Lüneburg, am Samstag den 31.01.2026

„Low-Hanging-Fruits“-Politik greift zu kurz –

von Jakob Blankenburg MdB und Philipp Meyn MdL - am 30.01.2026


Pressemitteilung
„Low-Hanging-Fruits“-Politik greift zu kurz – voreilige Zufriedenheit der Oberbürgermeisterin schwächt Arbeitnehmerinteressen
Die heutige Berichterstattung der Landeszeitung zur Anmietung neuer Büroflächen durch Jungheinrich in Moorfeld schafft Fakten – löst aber das zentrale Problem nicht: das Ende der Produktion am Standort Lüneburg und den drohenden Verlust von 240 Industriearbeitsplätzen.

Während der Konzern von einem „Bekenntnis zum Standort“ spricht und Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch erklärt, man müsse die Unternehmensentscheidung akzeptieren, dauert der Arbeitskampf der Beschäftigten inzwischen seit zehn Wochen an. Die entscheidenden Verhandlungen zwischen Jungheinrich und der IG Metall stehen noch bevor.
Besonders irritierend ist, dass die nun öffentlich hervorgehobenen 140 verbleibenden Arbeitsplätze nie zur Disposition standen. Sie entsprechen den ursprünglichen Plänen des Konzerns bereits vor Beginn des Streiks. Es handelt sich also nicht um ein neues Entgegenkommen, sondern um eine Wiederholung bekannter Zusagen. Die öffentlich zur Schau gestellte Zufriedenheit der Oberbürgermeisterin basiert damit auf keiner inhaltlichen Veränderung der Ausgangslage.

Dass die Oberbürgermeisterin diese Entwicklung öffentlich als „gute Nachricht“ bewertet ist ein Unding. Eine Politik, die sich an vermeintlichen low hanging fruits, sprich schnellen Erfolgen und schönen Bildern orientiert – Campusaufwertung, moderne Büroflächen, positive Schlagzeilen – verfehlt den Kern der Stadtentwicklung. Es geht nicht um schicke Arbeitsplätze für 140 Beschäftigte, sondern um den Erhalt industrieller Wertschöpfung und tarifgebundener Produktion in Lüneburg.

Jakob Blankenburg (MdB, SPD) erklärt dazu:
„Wer jetzt von einem ‚Bekenntnis zum Standort‘ spricht, blendet aus, dass gleichzeitig 240 Industriearbeitsplätze verschwinden sollen. Die 140 Büroarbeitsplätze standen nie infrage. Sie jetzt als Erfolg zu verkaufen, löst kein einziges Problem der Beschäftigten. In laufenden Tarif- und Standortverhandlungen braucht es politische Rückendeckung – keine voreilige Zufriedenheit.“
Besonders kritisch ist, dass Konzernvertreter offen darüber spekulieren, die Streikbereitschaft könne nun „bröckeln“. Öffentliche Signale aus Politik und Verwaltung wirken unmittelbar in laufende Verhandlungen hinein. Wer in dieser Phase den Eindruck erweckt, die Angelegenheit sei im Wesentlichen geregelt, steht nicht an der Seite der Arbeitnehmenden bei Jungheinrich und den Zulieferbetrieben in Stadt und Landkreis.”

Philipp Meyn (MdL, SPD) betont:
„Der Streik der Kolleginnen und Kollegen bei Jungheinrich ist mutig und unterstützenswert. Wer ihn indirekt als erledigt darstellt, schwächt die Arbeitnehmerseite und stärkt den Konzern. Lüneburg braucht industrielle Wertschöpfung und gut bezahlte Arbeitsplätze – nicht nur schöne Gebäude und Power-Point-Präsentationen.“ Der Streik der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verdient Respekt und Unterstützung. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Er ist Ausdruck legitimer Interessenvertretung und kein Störfaktor.

Gemeinsam stellen Meyn und Blankenburg klar:
„Wir stehen klar an der Seite der Belegschaft und der IG Metall. Lüneburg darf nicht zu einem reinen Dienstleistungsstandort werden, in dem Industriearbeit Schritt für Schritt verschwindet. Gute Industriearbeitsplätze sind kein Auslaufmodell, sondern eine Zukunftsfrage für die Region.“
Jetzt braucht es keine vorschnellen Erfolgsmeldungen, sondern klare politische Haltung, Rückendeckung für die Beschäftigten und ernsthafte Anstrengungen, industrielle Arbeit in Lüneburg zu erhalten. Alles andere wird der Tragweite dieser Entscheidung für Stadt und Region nicht gerecht.

© Fotos: Blankenburg / Meyn


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