Lüneburg rätselhaft spannend
von Carlo Eggeling am 02.01.2026Der Mann war ein hervorragender Wissenschaftler, er sprach mehrere slawische und finno-ugurische Sprachen, dazu germanische Dialekte. Im Ersten Weltkrieg diente er als Dolmetscher. Seine Familie gehörte über Jahrzehnte zur Gesellschaft, als Bankiers und Unternehmer Mäzene der Kultur, engagiert in der jüdischen Gemeinde, die Namen Heinemann und Jacobsohn besaßen Klang. Als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen, wollten sie vergessen machen, welche selbstverständliche Bedeutung Juden in Deutschland hatten: im Geschäftsleben, in Wissenschaft, Kultur und Militär -- im Alltag.
Professor Dr. Hermann Jacobsohn, Jahrgang 1878, erschien die Lage so aussichtlos, dass sich der Sprachwissenschaftler und Jude im April 1933, ein Vierteljahr nach der sogenannten Machtergreifung der Nazis, das Leben nahm. Man hatte ihn wie ander "mosaischen Glaubens" aus dem "Staatsdienst entfernt". Dass man sich heute wieder an den ehemaligen Schüler des Johanneums erinnern kann, ist ein Verdienst Dirk Hansens.
Bei dem nötigen Ernst kann Hansen auch heiter. Der Historiker und ehemalige Ratsherr der FDP ist ein ein exzellenter Kenner der Lüneburger Geschichte. Nach zehn Jahren beschäftigt sich der Autor erneut mit Frauen und Männern, die eine Rolle in der Geschichte der Stadt spielten. "Alte und neue Lüneburg-Rätsel" nennt er sein "Who is who?", also Teil 2.
Heinrich Heine, der einen Kulturableiter am Rathaus ausmachte, Johann Sebastian Bach, zwei Jahre die Michaelisschule besuchte, sicher auch den Heide-Dichter Hermann Löns verbindet man mit der Salzstadt. Doch die Bekannten fehlen, dafür lenkt Hansen den Blick auf die, die sich als bekannte Unbekannte etwa in Straßennamen finden. Künstlerinnen, Sportlerinnen, Mediziner, Wissenschaftler, Politiker. Spiegel der Zeiten, Spiegel einer Vielfalt. Lüneburg facettenreich.
34 Kapitel je zwei Seiten stark, bebildert mit Fotos, Gemälden und Archivalien machen Lust auf das historische Lüneburg.
Natürlich spielt Lokalpatriotismus eine Rolle, wie sollte es anders sein, wenn jemand in seiner Stadt zu Hause ist, ihr Leben lebt und liebt? Dirk Hansen, zwanzig Jahre Mitglied des Rates, Anfang der 1990er Jahre Bundestagsabgeordneter, engagiert im ALA, Mitinitiator des Salzmuseums, Autor zahlreicher Aufsätze hat sich wieder einmal ehrenamtlich eingesetzt. Der Erlös seines Buches kommt dem Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg zugute.
Erhältlich ist das Buch im Museum und im interessierten Buchhandel, es kostet zehn Euro. Carlo Eggeling
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