Lüneburg, am Donnerstag den 08.01.2026

Moin schlittert durch den Tag — Antworten gibt es nicht

von Carlo Eggeling am 05.01.2026


Man möge auf den "Aushangfahrplan" und die Kennzeichnung an den Bussen achten, heißt es auf den Anzeigetafeln der neuen Nahverkehrsgesellschaft Moin. Ein Tipp, der Dutzenden Kunden am Sand nur begrenzt nutzt: Denn ein Bus nach dem anderen kommt, an dem gar keine Linie zu erkennen ist. An anderen Fahrzeugen leuchtet das Ziel hingegen auf dem Display auf. Fahrgäste fragen Fahrer, um zu erfahren, wo sie denn einsteigen können. Nur eins von mehreren Problemen, mit den die Mitarbeiter von Moin-Geschäftsführer Nikolas Wenzel kämpfen.

Alt-OB Ulrich Mädge ist seit Jahrzehnten Buskunde und im Seniorenbeirat zuständig für das Thema Nahverkehr. Ihn ärgert, dass man in den Bussen keine Ticket kaufen kann, sondern nur noch mit Karten-Bezahlsystemen mitgenommen wird. Er habe in der Mobilitätszentrale am Bahnhof so eine Karte kaufen wollen: "Der Moin-Schalter war nicht besetzt, es hieß, den ganzen Tag nicht." Er habe schließlich einen HVV-Rohling erhalten, den er er bei Budnikowsky am Sand aufladen könne: "Das soll die einzige Stelle in der Stadt sein, wo das geht. Die Kassiererin wusste das nicht."

Mädge, der am Sand auf den Bus wartete, sagt: "Was macht der, der nicht gut laufen kann, wie kommt der ohne Fahrschein vom Bahnhof in die Stadt? Und: Meine Linie 11 sollte durchfahren bis in die Stadt, aber am Bahnhof war Schluss, ich musste umsteigen." Verwirrung auch beim Bazahlen: "In KVG-Bussen kann man laut Fahrer noch mit Geld eine Karte lösen, die Moin-Busse sollen gar keine Kasse eingebaut haben. Was gilt denn nun?" Er will die Unzulänglichkeiten im Fahrgastbeirat auf den Tisch legen.

Mädge war nicht der einzige, der genervt an der Haltestelle stand. Andere Kunden fühlten sich ebenfalls hilflos, weil sie nicht wussten, wie sie beispielsweise nach Hause ins Rote Feld kommen sollten. "Es sollte mit Moin alles besser werden", sagt eine Seniorin. "Sieht gerade nicht so aus. Im Gegenteil." An den Bussen konnten die Kunden statt Fahrzielen lesen: Leerfahrt, Werkstattwagen, Adventsshuttle.

Mit der Moin sollten das sogenannte Fahrgast-Informationssystem endlich an den Start gehen. Seit Monaten hängen Tafeln im HVV-Rot an verschiedenen Stellen der Stadt. Einige Linien erscheinen in Leuchtschrift, andere nicht. Fahrzeiten stimmen nicht beziehungsweise die Busse sind längst durch. Auf Displays können Kunden auf eine Botschaft blicken, die sie seit Monaten kennen: "Sehr geehrte Fahrgäste! Hier entsteht ein neues dynamisches Fahrgastinformationssystem."

Dynamisch. So wirkt es gerade nicht. Es ist der erste Tag, an dem Moin mit neuen Linien und Konzept unter den realen Bedingungen eines Arbeitstages an den Start geht. Doch nach Ansprechpartnern, die Kunden informieren, beraten und für Moin mit einem Moin werben, sucht man vergebens. Vielleicht wissen auch die Moin-Leute nicht, wo ihr Bus wann abfährt. Es wirkt ziemlich abgefahren.

Morgen, Dienstag, beginnt der Unterricht nach den Weihnachtsferien wieder. Das bedeutet Schulbusverkehr und die nächste Herausforderung. Während der Landkreis Lüchow-Dannenberg bereits am Nachmittag eine Pressemitteilung versandt hat, dass es zu Verzögerungen kommen werde, war in Lüneburg nichts zu lesen und zu hören. Moin?

Die Pressestelle der Moin war telefonisch nicht zu erreichen. Eine schriftliche Anfrage wurde bis 18.20 Uhr nicht nicht beantwortet. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


Kommentare Kommentare

Kommentar von Chris
am 05.01.2026 um 18:39:58 Uhr
Moin ist ein unfreundliches Unternehmen und lässt alte Leute am Sande stehen die verzweifelt ein Ticket kaufen wollen und sagt original ist nicht mein Problem alterchen musste dich selber informieren. Wer so mit Kunden umgeht hat seinen Job verfehlt. Und kleiner Tip kein Schwein kontrolliert das Ticket weil es nicht gescannt wird. Könnte den ganzen Tag mit einem Screenshot fahren und nur einmal zahlen.
Kommentar von Ali Savas
am 05.01.2026 um 22:16:15 Uhr
Ich versuche nun mehrfach MOIN zu erreichen, aber fehlanzeige. Die Telefonnummer, die in den Sozialen Medien und auf der Webseite geteilt wird, kann mir auch keine Infos geben, sie seien nur Dienstleister. Ich bin blind und benötige die Abfahrtszeiten im DB Navigator, aber vergeblich. Niemand kann und möchte mir sagen, wann und ob die Fahrzeiten wieder im DB Navigator erscheinen.
Kommentar von SaBi
am 06.01.2026 um 07:04:43 Uhr
Moin, ja es kann nur besser werden...
Am Neujahr haben mich direkt 2 Linien einsam Am Sande stehen lassen. Viele Fahrgäste müssen nach Einführung der neuen Linien sehr viel weiter zur nächsten Haltestelle laufen oder sogar umsteigen! Bezahlung ohne Bargeld ist diskriminierend. Punkt. Ich kann also Unternehmen nicht die Digitalisierung einiger Personengruppen erzwingen. Persönlich ist mir auch noch aufgefallen, wie muffelig die Fahrer:innen sind. Wo sind die "alten" Fahrer, die stets freundlich gegrüßt haben oder wenn der Bus Am Sande mal wieder soweit weg oder eng steht, dass man die Linie nicht erkennen kann, sowie überhaupt angezeigt wird, einen noch einsteigen lassen, wenn die Türen schon zu sind.....man kann doch bei Eis-und Schnee nicht den Kunden stehen lassen...... usw....usw... 🤷‍♀️
Kommentar von Christian Lemke
am 06.01.2026 um 11:49:35 Uhr
Ich kann die Kritik an MOIN nicht nachvollziehen. Seit Monaten ist bekannt gewesen, das das Bezahlen mit Bargeld in den Bussen abgeschaft wird. In Hamburg hat es doch auch geklappt. Die Lüneburger sind halt ein sehr stures Volk und absolut nicht bereit für neues. Ich habe bisher keine Probleme mit MOIN. Ich bin froh das die KVG weg, ist. Es war der reinste Sauladen Busse fielen aus man kam dadurch zu spät zur Arbeit o.ä. Wo sollen den freundliche Busfahrer von der KVG gewesen sein, bis auf wenige Ausnahmen gab es bei der KVG keine freundlichen Fahrer. Die Busfahrer fuhren teilweise ab wann die wollten, Fahrpläne existierten für die nicht. Dann soll die KVG besser gewesen sein, nein das war sie definitiv nicht. MOIN ist besser wie die KVG.


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