Kann denn Schokolade Sünde sein — die teuersten Tafeln der Welt
von Carlo Eggeling am 09.05.2026Wer im Supermarkt bei der Rittersport Goldschatz zugreift, gönnt sich vermeintlich etwas Edles. Goldschatz. 250 Gramm Vollmilch für 4,59 Euro. In der Schokothek an der Oberen Schrangenstraße zeigt Erik Pauly seinen Schatz: In Goldpapier gehüllt gibt sich die To'ak Islay Whisky Cask Aged wahrhaft edel: 200 Gramm kosten 225 Euro. "Eine der teuersten Schokoladen der Welt", sagt Erik. Ein besonderes Angebot für besondere Anlässe.
Dass der Preis als dekadent empfunden werden kann, ist dem Schokoladen-Experten klar: "Natürlich, kann man das so sehen. Aber es gibt auch Leute, die eine Flasche Wein für 15 000 Euro trinken." In dem kleinen Laden, den er mit seinem Parner Ole Wieck betreibt, reihen sich in der Vitrine Pralinen aneinander wie in der Auslage eines Juweliers. Kleine Köstlichkeiten für -- im Verhältnis -- kleine Preise. Handgemacht, bezogen von Manufakturen.
Massenware haben sie nicht, sie setzen auf Fein und einen Geschmack, der sie Zunge fordert, kitzelt, verwöhnt. So kamen sie auf die Kostbarkeit der Firma To'ak in Ecuador. Erik erzählt, die Kakaobohne sei quasi eine Wiederentdeckung, der Geschmack einzigartig. Diese genetisch reine Sorte lässt sich mehr als 5.300 Jahre zurückverfolgen – bis zu den frühesten, von Menschen kultivierten Kakaobäumen.
Die Südamerikaner beschreiben es so: "Die Kakaoernte stammt aus dem abgelegenen Tal Piedra de Plata in der ecuadorianischen Provinz Manabí – einer Region, die für den Kakao das ist, was Bordeaux oder Burgund für den Wein sind." Die gesamte Herstellung finde in Ecuador statt, unter fairen Bedingungen, zu höchsten Preisen für die Familien, die den Kakao liefern.
Die dunkle Schokolade reift vier Jahre lang, je nach Geschmacksrichtung in alten Congnac-, Rum- oder Whisky-Fässern. Schließlich kommt sie als limitierte Auflage auf den Markt, in einer handgefertigen Schachtel. Alles schiko und elegant.
"In Europa gibt es nur wenige Händler, die die Schokolade anbieten", sagt Erik. Die Lüneburger haben sich beworben, ihr Konzept von Nachhaltigkeit überzeugte die Firma. Die bietet auch günstigere Sorten an, die für 49 Euro und weniger zu haben sind -- selbstverständlich mit weniger Aufwand produziert.
Den Lüneburger Schoko-Männer ist bewusst, dass sie wahrscheinlich Geduld beweisen müssen, bis jemand die Hunderter für den Happen in Goldpapier auf die Theke legt: "Zu Weihnachten kommen die Hamburger aus Eppendorf und Harvestehude." Die Viertel, in denen sozialer Wohnungsbau die Ausnahme ist.
Erik selber hat die Luxus-Version noch nicht probiert, will er aber mit Freunden machen. Es dürfte für jeden nur einen Hauch geben -- ein Fest. Und so lange schmeckt auch eine der Pralinen für kleines Geld. Köstlich. Carlo Eggeling
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