Lüneburg, am Dienstag den 10.02.2026

Moin will besser werden — Learning by doing

von Carlo Eggeling am 10.02.2026


Es liege eine "gewisse Beschwerdelage" vor, bilanzierte Stefan Borchers am Dienstagnachmittag im Mobilitätsausschuss des Landkreises. Der stellvertretende Fachdienstleiter ÖPNV nahm für den Kreis als sogenannter Auftraggeber der Verkehrsgesellschaft Moin Stellung zu gut sechs Wochen Busbetrieb.

Zwei Vertreterinnen von Schulelternräten aus Scharnebeck und des Johanneums beschrieben die gewisse Beschwerdelage realitätsnäher: Busse fielen aus oder seien so voll, dass sie an Haltestellen vorbeiführen, Kinder würden stehengelassen. Linien würden anders geführt, sodass Mädchen und Jungen etwa der katholischen St. Ursula-Schule ihr Ziel nicht mehr direkt erreichten. Anzeigesysteme gingen nicht oder wiesen in die Irre. Der Hinweis, Fahrpläne über das Handy und Nachrichten über einen WhatsApp-Kanal abzurufen, greife nicht: Fünft- und Sechstklässler besaßen kein Smartphone oder seien so aufgeregt, dass sie in Stress und Angst die Technik nicht nutzen könnten.

Ausschussmitglieder nannten weitere Schwächen, zeigten aber viel Verständnis für die Probleme für den kreiseigenen Transporter. Was nicht erstaunt, schließlich hatten sie einstimmig dafür votiert, ein kommunales Unternehmen zu gründen. Olli Glodzei von den Grünen nahm die Politik in Verantwortung, man habe Moin-Geschäftsführer Nikolas Wenzel, seit reichlich zwei Jahren im Amt, und seiner Crew zu wenig Zeit gegeben, alles auf Kiel zu legen.

Was Wenzel und seine Kollegen vortrugen, klang nach Learning by doing und einer markigen Sprache. Man "eskaliere" Gespräche mit Partnern. Auch das französische Jour fix war sehr en vogue. Die Moin alleine besitzt nicht genug Busse, also hat sie weitere Unternehmen dazugeholt. In täglichen Besprechungen debattiere man die Lage, um nachzubessern.

Denen allerdings fehle es unter anderem aus verschiedenen Gründen an Personal. Ausfälle. Die Folge: Der Betrieb der Schulbusse im Bereich Bleckede, Dahlenburg und Scharnebeck funktioniere zeitweilig eher zufällig. Eltern-Taxis fuhren. Es klingt so männlich wie weiland John Wayne auf einem Kutschbock im Western, wenn Wenzel das Publikum staunen lässt: "Alles, was einen Führerschein besitzt, ist auf die Busse gegangen." Auch er selber, hatte er vor Wochen bei einer Pressekonferenz gesagt. Was ungewöhnlich scheint, gemeinhin sollte ein Nahverkehrsunternehmen über einen Notfallplan verfügen.

In Not wirken Fahrer, die nach Beschreibung von Eltern Routen nicht kennen und Schüler zwar absetzen, allerdings nicht da, wo sie hin wollen. Sprachliche Probleme führten zu einer bisweilen eingeschränkten Konversation, nicht jeder Fahrer beherrsche ausreichend Deutsch.

Die frohe Kunde des Moin-Trios: "Heute gab es keine Ausfälle!" erntete Widerspruch des Schülervertreters: "Ihr eigener WhatsApp-Kanal nennt zwei, drei ausgefallene Touren." Zumindest für den jungen Mann funktioniert die Nachrichtentechnik.

Ein Anzeigesystem, das in Echtzeit Verbindungen melden soll, konnte seinen zehnjährigen Geburtstag feiern, waren sich Borchers und Glodzei einig, schon vor 2015 habe man vermeldet, es geht los. Wurde nix. Nun hängt und steht es, läuft jedoch begrenzt. Die Begründung ein melodischer Evergreen: Eine Schnittstelle in der digitalen Welt will einfach nicht so wie Konstrukteure.

Der Winter ist obendrein tückisch. Dass Busse auf schlecht geräumten Straßen keine Petersburger Schlittenfahrt veranstalten sollten, ist nachvollziehbar. Dass man allerdings auf Busse setzt, deren Türen und Partikelfilter bei Minusgraden einfrieren, wirkt nicht nach vorausschauender Planung. Mit Wetter dieser Güte sollte man nicht nur in Lappland von Dezember bis Ende Februar rechnen.

Es gibt Erfolge. Die umstrittenen Prepaid-Karten funktionieren inzwischen beim Umsteigen. Allerdings kann man sie nicht überall erwerben und aufladen. Damit soll jetzt in der Gemeindeverwaltung Gellersen begonnen werden. Neben Reppenstedt gibt es ein paar mehr Rathäuser im Kreis. Irgendwo muss man anfangen. Und wie hätte man das vor dem geplanten Moin-Start im Januar vorbereiten können?

Auch an anderer Stelle braucht es Geduld. Aktuell liegen 120 Beschwerde-Mails vor, so die Moin. Wann die abgearbeitet seien? Schulterzucken, man bemühe sich.

Die Politik reagierte freundlich, verständnisvoll und atmete dankbar auf, als Betriebsleiter Timo Kniestedt Gefühle zeigte: Man sei eng dabei, er persönlich von sechs Uhr morgens an, "wir kämpfen täglich und werden immer etwas besser. Wir sind mit Herzblut dabei." Kreis- und Moin-Vertreter waren sich einig, in den Osterferien soll es den nächsten Qualitätssprung geben, also in sechs Wochen. Natürlich sei man in der Zwischenzeit aktiv.

Versöhnlich wurde es mit einem zunächst kritisierten SPD-Antrag, das bargeldlose Bezahlen zu verbessern und damit Vorbild und Motor im HVV-Gebiet zu werden. Daran arbeite die Moin bereits, hieß es von anderen Parteien. Doch am Ende versammelte sich die Politik hinter Ausschussvorsitzendem Jakob Blankenburg. Ein gemeinsamer Beschluss würde Landrat Jens Böther (CDU) im HVV-Aufsichtsrat mehr Gewicht geben, wenn er dieses Anliegen zum Thema mache. Nun feilen alle, tauschen sich aus, und dann geht’s gemeinsam nach vorn. Moin. Carlo Eggeling

© Fotos: Moin


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