Polizei erdet „Fliegende Bauten“
von Carlo Eggeling am 12.01.2026Die Baum-Siedlung ist vorerst Geschichte, die Polizei baut zwei Hütten im Geäst der Bäume des Lüner Holz ab. Die Beamten bezeichnen sie aus rechtlicher Sicht als "fliegende Bauten" -- aktuell fliegt viel nach unten und landet in einem Container.
Wie berichtet, waren am Morgen mehrere Dutzend Beamte der robusten Verfügungseinheit, der Bereitschaftspolizei sowie der Technischen Einheit aus Hannover angerückt, um die erhöhten Proteste quasi zu erden. Die Begründung in Kürze: Verstöße gegen das Waldgesetz sowie gegen Sicherheitsvorgaben. Eine Mahnwache an zugewiesenem Ort sei möglich, doch eben nicht zehn Meter über dem Boden, hatte Polizeisprecher Kai Richter gesagt.
Inzwischen ist klar, das vier Männer und Frauen an Seilen in den Wipfeln hängen. Die sollen nun von den Spezialisten zu Boden gebracht werden. Im Umfeld hat die Polizei rund zwanzig Unterstützer ausgemacht, die aber nicht in den kritischen Bereich dürfen. Von der Fußgängerbrücke zwischen Lüne und Adendorf rufen sie "Lüni bleibt!" Der Protest sei friedlich.
So erwartungsgemäß wie die Polizei gegen das Camp vorgeht, bevor es wächst und die Unterstützergruppe zulegt, fällt der Protest beispielsweise des Klima-Kollektivs und der Linken im Rat aus: Das Vorgehen der Polizei sei unangemessen. Theresa Korn vom Klimakollektiv sagt: "Bei Minusgraden wurden Dutzende Polizeikräfte im Lüner Holz zusammengeholt, um gegen eine eigentlich geduldete Versammlung vorzugehen. Hinzu kommende Unterstützer*innen des Protests werden rechtswidriger Weise abgewiesen, sich der Versammlung zu nähern oder anzuschließen. Eine Rechtsgrundlage für die Maßnahmen bei den Baumhäusern oder gegen die Unterstützer*innen wird auch auf Nachfrage nicht vorgelegt oder vorgetragen."
Sie verweist auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Sachsen-Anhalt, das in einem vergleichbaren Fall ergangen sei: Baum-Protest sei zulässig, soll lange er niemanden gefährde.
Eben das führt die Polizei auf Nachfrage von LA an. Eben darauf habe man die Baumhausbewohner in den vergangenen Tagen mehrfach aufmerksam gemacht.
Die Erklärung des Klimakollektivs legt nahe, dass die Auseinandersetzung ein juristisches Nachspiel haben dürfte.
Für die Linke meldet sich Stadtratsmitglied Marianne Esders zu Wort. Die Linke fordert Oberbürgermeisterin Kalisch und die Stadtverwaltung auf, sich klar "zum Recht auf Protest zu bekennen und ihre Handlungsspielräume gegenüber Polizei und Land" wahrzunehmen. „Statt Eskalation zuzulassen, braucht es Dialog, Duldung und politische Lösungen“, sagt sie. „Repression beendet keinen Protest, sie verschärft Konflikte.“
Der Protest gegen den Ausbau der A39 bleibe aus Sicht der Linken legitim und notwendig. „Wer Wälder schützt, handelt im öffentlichen Interesse. Klimaschutz hat verfassungsrechtliche Relevanz und ist durch Artikel 20 im Grundgesetz verankert. Die Aufgabe der Stadt ist es, diesen Protest nicht zum Sicherheitsproblem zu erklären, sondern die Ursachen politisch anzugehen.“
Diese Haltung dürfte die Stadtspitze und die Oberbürgermeisterin vor einen Konflikt stellen. Einerseits möchte Lüneburg vom Bau der A39 profitieren, unter anderem deshalb wurde das Gewerbegebiet am Bilmer Berg erweitert, die Stadt hat Flächen für Unternehmensansiedlungen erworben. Andererseits vertreten die Grünen die Aufassung, die Autobahn sei aus umweltpolitischen Gründen abzulehnen. Claudia Kalisch ist bei einer Protestaktion auf der abgesperrten Ostumgehung mitgeradelt. Carlo Eggeling
Ein Video des Polizeieinsatzes finden Sie bei Lüneburg aktuell www.lueneburgaktuell.de/artikel/polizei-beendet-prozest-im-luener-holz/
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