Lüneburg, am Sonntag den 27.11.2022

Neue Pläne am Markt! — Zieht die Marketinggesellschaft um?

von Winfried Machel am 20.11.2022


Melanie-Gitte Lansmann hatte gerade erst auf dem Chefstuhl der Lüneburg Marketing GmbH Platz genommen, da war ihr klar, dass ihr Büro an der Wallstraße abseits liegt: "Wir sind zu weit weg von der Touristeninformation im Rathaus und auch vom neuen Standort Kuhstraße", sagte sie im März. Mitten in die Stadt solle es idealerweise gehen. Jetzt scheint es eine Möglichkeit zu geben: das Haus der Buchhandlung Lünebuch. Bekanntlich ist die an die Grapengießerstraße umgezogen.

In Geschäftswelt und Politik wird schon länger davon erzählt, dass es für die Immobilie zwei Interessenten gebe: eine Kette für Bekleidung und eben die Marketing GmbH. Unter der Hand sind mögliche Pachtzahlungen zu erfahren, zwischen 15 000 und 18 000 Euro im Monat. Ein entsprechender Vertrag solle für 15 Jahren geschlossen werden.

Das Haus ist groß, neben der Marketing, die sich hier zentralisieren solle, habe auch die Stadt Interesse Flächen zu nutzen. Die Buchhandlung nutzte drei Geschosse, darüber liegt ein weiteres. Antworten auf Fragen an Marketing und Rathaus bleiben (noch) vage. Marketingchefin Lansmann sagt vor einigen dazu: "Die Planungen sind leider noch nicht so weit gediehen, dass ich dazu was sagen könnte. Ich bitte um etwas Geduld."

Oberbürgermmeisterin Claudia Kalisch, die zudem Aufsichtsratsvorsitzende der LMG ist, lässt über ihre Pressestelle antworten: "Es ist richtig, dass die Lüneburg Marketing GmbH eine interessante Idee entwickelt, um im Herzen der Stadt einen gemeinsamen Anlaufpunkt sowohl für Gäste der Stadt wie auch für Einheimische einzurichten. Der Aufsichtsrat begrüßt diese Idee grundsätzlich. Und als Oberbürgermeisterin kann ich sagen, dass wir laufend über die Anmietung geeigneter Büroflächen nachdenken. Der Markt ist eng, die Verwaltung auf viele verschiedene Gebäude verteilt, das ist kein Idealzustand."

Und weiter: "Im Laufe der nächsten Woche gibt es noch Austauschrunden dazu, in denen genauer abgeklopft wird, ob und wie die Idee realisiert werden kann. Da geht es dann zum Beispiel auch um die Finanzierung und geeignete Örtlichkeiten. Zu einzelnen Örtlichkeiten und gegebenenfals. weiteren Details äußern wir uns erst nach Ablauf aller nötigen Gespräche."

Einzelne Örtlichkeiten. Dabei soll es angeblich unter anderem um das ehemalige McDonalds-Haus am Sand gegangen sein. Eine Bestätigung war nicht zu erhalten.

Sollten LMG und Verwaltung tatsächlich in den Komplex ziehen, müsste dort einiges hergerichtet werden. Denn das Haus, in seinen jahrhundertealten Wurzeln der "Schütting", ein Gästehaus der Stadt, in dem man tafelte, wurde abgerissen und 1962 als Neubau und Kaufhaus für Bekleidung wieder errichtet. Den Gerüchten zufolge könnte im Erdgeschoss Touristen-Information und öffentliche Bereiche des Marketings einziehen. Darüber könnten Büros liegen, doch das würde einige Umbauten bedeuten. Wie bewältigt man Publikumsverkehr, der in obere Geschosse möchte? Geht das mit der großen Treppe? Was ist mit Brandschutz und dem Aufzug? Wie viele Toiletten benötigt man? Wer kommt für nötige Veränderungen auf? Wie weit sind Verhandlungen mit den Vermietern gediehen?


Am kommenden Mittwoch tagt der Wirtschaftsausschuss des Rats. Ein Thema ist auch der Etat für die Marketinggesellschaft. Der soll im kommenden Jahr rund 1,75 Millionen Euro betragen. Nach dem die Stadt als einer der Gesellschafter und größten Zahler ihren Zuschuss bereits um 100 000 auf 433 000 Euro erhöht. Und die Stadt möchte für 2023 noch einmal 100 000 Euro drauflegen. In der Vorlage heißt es: "Der Grund für die Erhöhung ist, dass der Finanzbedarf der LMG aufgrund der aktuellen Krisen ebenfalls angestiegen ist und die Gesellschaft zusätzlich Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre bekommen soll." Die Politik könnte sich die Frage stellen, ob die Erhöhung etwas mit einem neuen Standort zu tun haben könnte.

Ein Kostenfaktor fällt im kommenden Frühjahr weg: Der Shop an der Kuhstraße, der ursprünglich Standort für eine Belebung der Innenstadt und gegen Leerstand sein sollte, schließt dann. Der Mietvertrag läuft aus. Wie berichtet, liegt die Kaltmiete bei mehr als 2000 Euro pro Monat zuzüglich Nebenkosten. Carlo Eggeling

Der historische Hintergrund: Im „Schütting“ tafelte man. Die Stadt bewirtete hier Gäste, Kaufleute und Handwerker trafen sich hier in Gilden und Zünften zu Versammlungen. Doris Böker beschreibt es in der Lüneburger Denkmaltopographie so: „Das nach 1466 etablierte Gesellschaftshaus des Rates setzte einen städtebaulich bedeutenden Akzent gegenüber dem Rathaus.“ Das galt eben auch gesellschaftlich. Später zog das Bekleidungshaus Grote ein.

Wie schon an anderer Stelle interessiert man sich im Lüneburg der Aufbruchzeit der 1960er-Jahre nur begrenzt für das alte Antlitz der Straßen und Gassen. Abriss. Die LZ reagiert begeistert. Im November 1962 heißt es: „Der Grote-Neubau präsentiert sich als architektonisch wohlgelungene und betriebstechnisch durchdachte Lösung. Der Doppelgiebel des in Stahlskelettbau errichteten Geschäftshauses, bei dem neuartige Beton-Fertigdecken verwendet worden sind, fällt vor allem durch seine schöne Front aus handgestrichenen holländischen Ziegeln auf.“ Und: „Die Verkaufsfläche, ein kaufmännisch wichtiger Faktor, beträgt — Passagen eingerechnet — rund 1500 Quadratmeter. Besonders eindrucksvoll und werbewirksam ist die zirka 200 Meter lange Schaufensterfront, die der Ecke ein besonderes Gepräge gibt. Als wohltuend wird auch die hübsche Unterbrechung des Daches durch Gauben empfunden.“

Nun ja, man kann es anders sehen. Hier zieht sich Lüneburg hübsch an Über Jahrzehnte verkauft die Familie Grote hier Mode. Dann gibt sie das Geschäft an den Chef des Modehauses Hedemann, Rolf Böttger, ab, der eröffnet nach einem Umbau im Frühjahr 1986. „Rolli“, wie ihn Freunde nannten, führte als Stammhaus Hedemann an der Grapengießerstraße. Doch 1998 zieht er sich zurück an den um- und ausgebauten Standort an der Grapengießerstraße. Sicher auch, weil der Druck der Ketten groß ist. Die Buchhandlung folgt. Hedemann ist nur noch eine Erinnerung. ca

© Fotos: Kaufhaus Lüneburg


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