Lüneburg, am Freitag den 22.05.2026

Kaltenmoors neue Sonnenadresse

von Carlo Eggeling am 22.05.2026


Wilhelm-Leuschner-Straße in Kaltenmoor -- das war vor ein paar Jahren eine der schlimmsten Adressen. Die Polizei kam regelmäßig. Vor den Türen sah es aus, als habe die Mülldeponie eine Außenstelle eröffnet. Fahrstühle rochen wie ein schlecht geputztes Klo, an den Klingelanlagen hingen Leitungen wie Spaghetti aus der Wand. Heute: sauber, frische Fassaden, neue Hauseingänge, Grün, Bäume, Fahrradständer, die Abfallcontainer stehen in Häuschen. Als hätte eine Fee mit einem Zauberstab den Komplex verwandelt. Statt Fee war es harte Arbeit, viel Geld und vor allem ein Konzept, das für ein mittelschweres Wunder steht. Am Mittag wurde der Erfolg gefeiert.

Dahinter stehen der geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Bogner und seine Kollegen der Eckpfeiler-Immobilien-Gruppe aus Pullach bei München. Sie haben den riesigen Block 2019 in einer Zwangsversteigerung in weiten Teilen gekauft, in der Mitte liegt ein Block mit Eigentumswohnungen. Verhandlungen mit der Stadt, damals noch unter Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Stadtbaurätin Heike Gundermann. Am Ende stand ein Städtebaulicher Vertrag, der zusicherte: 30 Prozent der Wohnungen erhalten eine Sozialbindung mit günstiger Miete. Im Gegenzug fließen Fördermittel, zwei Millionen Euro von Bund und Land, eine halbe Million von der Stadt. Eckpfeiler packte alles in allem noch einmal gut 26 Millionen obendrauf.

In den vergangenen Jahren sanierten Handwerker 250 von 266 Wohnungen, ohne die Fördermittel wären es nur halb so viele geworden, sagten Bogner und sein Baumanager Florian Menzinger. Entgegen kam den Bayern, dass vor sieben Jahren nahezu die Hälfte der Wohnungen leer stand und kaum zu vermieten war. Haus für Haus fingen sie an zu sanieren, eine Herausforderung für die, die blieben. Lärm, Dreck, ständig Betrieb. Doch eben auch ein Vorteil, weil die neuen Eigentümer Mietern anbieten konnten, innerhalb des Gebäudes umzuziehen, wenn die Handwerker anrücken sollten.

kepsis am Anfang hätten sie erlebt, sagen die Manager, doch als die Leute sahen, dass es voranging, willigten fast alle ein, ihre Wohnungen auf einen neuen Stand bringen zu lassen. Da Leitungen ersetzt wurden, rissen Arbeiter alle Bäder heraus und bauten neue ein. Offensichtlich mit Erfolg, es steht kaum eine Wohnung leer, in die Musterbleibe für die Vorstellung zum Pressetermin ziehen in einer Woche Bewohner ein. Bei der Vermietung setzten die Bayern auf die Lüneburger Immobilienprofis von Sallier.

Die Mieten bleiben moderat, für die Sozialwohnungen bei aktuell 7,50 Euro pro Quadratmeter, in anderen bei unter elf Euro. Die Einheiten haben zwischen 39 und 89 Quadratmeter. Alles auf hohem energetisch saniertem Niveau, so dass die Kosten fürs Heizen sich halbieren sollen.

Dahinter stecke ein Unternehmensgrundsatz, sagte Bogner. Seine Gruppe wolle nachhaltig bauen beziehungsweise sanieren. Selbstverständlich gehe es darum, Geld zu verdienen. Doch die Renditeerwartungen verfolge man "mittel- und langfristig". Wichtig seien zufriedene Mieter, die gerne und lange bleiben. Eben das werde der Anlage gut tun, weil die Menschen das Gute erhalten wollen. Ein Hausmeister vor Ort gehöre zum Wohlfühl-Konzept dazu.

Bogner lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt, Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und Stadtbaurätin Gundermann, die jetzt in den Ruhestand geht, hätten sehr unterstützt. Dickes Lob spendete Gertrud Sorich von der Bürgervertretung Kaltenmoor: Der Komplex habe sich deutlich zum Besseren verändert, das wünsche sie sich auch für andere Straßenzüge im Viertel. Grüße an Vonovia.

Das Hochhaus-Quartier mit seinen mehr als 10 000 Bewohnern hat mitunter einen eher mäßigen Ruf. Zu Unrecht, findet Unternehmer Bogner: "In fünf bis zehn Jahren wird das einer der begehrtesten Stadtteile Lüneburgs. Wir haben die Blaupause geliefert, wie es gehen kann." Carlo Eggeling

Das Foto zeigt Florian Menzinger und Wolfgang Bogner vor dem Komplex. Die anderen Bilder geben einen Eindruck der Anlage.

© Fotos: ca


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