Lüneburg, am Samstag den 23.05.2026

Im Wasserviertel ist was los

von Carlo Eggeling am 23.05.2026


Ein Blick auf die Ratssitzung:

Der Sand soll nun so trocken sein wie die Wüste Gobi, die Grünen Oasen kommen richtig zur Geltung. Wie schön. Angeblich ist die Karawane der Auffälligen ins Wasserviertel umgezogen. Wer das meint, ist selten in der Stadt unterwegs. Die Kioske, vor allem der Bei der Abtspferdetränke wirkten bereits vorher als Versorgungsstelle für Ich-will-drei-Promille und alle Trabanten. Der Schwarzhandel hat nicht nur am Karstadt-Parkhaus damit zu tun, weißes Pulver anzubieten, das tut er inzwischen ebenso auf den Stufen des abgewetzten Bergströms mit seinen dreckigen Fenstern, Sperrmüll und ungeputzen Stufen.

Zwei Dutzend Geschäftsleute aus dem Karree beschwerten sich mit einem Brief und via LZ. Claudia Kalisch machte es zum Thema im Rat. Die OBin spricht von gesellschaftlichem Wandel, es sei "kein Lüneburger Problem", schlimm sei es all überall. Es folgt die übliche Zuweisung in Richtung Polizei, die sei in Sachen Kriminalität verantwortlich, gegen den Drogenhandel vorzugehen. Ein Mantra, denn das machen die Beamten. Kontrollen sind ist regelmäßig Thema im Polizeibericht. Die Forderung nach Videoüberwachung wirkt so sinnvoll, wie einem Flummi das Hüpfen abzusprechen -- Dealer und Kunden machen um die Ecke weiter.

Sollte das Prinzip Wüste Gobi am Sand Handlungsanleitung sein, läge es nahe, gegen die Kioske vorzugehen. Wirte am Stint fragen sich: Wenn man jeder Kneipe Auflagen in Sachen Toiletten verpassen kann, warum nicht den Zapfstellen, welche die sonst gern propagierten konsumfreien Orte mit hochprozentigem Dauerkonsum versorgen? Eine Idee wäre die Konstruktion Straßencafé: Es wird vor der Tür getrunken, also muss der Betreiber Klos anbieten.

Ist bestimmt ebenso unmöglich wie Beschränkungen, wann Alkohol verkauft werden darf. Ich höre schon jetzt den obersten Stadtjuristen Markus Moßmann und seine Chefin, die erklären, welche Paragrafen das undenkbar scheinen lassen. Genauso unmöglich, den kommunalen Ordnungsdienst dort zur ungemütlichen Dauerpatrouille hinzuschicken.

Wo bleibt eine andere Anlaufstelle für die Szene? Es scheint genauso unmöglich, einen wie auch immer titulierten Treff an der Schießgrabenstraße samt zweier Wohnungen zu eröffnen. Im Finanzierungsgestrüpp haben sich Sozialdezernentin Gabriele Scholz und der als Finanzminister zumindest informell mit zuständige Matthias Rink augenscheinlich verheddert.

Nun soll der Landkreis mit ran, für Betrieb und Geld. Ein führender Sozialarbeiter hat mir erzählt, das Kreishaus könne keine Fördermittel einwerben, weil der Kasten nicht barrierefrei ist. Und das Konzept, an dem Frau Scholz feilt, die seit einem Jahr hier ist, liege seit bald fünf Jahren vor, der Lebensraum Diakonie habe es geschrieben. Die Truppe, die für die Stadt einen großen Teil der Menschen betreut, für die das soziale Netz vor allem klaffende Maschen aufweist.

Dass die Politik die Verwaltung hier nicht zur Rede stellt und beispielsweise die Kommunalaufsicht einschaltet, ist denen zu verdanken, die glauben, das Herz schlägt links und wärmt automatisch. Hauptziel: Der Treff kommt. Gespräche hinter den Kulissen, sodass sich dem Vernehmen nach die Verwaltungsspitze drehte. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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