Lüneburg, am Dienstag den 27.01.2026

Pressemitteilung der Jungen Union ./. MIT

von JU / MIT am 27.01.2026


Pressemitteilung der Jungen Union zur Debatte um den Antrag der MIT zur Lifestyle-Teilzeit.

Lüneburg, den 26. Januar 2026 – Die Junge Union Lüneburg übt Kritik am Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), der eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit vorsieht. Aus Sicht der JU setzt der Antrag an den falschen Stellen an, schafft neue bürokratische Hürden und lässt dringend notwendige Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Familien und Pflegende außer Acht.



Der Kreisvorsitzende der Jungen Union Lüneburg, Arwed Köster, erklärt dazu:

„Mehr Prüfverfahren, mehr Ermessensentscheidungen, mehr Bürokratie. Was die MIT sonst kritisiert, wird mit dem Antrag zur Abschaffung von „Lifestyle“-Teilzeit aufgebaut. Bestehende strukturelle Probleme, die seit Jahren bekannt sind, werden durch den Vorschlag nicht gelöst. Der deutsche Arbeitsmarkt braucht ein flexibles Arbeitsrecht, keine starren Vorgaben.“



Bürokratie statt Problemlösung

Nach Auffassung der Jungen Union führt der MIT-Antrag zu einer Ausweitung staatlicher Kontrolle über individuelle Arbeitszeitentscheidungen. Eine Begründungspflicht für Teilzeit sowie ein faktischer Vollzeit-Vorbehalt bei Sozialleistungen würden neue Prüf- und Genehmigungsverfahren schaffen und sowohl Beschäftigte als auch Verwaltungen zusätzlich belasten.



„Arbeitszeitmodelle dürfen nicht zum Gegenstand von Misstrauen und Rechtfertigungszwang werden“, so Köster. „Wer Flexibilität einschränkt, verschärft den Fachkräftemangel eher, als ihn zu lösen.“



Insbesondere im Bereich der Pflege braucht es Teilzeitkräfte. Hauptleistungen von Pflegekräften werden hauptsächlich zwischen 06 und 10 Uhr erbracht. Teils ist eine Vollzeitbeschäftigung aufgrund dieses Umstandes faktisch nicht umsetzbar. Der Vollzeit-Vorbehalt wäre in der Folge ein fataler Fehler für diese Branche.



Fehlende Rahmenbedingungen bleiben ungelöst

Die Junge Union Lüneburg kritisiert insbesondere, dass der Antrag zentrale strukturelle Ursachen für Teilzeitarbeit ignoriert. Viele Menschen arbeiten meist nicht aus Bequemlichkeit in Teilzeit, sondern weil die notwendigen Voraussetzungen für Vollzeitarbeit fehlen. Anstatt des genannten Vorschlags braucht es eine gesicherte Kinderbetreuung, eine starkes Pflegesystem sowie eine Verringerung von Steuern und Abgaben. Diese Veränderungen würden einen echten Mentalitätswechsel erwirken.

Hier die Aussage der MIT:

Lifestyle auf Kosten der Allgemeinheit? Die MIT stellt klar: Teilzeit ja, aber mit Verantwortung
Der jüngste Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) zur Reform der Teilzeitregelungen hat bundesweit Schlagzeilen gemacht. Dabei ist es zu vielen Missverständnissen gekommen.

Medienberichte von „Lifestyle-Feindlichkeit“ bis hin zu angeblicher „Rolle rückwärts in die Steinzeit“ zeichnen ein verzerrtes Bild. Dieses Bild hat mit der wirtschaftlichen Realität im Land und insbesondere in der Region Lüneburg wenig zu tun.

Worum geht es wirklich?

Die MIT fordert eine sachgerechte Reform der Brückenteilzeit. Der Anspruch auf Brückenzeit ist aktuell nicht an das Vorliegen bestimmter Gründe (zum Beispiel Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen) gebunden. Eine Begründung des Teilzeitwunsches ist daher nicht erforderlich. Der Rückkehranspruch in Vollzeit soll künftig an objektiv nachvollziehbare Gründe gebunden sein. Dazu zählen beispielsweise Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildung. Diese Fokussierung auf Lebensphasen, in denen Menschen real eingeschränkt sind, soll die Balance im Arbeitsmarkt wiederherstellen. Der Rückkehranspruch war nie als dauerhaftes Modell gedacht, sondern als Übergangslösung.

Teilzeitquote auf hohem Niveau – aber auch Symptom struktureller Defizite

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Teilzeitquote im Jahr 2023 bei rund 31 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Aktuelle Quartalszahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verzeichnen für 2025 sogar einen Rekordwert von 40,1 Prozent. Frauen sind dabei besonders betroffen: Rund 49 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiteten im Jahr 2024 in Teilzeit, bei Männern waren es etwa 12 Prozent. Für viele ist das eine bewusste Entscheidung. Für andere ist es eine Folge struktureller Hürden. „Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass viele Eltern, insbesondere Frauen, gerne mehr arbeiten würden, wenn die Rahmenbedingungen es zuließen“, erklärt Patrick Pietruck, Vorsitzender der MIT Lüneburg. „Deshalb sagen wir: Wer mehr arbeiten will, soll das auch können.“ Dazu gehört aus Sicht der MIT ein deutlich verbesserter Ausbau flexibler Kinderbetreuung, insbesondere in Randzeiten, sowie eine gezielte Unterstützung pflegender Angehöriger.

Verantwortung statt Fehlanreize im Sozialstaat

Gleichzeitig gilt: Die Kombination von freiwilliger Teilzeit und dem gleichzeitigen Bezug aufstockender Sozialleistungen darf nicht zur neuen Normalität werden. Die MIT fordert, dass die Solidargemeinschaft nur dann einspringt, wenn Menschen objektiv nicht mehr arbeiten können. Wer sich bewusst gegen eine Vollzeitstelle entscheidet, kann nicht erwarten, dauerhaft auf staatliche Unterstützung zu bauen. „Unser Sozialstaat basiert auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung“, so Pietruck. „Wer arbeiten kann, soll das auch tun. Das ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck ökonomischer Vernunft.“

Eigenverantwortung ermöglichen, strukturelle Barrieren abbauen

Die MIT will niemanden bevormunden. Sie will befähigen. Jeder Mensch darf selbstverständlich selbst entscheiden, wie viel er oder sie arbeiten möchte. Aber individuelle Entscheidungen dürfen nicht auf Kosten der Allgemeinheit gehen. Wer sich für Teilzeit entscheidet, darf daraus keinen gesetzlichen Rückkehranspruch oder dauerhaften Finanzanspruch ableiten. Gleichzeitig ist die Politik in der Pflicht, die Voraussetzungen für mehr Vollzeitarbeit zu schaffen. Dazu braucht es flexible Betreuungsangebote, weniger Bürokratie und eine moderne Arbeitsmarktpolitik.

Fazit: Teilzeit ja, aber mit Augenmaß und wirtschaftlicher Vernunft

Die MIT setzt sich für ein modernes, chancengerechtes Arbeitsrecht ein, das individuelle Flexibilität zulässt, aber auch die Interessen der Allgemeinheit schützt. In Zeiten massiven Fachkräftemangels und steigender Sozialkosten braucht es klare Regeln, ehrliche Debatten und wirtschaftspolitischen Realitätssinn.

© Fotos: JU / MIT


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