Kritik am Trockendock — neue Nachbarn nicht willkommen
von Carlo Eggeling am 24.03.2026Unser schönster Platz soll schöner werden, daher empfiehlt die Verwaltung, den Sand mit einem Alkoholverbot zu belegen, eine Art Trockendock. Die Hoffnung: Diejenigen, die Trinken als ernsthafte Angelegenheit begreifen, meiden das 225 Meter und bis zu 40 Meter breite Oval. Weniger handfeste Diskussionskultur, weniger Elend und anderes, was sich seit vergangenem Sommer zumindest in der Wahrnehmung als zunehmend verändert hat. Die Verwaltung hat dem Ausschuss für Gefahrenabwehr die Ideen kürzlich skizziert.
Es soll auch künftig Oasen des betreuten Trinkens geben: Lokale dürfen weiterhin Bier und Wein kredenzen, beim Stadtfest und den Sülfmeistertagen gilt für alle: hoch die Tassen. Und wenn Lüneburg meint, sich Weihnachtsstadt nennen zu wollen, zieht der Glühweinduft über den gesamten Platz, da kann die Ordnungsmacht die Abstinenz schlecht bis gar nicht kontrollieren.
Thorben Peters, Chef der Herberge und Mitarbeiter des Diakonieverbandes, hält wenig von den Plänen. Das Problem werde nicht gelöst, sondern im Wortsinne verschoben: "Die Menschen werden sich andere Plätze suchen." Komme ein Verbot, müsste man es konsequenterweise dementsprechend auf die gesamte Innenstadt ausdehnen, darunter könnte dann auch die Kaufhaus-Brücke fallen, wo sich Menschen mit wenig Geld treffen und eben auch Bier und Wein trinken.
Zudem sei Alkohol nicht die einzige Sucht, viele, die sich am Platz aufhalten konsumierten zudem andere Drogen. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Die bleiben ohne Pulle dort. Mitarbeiter des Diakonieverbands haben mit den Betroffenen gesprochen. Die könnten sich vorstellen, an andere Orte wie den Wandrahmpark am Museum auszuweichen. Innenstadtnah und doch ein wenig abgeschieden, ähnliche Treffs gebe es bereits im Scunthorpepark neben dem Parkhaus am Rathaus sowie am Reichenbachplatz. Dort gebe es eine Toilette und einen Auffangbehälter für gebrauchte Spritzen. Setze die Stadt das Alkoholverbot ohne begleitendes Konzept um, komme das einem "Kontrollverlust" gleich.
Als Anlaufpunkt, so meinten Verwaltung und Teile der Politik im Ausschuss, soll die Szene den geplanten Treffpunkt an der Schießgrabenstraße ansteuern. Dort werde laut Sozialdezernat ebenfalls ein alkoholfreier Bereich entstehen, auch einen "Außenbereich" soll es geben. Willkommen sind die neuen Nachbarn nicht. Anwohner berichten, dass sie rechtliche Möglichkeiten prüfen, gegen den Betrieb vorzugehen. Laut Hauseigentümern und Anliegern wird überdies überlegt, den Zugang zum Grundstück von der Altenbrückertorstraße aus mit einem Tor zu schließen, auch über Zäune zum Grundstück Schießgrabenstraße werde nachgedacht. Wenn man zuhört, denkt man an einen Hochsicherheitsbereich.
Auf Nachfrage hält es Peters für wenig wahrscheinlich, dass die Klientel sich dort wohlfühlt. Auch könne ein Szenecafé nur ein Angebot der Sozialarbeit sein, Menschen zu helfen, einen Weg aus der Sucht anzustreben. Ob sie den Weg einschlagen, sei offen.
Und noch ein Kritikpunkt: Das Konzept der Stadt sieht vor, bei Verstößen gegen das Trinkverbot mit Geldstrafen von bis zu 5000 Euro zu reagieren. Wer mehr oder weniger durch das sogenannte soziale Netz gefallen ist, der dürfte kaum Geld haben, auch könnten ihm Bußgelder schlicht egal sein. Peters weist daraufhin, dass diese Maßnahmen Menschen in eine "Schuldenfalle" treiben würden.
Aus dem Rathaus heißt es zum Stimmungsbild aus der Nachbarschaft an der Schießgrabenstraße: "Nach der ersten Information durch die Stadt in Form einer Wurfsendung für die gesamte Nachbarschaft und der Presseberichterstattung gab es drei kritische Rückmeldungen. Als Reaktion darauf hat unter anderem ein Gespräch stattgefunden, in dem wir die Bedenken und Sorgen gehört haben. Wir werden versuchen, diese Bedenken und Sorgen durch entsprechende Maßnahmen zu zerstreuen, z.B. durch eine räumliche Abgrenzung des Außenbereichs, der außerhalb der Betriebszeiten abgeschlossen ist. Die Anwohnenden werden zudem im baurechtlichen Verfahren beteiligt. Sobald die Eröffnung ansteht, werden die Anwohnenden informiert und eingeladen."
Öffnen möchte das Sozialdezernat das Café an Werktagen für jeweils fünf Stunden. Personal werde noch gesucht. Wann der Treffpunkt öffne, sei noch unklar. Es seien baurechtliche Fragen zu klären, Umbauten nötig: "Sobald der Termin feststeht, werden wir darüber informieren."
Damit ist offen, ob geplante Alkoholverbotszone und Eröffnung des Cafés deckungsgleich sind. Auf der Tagesordnung für den Rat steht das Thema "Schnaps? Nein Danke!" für den 23. April. Dort müsste die Politik dem Alkoholverbot zustimmen. Als der Ausschuss jetzt tagte, hatten einige Vertreter der Parteien wie Jule Grunau von den Grünen noch Abstimmungsbedarf in ihren Fraktionen gesehen, sie enthielten sich der Stimme.
CDU-Mann Chris-Tobias Gerlach und FDP-Vertreter Cornelius Grimm merkten an, dass sich das Problem mit dem Aufbau der sogenannten Grünen Oasen verschärft und ausgedehnt habe. Sei es nicht sinnvoller, die Sitzmöbel wieder abzubauen? Nein, antwortete Dezernent Moßmann. Die Liegen kämen allgemein gut an, sie würden rege genutzt. Der Abbau wäre "ein Rückschritt".
SPD-Frau Antje Henze setzt auf die Betreuung der Klientel, das Café spiele dabei eine große Rolle. Allerdings können weder Sozialarbeiter noch Kommunaler Ordnungsdienst Menschen an die Schießgrabenstraße bringen. Das basiere auf Freiwilligkeit, bestätigt das Rathaus.
Moßmann war in der Sitzung klar, was auch Politiker ansprachen: Es dürfte einen Verdrängungseffekt geben. So ist beispielsweise der Vorplatz der Johanniskirche nicht als Verbotszone ausgewiesen, aber auch andere Punkte in der Stadt könnten Anlaufpunkte werden. bekanntlich klagen Geschäftsleute der Grapengießerstraße oder aus dem Wasserviertel über Gruppen, die trinken und die angrenzende Bereiche als "Toiletten" nutzen.
Kontrollieren soll die Abstinenzbereiche der Kommunale Ordnungsdienst, den Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch infolge der Klagen über die Verhältnisse am Sand vorschlug und der im Aufbau ist. Wie weit ist das Rathaus? Antwort: "Die ursprüngliche Zielsetzung war, das allgemeine Sicherheitsgefühl zu stärken. Dafür wurden 12 + 1 Vollzeitäquivalente vorgesehen, von denen wir aktuell rund zehn besetzt haben – mit inbegriffen der Zentrale Außendienst. In Kürze werden wir eine weitere Ausschreibung für den KOD auf den Weg bringen. Fakt ist aber auch, dass ein Thema wie die Alkoholverbotszone zusätzliche Kapazitäten binden wird."
Das Thema dürfte Lüneburg noch einige Zeit begleiten. Am Sand und an der Schießgrabenstraße. Dort hat die Stadt den Mietvertrag im Februar für drei Jahre abgeschlossen. Carlo Eggeling
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