Lüneburg, am Samstag den 23.05.2026

Kaltenmoor kann was

von Carlo Eggeling am 23.05.2026


Meine Woche
Von Strafanzeigen und feurigen Zungen

Es leuchtet in Kaltenmoor, vorbildlich. Aus dem verkommenen Riesenblock an der Wilhelm-Leuschner-Straße hat das Pullacher Immobilienunternehmen Eckpfeiler einen Komplex gemacht, in den Menschen gern einziehen. Dazu mit 30 Prozent Sozialwohnungen. So wie es die Stadt einmal vorgegeben hat, aber des öfteren nicht hinbekommt. 250 von 266 Wohnungen saniert, Außenanlagen mit viel Grün, Abfallboxen in kleinen Häuschen, energetisch so gestaltet, dass die Kosten für Heizen um die Hälfte günstiger ausfallen sollen. 29 Millionen Euro hat das gekostet, zweieinhalb Millionen kamen von Bund, Land und der Stadt. Ein gelungener Dreiklang.

Fürs Foto standen sogar Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und ihr Vorgänger Ulrich Mädge einträchtig nebeneinander. Beide hätten den Erfolg mit ermöglicht, lobte Investor Wolfgang Bogner.

Zweihundert Meter weiter gammeln 600 Vonovia-Wohnungen seit Jahren vor sich Ich meine, es ist drei Jahre her, da schlug die OBin vor, die Stadt möge kaufen und sanieren. Sie und ihre grüne Partei haben sich ob der Kosten von der Vision verabschiedet. Mädge und seine Genossen aus der SPD verfolgen das Ganze weiter, zeigen nach Hannover, wo ein ähnliches kommunales Vorgehen funktioniert. Wenn die zwei sich Abgeneigten es schaffen, gemeinsam für ein Foto zu lächeln, läge es nahe, sich das Vorbild zum Vorbild zu nehmen.

Aus Immobilienkreisen heißt es, Vonovia sei bereit insgesamt 900 Wohnungen, 300 an anderen Standorten, in Lüneburg zu verkaufen. Angeblich sacken die Preise gerade durch. Wie wäre es, ein Bündnis zu schmieden: Die offensichtlich kompetente Eckpfeiler-Crew um Bogner nimmt einen zweiten lokalen Finanzier dazu. An der Wilhelm-Leuschner-Straße hat das Büro Jürgen Sallier vor zwei Jahren die Vermarktung übernommen. Als dritter im Bund steigt die Stadt mit ein. Eine neue Wohnungsgesellschaft neben der überwiegend kommunalen LüWoBau. Zuschüsse einwerben. Positive Signale gab es bereits über Kontakte aus Hannover und Berlin, zwar nicht den Kauf, aber die Sanierung zu unterstützen. Was für eine Aufwertung des als problematisch geltenden Stadtteils mit seinen mehr als 10 000 Bewohnern wären frisch sanierte Häuser.

irgendwelche Straßenumbauten lässt man sein oder erledigt sie später, um das Geld beisteuern zu können. Für die Leuschner-Straße reichte eine halbe Million von der Stadt. Was wäre es für ein Signal, wenn sich die demokratische Stadtpolitik darauf verlegte, Zoff sein zu lassen und stattdessen Zukunft zu bauen? Diese Alternative schaffen andere nicht. Die können lediglich schlechte Stimmung kochen.

Ich habe beim Dauerstreit um das Repaircafé für die Gestrandeten des Sozialsystems neulich aus der vertraulichen Vorlage für den Verwaltungsausschuss zitiert. Da konnten die Mitglieder schon mittags lesen, welche Pirouetten die Verwaltung am Nachmittag in dieser Angelegenheit drehen werde.

Potztausend, vertrauliche Unterlagen. Ein Abgrund von Landesverrat?, um ein berühmtes Vorbild zu zitieren. Im VA hat der Fraktionschef der Grünen, Ulrich Blank, von Strafanzeige gesprochen. Nee, er wolle nicht zum Staatsanwalt marschieren, hat er mir gesagt, sondern wollte in den Gesichter der anderen forschen, wer gepetzt habe. Das hatten wir schon ein paarmal, LA berichtete in Personalangelegenheiten. Alltag, hinter verschlossenen Türen zu recherchieren. War es auch mal in Lüneburg. Vergessen?

Strafanzeige. Von einem Grünen. Petra Kelly, Hans-Christian Ströbele und Joschka Fischer -- wer war das bloß?

Eigentlich ist es überdies eine Drohung in Richtung Bürger, die nicht erfahren sollen, was im kleinen Rat besprochen wird. Warum bloß? Anders als in Niedersachsen tagt der dem VA vergleichbare Hauptausschuss in Schleswig-Holstein öffentlich.

Ach ja, zur Erinnerung: Als die Grünen Opposition waren, landeten in meiner damaligen Redaktion vertrauliche Papiere. Ich habe vergessen von wem, so wie jetzt auch.

Besonders gefühlig ging es im Rat beim Marienplatz zu. Der soll umgemodelt werden, seit Jahren. Frau Kalisch hatte es im Wahlkampf vor fünf Jahren zur Herzensangelegenheit gemacht. Zufall, dass wir wieder Wahlkampf haben. Trotz aller Bürgerbeteiligung der üblichen Verdächtigen mit der üblichen Langeweile hat sich nichts getan. Nun gehen Fördermittel perdu. Selbstverständlich fällt der Klimawandel in Lüneburg daher noch erbarmungsloser aus: Parksuchverkehr, CO2-Katastrophe, der Asphalt als Heizung.

Die Grüne Pia Redenius zeigte sich ob der mangelnden Einsicht der anderen Parteien wahnsinnig resigniert, als sie mit erschütterter Stimme ihren Klagelied vom Handy anstimmte.

Ihre Kollegin setzte an, dann versagte aus Sicht des Publikums die Antenne, Frau Dartenne war nicht zu hören. Spott aus Reihen männlicher Widersacher. Die Rednerin reagierte feministisch empört, sie mache eine rhetorische Pause, sagte sie. Es sollte gewichtig weitergehen. Hhhmmmm. Man hätte sich fragen können, warum sind die Ideen ständig durchgerauscht, lag es daran, dass sie nicht überzeugten?

Cornelius Grimm blieb hoffnungsfroh, ihm war's um Fördermittel nicht bang: Davon gebe es so viele, sagte der Liberale, die könne man im Fall der Fälle ständig beantragen. Da sieht man mal, wie viel Geld offenbar für vieles vorhanden ist. Ich meine, Fördermittel sind Steuergelder. Ist das wichtig?

Es ist Pfingsten, dieses christliche Fest, das als Feiertagskracher beliebt ist. Kommen wir aufs Vorbild zurück: 50 Tage nach der Kreuzigung und Auferstehung kam der Heilige Geist zu den Jüngern Jesu und sprach, biblisch schön, mit „feurigen Zungen“, sodass Gefährten des Herrn in allen Sprachen sprechen konnten und ihre Botschaft verstanden wurde.

Das wäre was, wenn Verwaltung und Politik diese Bürgernähe hinbekämen. Gute Tage, Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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