Lüneburg, am Montag den 05.01.2026

Kleine Bühne, große Meinung Ist uns der öffentlich-rechtliche Rundfunk das wert?

von Winfried Machel am 02.01.2026


10.400.000.000 Euro – zehn Milliarden vierhundert Millionen Euro.
So viel nahmen ARD, ZDF und Deutschlandradio im Jahr 2025 ein. Mehr als jeder andere öffentlich-rechtliche Rundfunk weltweit. Eine Zahl, die erst einmal stehen bleiben darf. Und dann die Frage provoziert, die erlaubt sein muss: Ist das seinen Preis wert?

Zum Vergleich: Der Deutscher Bundestag, das größte und teuerste Parlamentsplenum der Welt, kostet den Steuerzahler pro Jahr rund 1.200.000.000 Euro – etwa eine Milliarde zweihundert Millionen Euro. Darin enthalten sind Abgeordnetenentschädigungen, Mitarbeiter, Verwaltung, Sicherheit und der gesamte Parlamentsbetrieb.

Damit ist klar: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verschlingt fast das Neunfache dessen, was das zentrale Organ unserer parlamentarischen Demokratie kostet.
Diese Feststellung ist kein Angriff. Sie ist kein Kulturkampf, kein Rundfunk-Bashing, kein populistischer Reflex. Sie ist eine schlichte Folge der Realität: Wer verpflichtet wird zu zahlen, darf fragen, was mit seinem Geld geschieht – und ob das Verhältnis noch stimmt.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat unbestreitbare Stärken. Verlässliche Nachrichten, regionale Berichterstattung, Kultur, Bildung, Programme jenseits des reinen Quotendrucks. Gerade in Zeiten von Desinformation ist das kein Luxus, sondern ein demokratischer Wert.

Und doch wächst das Unbehagen. Nicht am Auftrag, sondern an der Ausführung. Doppelstrukturen, eine kaum überschaubare Senderlandschaft, teure Unterhaltung, Gagen und Pensionen, die mit dem ursprünglichen Selbstverständnis nur noch lose verbunden sind. Wer sich fragt, ob wirklich jeder Showabend, jede Parallelredaktion und jedes zusätzliche Digitalkanälchen notwendig ist, stellt keine ketzerische, sondern eine vernünftige Frage.
Das Kernproblem ist nicht allein die Höhe der Summe. Es ist das Gefühl, dass Reformen eher angekündigt als umgesetzt werden. Dass Sparsamkeit eingefordert, aber selten vorgelebt wird. Dass Kritik häufig mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Systems beantwortet wird – statt mit Transparenz und Konsequenz.

Akzeptanz entsteht nicht durch moralische Belehrung. Sie entsteht durch Nachvollziehbarkeit. Durch das sichtbare Bemühen, mit Pflichtbeiträgen so umzugehen, als wären es die eigenen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist wichtig. Vielleicht wichtiger denn je.
Gerade deshalb darf – und muss – diese Frage immer wieder gestellt werden:
Sind uns 10.400.000.000 Euro, zehn Milliarden vierhundert Millionen Euro, dieser Rundfunk in seiner heutigen Form wirklich wert?

Nicht aus Ablehnung.
Sondern aus Verantwortung.

© Fotos: Pixabay Beispielfoto


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