Lüneburg, am Sonntag den 27.11.2022

LoCarlo: Aktivisten, ob es dafür eine Ausbildung samt Prüfung gibt?,

von Winfried Machel am 24.09.2022


Meine Woche
Schön. Einfach?

Ich weiß nicht weiter. Wo liegt die Zukunft? Am Dienstag hat mir die Zeitung erklärt, wie fein es sei, wenn man an der Neuen Sülze aus einem Parkstreifen einen Radweg macht. Aktivisten, ob es dafür eine Ausbildung samt Prüfung gibt?, erklärten, wie uns das in jeder Form nach vorne bringt. Ein Passant "seufzt", dass alles nicht viel schneller geht. Aber bloß keine Kritik, die Stadt tue schon so viel. Na ja. Andere Aktivisten, vielleicht besitzen die eine andere Ausbildung, hatten parallel über Tage die Soltauer Straße ebenfalls einseitig zum Radweg umgewandelt; es waren die, die im OB-Wahlkampf die Grünen unterstützt hatten: Rad- und Klimaentscheid, Speichen-Lobbyisten, denen mangelt es offenbar an Tempo bei der Lüneburger Verkehrswende. Aktivistisches Doppelleben? Jeder wertet anders.

Dann kommt eine Verwirrung hinzu, welche die Zeitung schafft. Da habe ich gerade quasi über Kette und Zahnkranz gestaunt, und dann steht auf der Seite genau daneben etwas zur "Faszination der Sportwagen", Porsche baut für rund zehn Millionen Euro ein Zentrum an die Lüner Rennbahn. Ein Plädoyer für eine Zukunft auf vier Rädern, statt auf zweien oder lastenraddreien. Was denn nun?

Und noch mehr Irritationen. Denn Ende August lautete die Schlagzeile: Kinder verlernen Radfahren. Mitte September habe ich im selben Blatt vom Autoboom gelesen: "580 Personenkraftwagen je 1000 Einwohner zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2021. In den vergangenen zehn Jahren sei die Pkw-Dichte durchgehend gestiegen, teilte die Wiesbadener Behörde am Donnerstag mit. 2011 habe es 517 Pkw je 1000 Einwohner gegeben. Die Zahl der in Deutschland zugelassenen Autos habe in dem Zehn-Jahres-Zeitraum deutlich stärker zugenommen als die Bevölkerung, bilanzierten die Statistiker." Damit nicht genug, auch in diesem Jahr geht es weiter: "Zum Stichtag 1. Januar 2022 waren nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes 48,5 Millionen Pkw zugelassen und damit so viele wie nie zuvor. Der Anstieg setzt sich fort: Zum 1. Juli zählte das Amt 48,7 Millionen Pkw und damit ein ein Plus von rund 151.000 Autos."

Wunsch und Wirklichkeit. Irgendwie kommt das Land nicht in der autoarmen Gesellschaft an. Auch wenn Fridays for Future gestern und damit zum elften Mal, wie Teilnehmer stolz betonen, auf den Klimwandel hinweisen und dazu auch noch die mitbringen, die ihnen angeblich die Zukunft klauen, nämlich Mama, Papa, Oma und Opa, setzen sich viele lieber hinters Steuer als hinter den Lenker. Unter anderem, um unsere juvenile Zukunft zur Schule zu fahren, weil -- das sagt uns eine Einschätung der Verkehrswacht -- Eltern die Radwege für so unsicher halten. Wohin man schaut: Dramen.

Dazu noch so eine vermaledeite Wirklichkeit, von der wir leider nichts bei den besorgten schreibenden Kolleginnen der Lokalzeitung lesen: Die Organisatoren hatten für ihren Freitag-Ummarsch 1500 Teilnehmer angemeldet, es kam ein Drittel. Bundesweit war es nicht anders. Das kann selbstverständlich angesichts drohender Katastrophen ein wenig untergehen. Propheten hatten es nie einfach. Denken wir an Moses, dem die Gefolgschaft davon lief, weil sie lieber ums Goldene Kalb tanzte. Dagriff dann der Herrgott ein.

Das biblische Aumaß führt zu weit. Denn zu mutmaßen, dass Menschen anderes beschäftigt wie hohe Benzin- und Energiepreise, geht selbstverständlich an der Sache vorbei.

Richtig gut finde ich, dass russische Soldaten, keine Lust haben, für Putin in den Krieg zu ziehen und Ukrainer totzuschießen, sie kehren ihrem Land den Rücken. Klar, müssen wir Desserteure aufnehmen. Also nur, wenn Platz ist, wenn es nach der Lüneburger Verwaltungsspitze geht. Denn da schlägt man Alarm, dass Bund und Land die Kommunen überfordern. Wirklich gemein. Krisen müssen besser planbar sein. So wie es 2015 und '16 war und alle, die Syrien kamen, sich vorher per Formular angemeldet hatten. Aber vielleicht täuscht mich meine Erinnerung.

Wenn die russischen Kreigsverweigerer kommen, ohne schwere Waffen, wie ich hoffe, bin ich gespannt, ob die sich dann in Notunterkunft-Turnhallen zu einem Friedenswodka mit geflüchteten Ukrainer hinsetzen. Das Unterbringungskonzept der Stadt wird das berücksichtigen. Ganz sicher. Übrigens passt es ganz gut, dass das Rathaus nicht mehr in ukrainischen Farben angestrahlt wird. Um Energie zu sparen. Die Haltung, man sieht es, ist energiepolitisch durchdacht.

Nehmen wir's gelassen mit dem Mann für viele Lebenslagen. Konstantin Wecker: "Gestern war die Welt noch eckig, heute ist sie kugelrund." Wird schon. Carlo Eggeling

© Fotos: Carlo Eggeling


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