt, müsse sich der Verein Herausforderungen stellen: "Der Verein ist dreißig Jahre alt, wir sind dreißig Jahre älter, wir wünschen uns mehr Nachwuchs." Junge Leute gewinnen, um das fortzusetzen und weiter zu entwickeln, um weiter wissenschaftlich zu arbeiten und um "Identitätspflege" zu treiben. Also die Verbundenheit mit Lüneburg und seiner Geschichte.

Ansätze sind da: Vorträge und Gespräche an eher ungewohnten Orten wie in der Gasthausbrauerei Nolte an der Dahlenburger Landstraße unter dem Titel „Archäologie beim Bierchen", Radtouren am Tag des offenen Denkmals, Spaziergänge -- immer offen für Fragen.

Und natürlich mit dem Heft Denkmalpflege in Lüneburg, das sich als Einladungliest. Ein Ausflug zum Beispiel in die Kräuterkammer der Raths-Apotheke, zu den Ornamenten und Medaillons im Heinrich-Heine-Haus oder eben zum frühen "Eisenwerk" in Hagen. Carlo Eggeling

Der Druck des Hefts ist möglich dank einer Spende der Volksbank von 2500 Euro. Erhältlich ist es für 12 Euro im Museum, bei Lünebuch und in der Buchhandlung am Lambertiplatz.

Fotos:
Prof. Dr. Edgar Ring blättert im neuen Heft zur Denkmalpflege

Die Reste der Ofenkachel fanden Archäologen nahe des Rathauses. Das Motiv soll die Barmherzigkeit zeigen. Hergestellt wurde sie in einer Töpferei Auf der Altstadt.

Raths-Apothekerin Julia Wellsow berichtet über die Kräuterkammer der Apotheke an der Bäckerstraße. Die Geschichte der Apotheke reicht mehr als fünf Jahrhunderte zurück, der "Arbeitsplatz" zeigt noch heute wie Medikamente einst zusammengefügt wurden.

© Fotos: ca


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