Gut, was einem alles wieder einfällt
von Carlo Eggeling am 21.03.2026
Meine Woche
Was man so vergisst
Jeder kann was vergessen. Ja Ich hab’ neulich meinen Schlüssel liegen lassen. Dauerte, bis ich ihn wieder hatte. Schlüsselerlebnis. Daher kann ich gut verstehen, wenn das anderen passiert. Bei der kreiseigenen Busgesellschaft Moin vergessen sie schon mal die Route, Schüler, die auf den Bus warten, ein Ticketsystem und Linien mitten in die Stadt. Nun hat das Team um Chef Nikolas Wenzel eine Tankstelle vergessen.
Man habe auf Elektrobusse gesetzt, habe ich gelesen. Pardauz, da brauchen die Mobilitätsspezialisten glatt Diesel-Fahrzeuge, weil sie mehr Linien bedienen als gedacht. Wahrscheinlich haben der Chefplaner samt seines Stabs verkramt, dass Moin sich irgendwie dafür beworben hat.
Ich hatte gedacht, Stromer könnten Kraftstoff vergessen. Nee, lese ich in der Zeitung: "Standheizungen der E-Busse benötigen zusätzlichen Treibstoff in Form des synthetischen Dieselersatzstoffs HVO100." In der Vorlage des Kreises für die Politik lesen wir „In den Planungen und bei Beginn des Baus des Betriebshofes am Hafen wurde dort keine AdBlue- und keine HVO100-Tankstelle berücksichtigt. Dieses soll nun nachgeholt werden.“ Standheizungen. Klar, ständig ist von Klimawandel die Rede, da kann man den Winter glatt vergessen. Für die Tanke 65 000 Euro, Eigenkapital zu gering, nochmal 115 000 Euro, die der Kreis nachschießt. Der hat es bekanntlich dicke. Oder habe ich etwas vergessen?
Moin-Management, Kreisverwaltung und der Vorsitzende des Finanzausschusses, der Sozialdemokrat Hinrich Bonin, samt der politischen Spezialisten bringen alles auf den Weg. Kritik? Nö, haben sie irgendwie vergessen. Ein Witzchen hatte der Herr Bonin. So ein Schelm. Wir lachen eh zu wenig. Ich kenne das.
Die Grünen starten begeistert in den Kommunalwahlkampf. 50 Interessenten wollen in den Stadtrat. Eine Menge. Aber weil parteiübergreifend zu beobachten ist, dass begeisterte Kommunalos vergessen, wie lange eine Wahlperiode dauert und sie daher vorher ausscheiden, macht das Sinn. Zwei Dinge scheinen sie bei den Grünen vergessen zu haben: Andrea Kabasci hat vergangenes Jahr ihr Parteibuch zurückgegeben, weil sie mit den Bundes-Grünen nicht einverstanden war. Sie und die Partei hatten übrigens vergessen, die Wähler darüber zu informieren. Erst nach Presseanfragen fiel es ihnen wieder ein. Na ja, passiert. Ich weiß, man muss kein Parteimitglied sein, um sich für ein Mandat zu bewerben. Frau Kabasci steht auf Listenplatz 1 im Wahlbereich Nordwest.
Irgendwie scheinen die Grünen ihre Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch vergessen zu haben. Sie steht nicht auf den Listen der Wahlbereiche. Vielleicht hat sie vergessen, sich zu bewerben, kann sein. Oder sie ist sich so siegessicher, dass sie wieder ins Rathaus einzieht, dass sie meint: "Wahlen kannste vergessen." Auf der Jahresversammlung der Feuerwehr war sie sich neulich sicher, dass sie nächstes Jahr zum Empfang der Ehrenamtlichen in den Rathausgarten einladen wird. Möglich, dass sie nach einer — kaum vorstellbar — verlorenen Wahl ein Ehrenamt übernimmt.
Als es im Ausschuss für Gefahrenabwehr um das Alkoholverbot am Sand ging und die CDU meinte, dass sie seit vergangenem Sommer ein Sicherheits- und Sozialkonzept für die Szene und ihre Folgen fordert, erlebten die Konservativen, diese Haltung könnten sie getrost vergessen. Die Verwaltung habe alles bedacht und trotz haltungstechnisch beeindruckendem Purzelbaum keine Position geräumt. Die SPD, die stets einen Sozialtreffpunkt als Non plus ultra propagiert, erhob plötzlich eine gewisse Urheberschaft für den neuen Ansatz. Beides war mir neu. Wahrscheinlich habe ich viel vergessen.
Wie das Ganze greifen soll, bleibt offen. Der Ansatz "Keine Pulle" hat sicher nicht vergessen, was mehrfach betont wurde, da sitzen welche, die sich mit bewusstseinsverändernden Substanzen aus dem Hier und Heute verabschieden und nicht sozial adäquat verhalten. Und wer psychisch mit sich und der Welt hardert, kann mangels Pulle so auch nicht vertrieben werden. Ach, ums Vertreiben geht es nicht? Sorry, hatte ich vergessen.
Dass sich die Situation verschärfte, als die von der Oberbürgermeisterin verordneten Grünen Oasen kamen, sei eine Haltung, die man vergessen könne, erklärte Dezernent Markus Moßmann. Die Stadt habe die Aufenthaltsqualität in der City generell verbessert. Abbau sei keine Option -- kannste vergessen.
Mir fiel der Ökonom Milton Friedman ein: „Die Lösung der Regierung zu einem Problem ist normalerweise genauso schlecht wie das Problem." Ich weiß, völlig falsch. Diesen Blödsinn kann ich vergessen.
Ich möchte nicht vergessen, ein angenehmes Wochenende zu wünschen, Carlo Eggeling
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