Lüneburg, am Donnerstag den 12.03.2026

Großreinemachen — 13 000 Tonnen Schlamm müssen raus

von Boldt am 11.03.2026


Hafen Lüneburg entschlammt Hafenbecken Lüneburg. Im Lüneburger Binnenhafen laufen derzeit umfangreiche Baggerarbeiten. Das Hafenbecken wird entschlammt, damit die Schifffahrt weiterhin mit ausreichendem Tiefgang anlegen kann. Rund 13.000 Tonnen Sediment werden in den kommenden Wochen ausgebaggert. Gleichzeitig blickt der Hafen auf ein solides Jahr 2025 zurück – und steht 2026 im Zeichen eines Jubiläums: Vor 50 Jahren wurde der Elbe-Seitenkanal eröffnet.

Mit den Arbeiten wurde Anfang März begonnen. Zum Einsatz kommt das Baggerschiff „IJsselDelta“, ein rund 77 Meter langes Spezialschiff unter niederländischer Flagge, das im Auftrag der Firma Hülskens Wasserbau aus Wesel arbeitet. Die Entschlammung soll etwa sechs Wochen dauern und kostet rund 800.000 Euro. „Wir freuen uns, dass wir nach dem Winter planmäßig beginnen konnten“, sagte Geschäftsführer Lars Strehse bei einem Ortstermin. Wegen Eisgangs war die Wasserstraße noch bis zum 14. Februar gesperrt gewesen.

Die Arbeiten im Hafen sind technisch anspruchsvoll. Sowohl das Hafenbecken als auch der Elbe-Seitenkanal besitzen eine Abdichtung aus Asphalt, die den Kanalboden gegen Versickerung schützt. Deshalb können hier keine Arbeitspontons mit Stelzen eingesetzt werden, da sie die Dichtung beschädigen könnten. Stattdessen arbeitet das Baggerschiff direkt vom Wasser aus mit einem speziellen Greifer. Das Hafenbecken ist rund 3,50 Meter tief. Komplett ausgehoben wird es jedoch nicht, um die schützende Sohlschicht zu erhalten. Ziel ist eine nutzbare Wassertiefe von etwa 2,80 bis drei Metern, damit Binnenschiffe den Hafen weiterhin sicher anlaufen können.

Der Schlamm entsteht überwiegend durch natürliche Einträge. „Das ist hauptsächlich Oberflächenmaterial – vor allem Laub und Sedimente, die über den Kanal und mit den Schiffen in den Hafen gelangen“, erklärte Hafenmeister Marcel Ziemens. Auch die Schiffsbewegungen selbst wirbeln Ablagerungen auf, die sich anschließend im Hafenbecken absetzen. In der Regel muss der Hafen deshalb etwa alle acht Jahre ausgebaggert werden. Zuletzt geschah dies 2018. Die Kosten für die Maßnahme kann die Hafen Lüneburg GmbH aus eigenen Rückstellungen finanzieren. In den vergangenen Jahren seien gezielt Rücklagen gebildet worden, um solche Arbeiten stemmen zu können, sagte Strehse. Überschüsse würden grundsätzlich wieder in den Hafenstandort investiert.

Geplant sind unter anderem die Modernisierung des Betriebsgebäudes sowie ein Waschplatz für Lastwagen und Umschlagsgeräte.

Trotz eines leichten Rückgangs beim Güterumschlag blickt der Hafen auf ein stabiles Jahr zurück. 2025 wurden insgesamt 363.401 Tonnen Güter umgeschlagen. Das sind rund acht Prozent weniger als im Jahr zuvor, dennoch ist es die dritthöchste Jahresmenge des vergangenen Jahrzehnts. Abgefertigt wurden 224 Binnenschiffe, 170 Güterzüge mit 1.729 Waggons sowie 1.195 Lastwagen. Besonders der Transport über den Wasserweg entwickelte sich positiv: 243.752 Tonnen Güter wurden per Schiff bewegt. Rückläufig waren dagegen der Bahnumschlag mit 93.211 Tonnen und der Landumschlag mit 26.483 Tonnen.

Das Jahr 2026 steht zugleich im Zeichen eines Jubiläums. Am 15. Juni 1976 wurde der 115 Kilometer lange Elbe-Seitenkanal eröffnet, der den Mittellandkanal mit der Elbe bei Artlenburg verbindet. Die Wasserstraße entstand während der deutschen Teilung, weil wichtige Wasserstraßenknoten im Raum Magdeburg damals in der DDR lagen. Nur wenige Wochen nach der Eröffnung kam es jedoch zu einem schweren Zwischenfall.

Am 18. Juli 1976 brach bei Erbstorf nahe Lüneburg ein Damm des Kanals. Große Wassermassen überfluteten landwirtschaftliche Flächen. Erst nach umfangreichen Reparaturen konnte der Kanal 1977 wieder vollständig in Betrieb gehen. Mit dem Bau des Kanals entstand auch der Lüneburger Binnenhafen südlich des Schiffshebewerks Scharnebeck. Der Hafen wurde als trimodaler Umschlagplatz geplant – Güter können hier zwischen Schiff, Bahn und Lkw wechseln. Heute gilt der Hafen als wichtiger Logistikstandort der Region. Nach Schätzungen hängen rund 4.600 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit dem Hafenbetrieb zusammen.

Im Jubiläumsjahr wird Lüneburg außerdem Gastgeber des Elbschifffahrtstages sein. Die Veranstaltung findet am 9. April statt und wird gemeinsam von der Elbe-Allianz, dem Bündnis für den Elbe-Seitenkanal und der Hafen Lüneburg GmbH organisiert.
Text/Fotos: Hajo Boldt

© Fotos: Boldt


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook