Michèl Pauly möchte zurück in den Rat
von Carlo Eggeling am 29.08.2025Lüneburger Gesichter (79) + in lockerer Reihe stelle ich unbekannte Bekannte vor Im Stadtrat zählte Michèl Pauly über Jahre zu den profiliertesten Köpfen, für die Linke lieferte er sich lautstarke scharfe Debatten mit dem damaligen Oberbürgermeister Mädge. Mädge ging in den Ruhestand, Pauly gehörte dem "Nachfolger-Rat" nur kurz an, er verließ Partei und Parlament, weil er der Haltung der Linken zum Ukraine-Krieg nicht folgen wollte. Nun könnte er zurückkehren -- für Volt. Die Gruppierung gilt als sozialliberal, progressiv und europäisch-föderalistisch. Die Partei, die bei der Europa-Wahl gut abschnitt, bereitet sich auf die Kommunalwahlen im Herbst kommenden Jahres vor, mit guten Aussichten, in Räten und Kreistag Mandate zu erringen. Pauly geht davon aus, dass seine neue Partei ihn für die Wahl zum Stadtrat aufstellt, er bringe lokalpolitische Erfahrung und Expertise mit. Er sagt: "Das Kommunalwahlprogramm von Volt wird gerade erstellt. Für Niedersachsen wird es zunächst ein ‚Rahmenwahlprogramm‘ geben als Grundausrichtung von Volt im ganzen Bundesland. Das wird voraussichtlich am 27./28. September auf dem Landesparteitag beschlossen -- der übrigens in Lüneburg stattfindet. Danach wird es um das kommunale Programm in Lüneburg, in Harburg und auch im Wendland gehen. Bei der Programmdebatte habe ich angeboten, meine kommunalpolitische Erfahrung mit einzubringen. Ich bin dort aber bisher ohne jede Funktion einfaches Basismitglied." In Lüneburg sei er nach wie vor mit vielen Lokalpolitikern in Kontakt, parteiübergreifend. Mit der AfD will er allerdings nichts zu tun haben. Sein Angespanntes Verhältnis zur SPD habe viel mit Mädge zu gehabt: "Die SPD von heute hat nicht mehr viel mit der SPD von vor Jahren zu tun." Die habe er damals als "unkritisch gegenüber der Verwaltung" erlebt. Das würden die Sozialdemokraten in dieser Absolutheit sicher bestreiten. Jedenfalls, sagt Pauly, er pflege Austausch auch mit Sozialdemokraten. Gleiches gelte für andere Parteien. Generell sei Volt in alle Richtungen offen, wie man andernorts zeige. Pauly verweist auf andere Städte und Gemeinden und damit darauf, wie flexibel es in seiner neuen politischen Heimat zugeht: "In Braunschweig gibt es eine Gruppe mit der Linken. In Hannover gibt es sowohl Zusammenarbeit mit den Grünen und der Piratenpartei als auch mit der Partei DIE PARTEI. In Hamburger Bezirken wurden jüngst Koalitionen mit CDU, FDP und SPD gemeinsam erwogen und verhandelt (die dort an der CDU-Verkehrspolitik scheiterten). In Bardowick gibt es den ersten Volt-Mandatsträger der mit der SPD eine Gruppe bildete. In Wiesbaden gibt es eine Koalition aus SPD, Grünen, Volt und Linken. Es gibt auch Zusammenarbeiten mit der FDP." Dass ihn Lokalpolitik weiter umtreibt, zeigte er, als er Ratssitzungen als Live-Stream ins Netz stellte -- gegen anfänglichen Unwillen im Rathaus. Inzwischen erledigt die Verwaltung diesen Part selber. Öfter sitzt Pauly im Publikum, um die Sitzungen zu verfolgen. Nun stellen die Grünen die Oberbürgermeisterin: "An denen habe ich auch Kritik." So komme es ihm vor, als würden "die öffentlichen Betriebe im Autopilot gefahren". Also zu wenig politisch bestimmt. Vor dem Wechsel zu Volt hat Pauly berufliche Konsequenzen gezogen. Er hatte trotz seines Austritts in Lüneburg weiter als Finanzreferent für die Fraktion der Linken in der Hamburger Bürgerschaft gearbeitet: "Nach der Bürgerschaftswahl lief dieser Arbeitsvertrag zum Juni diesen Jahres aus. Danach habe ich mich arbeitslos gemeldet und mache mich nun selbstständig. Ob Voll- oder Hauptzeitselbstständig, wird man sehen." Und weiter: "Das Beschäftigungsverhältnis geht meiner Überzeugung nach mit einer gewissen Treuepflicht einher, die zumindest ausschließt, sich aktiv bei einer anderen politischen Formation zu engagieren. Wie sollte das auch gehen? 9-17 Uhr überzeugt für Die Linksfraktion in Hamburg arbeiten und ab 17:30 dann für eine politische Konkurrenz streiten? Die Linksfraktion Hamburg als Arbeitgeber ist auch nach meinem Austritt aus der Linken sehr fair mit mir umgegangen, und so wollte ich auch meinerseits fair bis zum Ende gegenüber meinem Arbeitgeber sein." Nun lautet ein Ziel, von Volt nominiert zu werden, um dann in den Lüneburger Rat einzuziehen. Schafft Pauly das, dürften Rats- und Ausschusssitzungen wieder einen anderen Ton bekommen, auch einen kritischeren. In mehrere Richtungen. Carlo Eggeling
© Fotos: Pauly / ca
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