Martin Lühmann ist den Grünen nicht mehr grün
von Carlo Eggeling am 05.02.2026Schnauze voll, Konsequenzen gezogen: Martin Lühmann ist aus der Grünen Partei und der Ratsfraktion ausgetreten. Sein Mandat im Rat will er behalten und „weiter Politik für Lüneburg machen“. Die Kündigung kam per Mail. Für die Partei ist der Austritt ein Verlust, Lühmann ist einer der wenigen, die in der Stadt verankert sind. Der Wirt des Anno 1900 in der Altstadt ist mit fast jedem per Du und erreicht vor allem die, die nicht aus dem universitären und Staatsdiener-Milieu kommen.
Wer Lühmann lange kennt, wunderte sich, warum er überhaupt bei den Grünen gelandet ist. Das Engagement rührt aus seiner kritischen Haltung, das am sogenannten Grüngürtel West geknabbert werden sollte. Dazu kamen persönliche Kontakte zum ehemaligen grünen Landtagsabgeordneten Andreas Meihsies, der die Partei vor Jahren im Streit verlassen hat. Der andere Freund ist Fraktionschef Ulrich Blanck, der bei Lühmann gern ein Bier trinkt und ihn bei seiner Kandidatur unterstützte.
Die Schnauze voll hat Lühmann davon, in seiner Fraktion belächelt zu werden. Man hat ihn hinter vorgehaltener Hand als „Schnitzel-Martin“ verspottet, weil er in seinem Lokal Riesen-Schnitzel anbietet. Sein hemdsärmeliger Umgang und sein Eintreten für wirtschaftliche Interessen beispielsweise für die Schausteller passte nicht zur Öko-Linie der Partei.
Lühmann hatte sich dafür eingesetzt, den Weihnachtsmarkt zu verlängern, damit die Branche Geld verdienen kann und die Weihnachtsstadt ein paar Tage mehr Kunden in die Läden zieht. Den Antrag musste er schließlich, so erzählt er es, der SPD überlassen. Als er ihn mitunterschreiben wollte, habe es Kritik gegeben — Konsum ist doof.
Nicht nur von Lühmann ist zu hören, dass der Ton in der grünen Ratstruppe vor allem von einer linken und als elitär empfundenen Riege gesetzt werde. Es fallen Namen von Frauen, die kompromisslos beispielsweise in Sachen Mobilität und Fahrrad auftreten würden. Kompromisslosigkeit mache aber wenig Sinn, wenn viele, die nicht in grün nahen Organisationen wie ADFC, VCD und Radentscheid unterwegs seien, inzwischen allergisch reagieren, wenn sie nur das Wort Radfahrer hören.
Wie Ideologie in die Hose ging, war im Rat zu besichtigen. Die Ilmenaustraße sollte Teil des ohnehin umstritten Fahrradstraßenrings werden. Dafür hätten Parkplätze weichen und einige anders, nämlich längs angelegt werden müssen. Lühmann sagt, er habe als einziger mit Anwohnern und Geschäftsleuten an der Ilmenaustraße gesprochen, um sich deren Bedürfnisse anzuhören. Streit im Rat, am Ende schwenkten Grüne und Linke auf die Maximalforderung des Radentscheid ein: alle Parkplätze streichen. Es gebe genug Parkhäuser.
Damit war eine greifbare Lösung vom Tisch, ein paar Stellplätze weg und Vorrang für Radfahrer. Die Ratsmehrheit stoppte angesichts des grünen Auftretens das gesamte Projekt. Bei den Grünen empfand nicht nur Lühmann das Vorgehen schlicht als dämlich.
In anderen Fraktionen, aber auch bei den Grünen, ist unter der Hand zuhören, dass eine Nachrückerin in der Fraktion am Stuhl des Vorsitzenden Blanck säge. Die Aspirantin pflege einen als aggressiv empfunden Umgang, der Widerspruch kaum zulasse. Das ist übrigens seit Monaten Grundrauschen rund um den Rat.
Angeblich gibt es bereits ein Gerangel darum, wer künftig die Ausschüsse besetzen kann, die Lühmann als Fraktionsloser verlassen muss. Für das Ticket zum Hansetag, das er wohl nicht wahrnehmen darf, weil es den Grünen zusteht, soll sich schon eine Bewerberin gemeldet haben — eine, die mit „Schnitzel-Martin“ öfter über Kreuz liegt.
Ratspolitik will Lühmann weitermachen. Pragmatisch, wie er sagt. Eben auch wirtschaftsnah, denn die Unternehmen zahlen Steuern, die es brauche, um Ideen umzusetzen: „Lüneburg liegt mir am Herzen.“ Carlo Eggeling
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